Kia Rio: Den Kinderschuhen entwachsen
Von Marc Willière
Moderner sowie deutlich reifer präsentiert sich der Kia Rio an der Schwelle seiner Volljährigkeit. Dem seit 1999 gebauten B-Segment-Modell verpassten die Koreaner jetzt eine kraftvollere Front. Der breitere Kühlergrill in markentypischer „Tigernasen“-Form sowie die schmaleren Scheinwerfer sind deren prägenden Elemente. Schmaler als beim Vorgänger fallen auch die Rückleuchten im ansonsten nur leicht veränderten stabilen Steilheck aus.
Erst im Profil zeigt der Rio sein wirklich neues Gesicht: Indem er in der Länge 15 Millimeter (auf jetzt 4,06 Meter) zulegt und gleichzeitig in der Höhe leicht verliert (minus fünf Millimeter auf 1,45 Meter) werden seine Proportionen ausgewogener, wozu ebenfalls die verlängerte Motorhaube und der verlängerte Radstand beitragen. Mit der optischen Dynamik geht zudem eine höhere Aerodynamik (cW-Wert: 0,316) einher, zu der auch die Vollverkleidung des Unterbodens beiträgt.
Der gewachsene Rio trumpft auch mit mehr Platz auf. Für einen Kleinwagen ist sein Angebot für die Passagiere – besonders im Fond – recht anständig; gleiches gilt für das Gepäck im nunmehr 325 Liter fassenden Kofferraum (ein Plus von 37 Litern). Das Umklappen der Rücksitze vergrößert den Frachtraum auf 980 Liter.
Wertiges, übersichtliches Cockpit
Das Cockpit ist überdies übersichtlich gestaltet, und die Wertigkeit der verwendeten Materialien liegt über dem klassenüblichen Durchschnitt. Mittelpunkt des neu aufgelegten Armaturenträgers ist der fünf bzw. sieben Zoll große Touchscreen, über das sich viele Funktionen wie das Navigationssystem und das Smartphone steuern lassen. Neben vielen Ablagen stechen im Interieur noch das beheizbare Lenkrad sowie der USB-Anschluss hinten ins Auge.
Unter der Motorhaube verrichten zwei Diesel und vier Benziner mit einem Leistungsspektrum von 57 kW (77 PS) bis 88 kW (120 PS) ihren Dienst. Alte Bekannte sind die 1,2- bzw. 1,4-Liter-Aggregate. Neu ist der 1,0-Liter-Turbo-Dreizylinder, der bereits vor zwei Jahren seine Premiere im überarbeiteten Kia cee’d feierte. Wie im Schwestermodell Hyundai i20 steht die Topmotorisierung auch im Rio in zwei Varianten mit 74 kW (100 PS) bzw. 88 kW (120 PS) zur Auswahl.
Fahrspaß trotz Downsizing
Der neue Motor mobilisiert nicht nur ein maximales Drehmoment von 172 Nm, das über einen weiten Drehzahlbereich ab 1.500 U/min (bis 4.000 resp. 6.000 U/min) zur Verfügung steht. Entsprechend dynamisch sind seine Fahrleistungen. Auch in den Bereichen Handling und Fahrkomfort punktet der Rio: Der kleine Flitzer mit Downsizing-Benziner sorgt für jede Menge Fahrspaß.
Geschaltet werden die Benziner mit einem Fünf- resp. Sechs-Gang-Getriebe. Der 1,4-Liter-Motor kann alternativ mit einer Vier-Gang-Automatik bestückt werden. Komplettiert wird die Motorenplatte mit dem von der dritten Generation übernommenen 1,4-Liter-Turbodiesel mit 52 kW (70 PS) bzw. 66 kW (90 PS) Leistung. Auch er wurde überarbeitet, sodass sich der durchschnittliche Verbrauch trotz mehr Drehmoment und gesteigerter Beschleunigung Kia zufolge nicht erhöhte. Standard ist ein Sechs-Gang-Schaltgetriebe.
Schließlich legt Kia auch bei der Sicherheit nach. Nicht nur besteht die Karosserie des kleinen Koreaners jetzt zu 51 Prozent aus hochfestem Stahl (beim Vorgänger waren es 33 Prozent). Für alle Versionen des in den Ausführungen Lounge, Easy, Fusion und Sense angebotenen Rio sind die Rückfahrkamera, die autonome Notbremsung mit Fußgängererkennung sowie der Spurhalteassistent verfügbar.
Auf den koreanischen Ursprung des neuen Kia – wie übrigens auch bei den Modellen von Hyundai – verweist eigentlich nur noch der Markenname. Bei Design und Ausstattung hingegen ist der Rio längst in Europa angekommen, wo er sich immer mehr zu einer attraktiven Alternative und ernsten Konkurrenz für die lokalen Mitbewerber entwickelt.
