Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Kerzen Made in Heiderscheid
Lifestyle 20 8 Min. 14.03.2020

Kerzen Made in Heiderscheid

Kommunionskerzen, Dekorkerzen, Kerzen zum Geburtstag - in der "Käerzefabrik Peters" in Heiderscheid bleiben fast keine Wünsche offen.

Kerzen Made in Heiderscheid

Kommunionskerzen, Dekorkerzen, Kerzen zum Geburtstag - in der "Käerzefabrik Peters" in Heiderscheid bleiben fast keine Wünsche offen.
Foto: Gerry Huberty
Lifestyle 20 8 Min. 14.03.2020

Kerzen Made in Heiderscheid

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
In Heiderscheid sorgt Familie Peters in der "Käerzefabrik" nicht nur dafür, dass Luxemburgs Kirchen strahlen können, sondern bringt den Schein der Kerze auch nach Hause.

Rund, eckig, groß, klein, dick, dünn, grün oder gelb – Kerzen gibt es in den unterschiedlichsten Formen und Farben. Und doch haben sie alle eines gemeinsam: Sie verbreiten ein warmes Licht und das Gefühl von Geborgenheit. In der "Käerzefabrik" der Familie Peters in Heiderscheid findet man sie alle: egal ob Exemplare für religiöse Zwecke wie Taufe oder Kommunion oder schlicht zur Dekoration. In großen Regalen stapeln sich Dekorkerzen über Geburtstagskerzen. Im Verkaufsraum bekommen Besucher einen Überblick darüber, was alles möglich ist. Ehrlicherweise muss man gestehen, dass einige der dort ausgestellten Exemplare schlicht zu schade zum Abbrennen sind. So wie eine Kettensäge oder ein aus Wachs gefertigter Porsche, den John Peters damals für den Ex-Rallyefahrer Walter Röhr gemacht hat – alles in Handarbeit.

Auch für kirchliche Zwecke sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Im Produktionsraum steht ein besonders großes sakrales Exemplar. Auf der Kerze prangt ein Regenbogenmotiv mit einer Friedenstaube. Darunter steht "Fridden, Eenheet, Gerechtigkeet". "Die stand in Bissen in der Kirche. Eine Familie hat sie gestiftet, aber dann wurde sie von Jugendlichen umgeworfen und ist gebrochen", erklärt John Peters (62). 75 Kilo wiegt das Werk. Und sie ist noch lange nicht das größte, was der gelernte Dreher und Schlosser je hergestellt hat. "Die dickste, die ich mal gemacht habe, war ein Kürbis aus Altwachs, der wog 1.200 Kilo."

Die Kerzen für den Kirchenbedarf, die John Peters und seine Kinder herstellen, werden ebenfalls von Hand gefertigt. Seit vier Jahren hat Sohn Jan (33) das Zepter in der Produktion übernommen, Johns Töchter arbeiten ebenfalls mit - im Verkauf und im Büro. Doch auch Vater John selbst packt immer noch mit an. Gerade jetzt kann die Käerzenfabrik auch jede helfende Hand gebrauchen. Da Ostern vor der Tür steht, ist bei Familie Peters alles auf das große christliche Fest eingestellt. Denn die Osterkerzenproduktion ist in vollem Gange und schließt sich damit fast schon nahtlos an die Weihnachtszeit an, die ebenfalls Hochsaison ist.

Bienenwachs dazu

Basis für jede der Kerzen ist Paraffin, ein Restprodukt aus der Erdölproduktion. Der Rohstoff, den Familie Peters verwendet, hat weniger als 0,5 Prozent Ölgehalt. "Je weniger Öl, umso sauberer brennt die Kerze und umso weniger rußt sie", erklärt John Peters. Bei Kirchenkerzen kommt dann noch Stearin dazu, ein Naturprodukt, das die Kerze härter macht und ihr das typisch milchige Aussehen verleiht. Eine weitere Besonderheit: Für alle sakralen Kerzen werden zehn Prozent Bienenwachs genutzt. Dabei handelt es sich um eine liturgische Vorschrift.

