Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Kinderstuben für Korallen
Lifestyle 6 Min. 01.02.2019

Kinderstuben für Korallen

Das Inselparadies hat mit einigen Umweltproblemen zu kämpfen - „grüne“ Urlaubsresorts versuchen diesen entgegenzuwirken.

Kinderstuben für Korallen

Das Inselparadies hat mit einigen Umweltproblemen zu kämpfen - „grüne“ Urlaubsresorts versuchen diesen entgegenzuwirken.
Foto: Karsten Heinke
Lifestyle 6 Min. 01.02.2019

Kinderstuben für Korallen

Das empfindliche Ökosystem der Malediven ist aufgrund des Klimawandels, Überfischung und durch zunehmenden Tourismus in Gefahr. Doch nachhaltiger Urlaub soll die Natur vorm Sterben bewahren.

von Carsten Heinke

Wie einen riesigen Aquamarin lässt die Tropensonne die Lagune vor Lankanfushi funkeln. Ihr türkisfarben schimmerndes Wasser ist so klar wie ein Kristall. Selbst vom Strand aus sieht man die bunten Fische, die sich im Schatten eines Dhoni – die hölzernen Boote der Malediver – tummeln. Der Sand unter den Füßen ist weich und fein wie Pulverschnee und so blendend weiß, dass er die Palmenwedel noch grüner scheinen lässt und den Himmel noch viel blauer. Der Strand von Gili Lankanfushi ist nur 20 Bootsminuten von der maledivischen Hauptstadt Malé und ihrem Flughafen entfernt. Vor ihm liegt der Indische Ozean, dahinter das Fünf-Sterne-Öko-Eiland, das TripAdvisor in diesem Jahr zum besten Resort des Landes und in die Top 5 der weltbesten Hotels gewählt hat.

„Alles okay mit Ihrer Villa?“, fragt Nicolas Khairallah. Wie alle auf der Mini-Insel ist der 32-jährige Hotelmanager barfuß und mit einem Bambusfahrrad unterwegs. „Okay“ ist gut. Denn jedes Haus, das man als Gast mit seinem Partner oder ganz für sich allein genießt, ist ein zweistöckiger Holzpalast. Wie 44 andere steht er im Wasser und ist nur per Brücke oder schwimmend zu erreichen.

Seesterne als Widersacher

Wie die komplette Anlage wurden auch die extravaganten Unterkünfte streng nach ökologischen Gesichtspunkten gestaltet. Die privaten Butler, die zu jedem Haus gehören haben sicher wenig Arbeit. Denn wer ist hier als Gast nicht wunschlos glücklich?

„Wir tun alles, um die Umwelteinflüsse des Hotels so gering wie möglich zu halten und so viel wie möglich für die Natur zu tun“, erklärt Nicolas. International anerkannte Öko-Gütesiegel wie das von EarthCheck untermauern das. So genießt man seinen Smoothie und die Aussicht und lässt seine Seele weiter baumeln. Keine Frage, es ist nicht nur traumhaft schön, sondern ebenso ein idealer Ort zum Träumen. Doch Emma Bell holt den versunkenen Romantiker in die Wirklichkeit zurück. Mit Schnorchelzeug und einem Stoffsack in den Händen kommt ihm die junge Meeresbiologin auf dem Landungssteg entgegen. Sie erinnert ihn daran, dass kein Paradies nur paradiesisch ist, auch dieses nicht.

Meeresbiologin Emma Bell präsentiert einen Dornenkronen-Seestern.
Meeresbiologin Emma Bell präsentiert einen Dornenkronen-Seestern.
Foto: Carsten Heinke

Der Beutel, den Emma von ihrer Inspektion im Hausriff mitgebracht hat, ist noch triefend nass. Als sie ihn umdreht, purzelt ein halbes Dutzend rötlich-violetter Nadelkissen heraus. „Das sind Dornenkronen-Seesterne – hübsch, aber heikel, denn ihre Leibspeise sind Steinkorallen“, erklärt die 23-jährige Britin. Die Stachelhäuter, deren Stacheln auch der Mensch besser nicht zu nahe kommen sollte, richten in den Riffen großen Schaden an.

Klimawandel killt die Riffe

„Bis zu sechs Quadratmeter Korallen kann so ein Tier binnen eines Jahres verputzen“, weiß Emma. Immer häufiger komme es zu massenhaften Vermehrungen. Gründe dafür seien das Verschwinden natürlicher Feinde durch Überfischung, vermutlich aber auch ins Meer gelangte Düngemittel. „Die sorgen für mehr Grünalgen – Nahrung für die Seestern-Larven“, so die Wissenschaftlerin. Um Plagen vorzubeugen, gehen sie und ihr Team täglich auf Patrouille.

Doch selbst wenn ganze Riffe kahlgefressen werden: Gründe für das Korallensterben gibt es viele. Die explosionsartige „Algenblüte“ selbst entzieht den Meerestieren lebenswichtige Grundlagen und vergiftet sie. Auch jährlich 6 000 Tonnen Sonnenschutzmittel schaden den Riffen enorm. Emma empfiehlt deshalb Naturkosmetik mit mineralischen UV-Filtern, frei von Mikroplastik. „Am konsequentesten wäre es, komplett ohne Sonnencremes ins Wasser zu gehen und stattdessen lange Kleidung zu tragen“, meint die Umweltaktivistin.

Der unbestritten größte Verlust an Korallen geht jedoch auf das Konto der sogenannten Bleichen. Bereits um die Jahrtausendwende war etwa die Hälfte aller Riffe davon betroffen. Vor allem durch den letzten El Niño wurden mehr als zwei Drittel des Weltbestands zerstört. Auch die Malediven verloren mehr als 60 Prozent ihrer Korallen.

„Bedingt durch die globale Erwärmung, können die Steinkorallen ihren Stoffwechsel nicht aufrecht erhalten. Zunächst verlieren sie ihre prächtigen Farben, dann sterben sie“, erläutert Ameer Awad Abdulla. Der australische Meeresbiologen, der sich weltweit für die Rettung der Ozeane engagiert, ist zu Gast in Reethi Beach im Baa-Atoll, etwa 120 Kilometer von Malé.

Künstlich angelegte Korallenstuben wie diese sollen den Fortbestand der 
Nesseltiere sichern.
Künstlich angelegte Korallenstuben wie diese sollen den Fortbestand der 
Nesseltiere sichern.
Foto: Carsten Heinke

Wie Gili Lankanfushi gehört das Hotel zu Green Pearls, einem internationalen Netzwerk für nachhaltigen Tourismus. Das ökologische Konzept von Reethi Beach beinhaltet etwa die eigene Abwasserentsorgung und Trinkwasserherstellung – wozu auch die Abfüllung in wiederverwendbare Glasflaschen gehört. Eine Besonderheit dieses Resorts unter Leitung von Direktor Peter Gremes ist das Wertstoff-Recycling. Dazu wird nicht nur der eigene, auf ein Minimum beschränkte Plastikmüll, sondern auch der der ganzen Umgebung gesammelt und aufbereitet. Aus dem daraus gewonnenen Granulat werden in Taiwan Schuhe hergestellt.

Auch das kürzlich eröffnete Schwesterhotel Reethi Faru wenige Kilometer weiter profitiert von dem nachhaltigen Konzept. Dazu gehört unter anderem, dass jeder Gast eine lebendige Erinnerung auf der Insel hinterlassen kann, indem er einen Baum pflanzt.

Um die Betreuung von Forschungs- und Rettungsprojekten zum Schutz marinen Lebens kümmern sich Ameer und sein Kollege Paul Marshall. Bei ihren regelmäßigen Besuchen der Green-Pearls-Hotels bringen sie Personal und Gäste auf den neuesten Stand. „Eine super Sache“, meint Jan-Hendrik Träger, der den Vortrag der beiden Wissenschaftler gehört hat. Der Krankenpfleger ist wie sein Vater begeisterter Sporttaucher. Beide nutzen ihren Malediven-Urlaub für ihr Hobby und entschieden sich dazu bewusst für eine „grüne“ Variante. Besonders spannend findet der 24-Jährige das Korallenaufzuchtprogramm, an dem sich jeder aktiv beteiligen kann. Dank Partnerschaft mit der UmweItschutzorganisation EarthCheck hat man mit den „Korallenkindergärten“ auch in Gili Lankanfushi positive Erfahrungen gesammelt. Wer will, kann eine Patenschaft übernehmen und bei der künstlichen Fortpflanzung der Riffbewohner selber Hand anlegen. Emma Bell lädt interessierte Hotelgäste ein, ihr beim Knüpfen einer „Korallen-Kette“ zu helfen.

Vor der Hütte der Meeresbiologin liegt ein etwa fußballgroßer lebender Geweihkorallenstock. Mit Hammer und Meißel schlagen die Urlauber die Lebensgemeinschaft tausender Einzelpolypen in kleine Stücke und knüpfen sie im Abstand von etwa zehn Zentimetern in lange, dicke Seile. Als alle fertig sind, fahren sie per Boot in Richtung Riff. Während die Schnorchler von oben assistieren, taucht Bell hinab zur Zuchtstation, die einem großen Wäscheständer ähnelt. Wie Büschel kleiner Zweige hängen dort schon ästelnde Korallen an Leinen zwischen Stangen. Behutsam vertäut Bell die frischen Setzlinge. „Wenn ihr euch gut entwickelt, dürft ihr in zwei, drei Jahren raus ins Riff“, verspricht sie ihnen. Emmas Helfer freuen sich auf ein Wiedersehen im nächsten Urlaub.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Marokkos filmreife Kulisse
Hinter dem Hohen Atlas erhebt sich ein altes Kunstwerk aus Lehm: die berühmteste Kasbah Marokkos, Ait Ben Haddou. Ein Ort, um in Ruhe zu träumen – es sei denn, Hollywood dreht mal wieder einen Film.
asdf
Willkommen im Club
Mit zehn neuen und angekündigten Anlagen gehen die großen Clubanbieter ins neue Jahr. Auffällig ist dieses Mal: Die günstigere Konkurrenz macht den Clubklassikern Club Med, Robinson und Aldiana Dampf.
SRT-Bild Archivnummer: 7412101154, FERIENCLUBS, SRT-Archivbild, Beschreibung: Aldiana Club Calabria. Foto Aldiana Aldiana
Honorarpflichtiges Motiv, www.srt-bild.de, Tel. 08171/4186-6, Fax 4186-85, Konto Postbank München IBAN DE73700100800384573808, BIC PBNKDEFF. Orig.-Name: ALDIANA_CLUB_CALABRIA.JPG, Motiv max. verfügbar in 1920 x 1080 px.
Wo die Bäume Pelz tragen
Belaubte Wälder, Wärme, Licht und blauer Himmel sind auf der Kanareninsel La Gomera das ganze Jahr über gang und gäbe. Ein Schlaraffenland auf dem immergrünen Eiland im Atlantik ist der geheimnisvolle Lorbeerwald von Garajonay.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.