Eine eher klassische Osterkerze, bei der die Farbe rot dominiert.
Eine eher klassische Osterkerze, bei der die Farbe rot dominiert.
Foto: Gerry Huberty

"Ab dem Mittelalter bestanden Kerzen aus 100 Prozent Bienenwachs. Die Biene stand damals als Symbol für Keuschheit", erklärt Romain Richer, Sekretär der Liturgiekommission des Erzbistums. So wie der Kelch aus einem besonderen Material sei, solle es auch die Kerzen sein. Nach dem Motto "Für Gott nur das Beste". "Im Zweiten Weltkrieg war es dann immer schwieriger, an Bienenwachs zu kommen. Da ist man auf Paraffin umgestiegen. Aber man hat sich darauf geeinigt, trotzdem noch zehn Prozent Bienenwachs zu verwenden, damit der edle Rohstoff in jeder Kerze präsent ist." 

Zur Herstellung werden die Zutaten in einem Kessel auf etwa 90 Grad erhitzt. Auf einer Zugmaschine wird der Docht aufgewickelt. Darunter befindet sich eine Wanne, in die das flüssige Wachsgemisch eingefüllt wird. Der Docht läuft auf der Maschine durch diese Wanne und wird bei jeder Umdrehung einen zehntel Millimeter dicker. Wer also eine Kerze von vier Zentimetern Durchmesser herstellen will, muss den Docht 400 Mal durch die Wanne laufen lassen. "Es ist ein bisschen wie Baumkuchen", erklärt John Peters.

Will man so 100 Meter Kerze herstellen, dauert das etwa 4.5 Stunden. "Dann schneiden wir Stücke in der Größe ab, wie wir es brauchen." Danach kann die Kerze aber nicht sofort angezündet werden. "Wir müssen sie erst spitzen, damit der Docht frei wird. Und am Fuß bohren wir noch ein Loch für den Kerzenständer. Fertig ist die typische Altarkerze", so Peters senior.

Symbol für das Licht der Welt

Doch warum zündet man überhaupt Kerzen in der Kirche an? "Anfangs ging es sicher auch darum, Licht zu haben", erklärt Richer. Aber im Grunde symbolisiere sie vor allem die Präsenz Gottes. "Im Johannesevangelium wird Jesus als das Licht der Welt bezeichnet. Zündet man eine Kerze an, ist das ein Symbol dafür, dass sein Licht in unsere Dunkelheit kommt. Jesus Christus schenkt uns in diesem Licht Wärme und Geborgenheit." So stünden Kerzen an den wichtigsten Orten der Kirche. "Die Osterkerze hat natürlich einen zentralen Platz, damit man sie gut sehen kann. Taufkerzen werden an ihr angezündet, damit das Licht weiter geschenkt wird. Bei Beerdigungen etwa erinnert das Licht daran, dass nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern das Licht neues Leben schenkt", erklärt der Theologe.

Im Durchschnitt kostet eine Osterkerze etwa 110 Euro, plus Mehrwertsteuer. Natürlich hängt das auch von Größe und Motiv ab. "Normalerweise sind Osterkerzen etwa 80 Zentimeter hoch. Aber die Kathedrale oder die Basilika in Echternach bekommen natürlich größere, in einem solchen Raum würden sich zu kleine Kerzen verlieren", erklärt Jan Peters. In ihrem Katalog präsentiert die Käerzefabrik ausgewählte Motive. Aber das Angebot ist, wie die Kirche, im ständigen Wandel. "Früher wurden oft klassische Kerzen bestellt, das Pax-Zeichen in Rot und Gold", erinnert sich Jan Peters. Aber in Heiderscheid hat man schon früh damit begonnen, sich auch für moderne Motive zu öffnen. "Dann kann jeder Kunde seine Gedanken spielen lassen", meint John Peters. Das Angebot eher unkonventioneller Motive sei auch der Grund, warum die Luxemburger Kerzen im Ausland gefragt sind. Sogar der Bischof von Glasgow bekommt Osterkerzen aus Heiderscheid, wie der Senior erklärt.

Etwa 80 Tonnen Paraffin werden in der Käerzefabrik jährlich verarbeitet. Alleine die Kathedrale bekommt 150.000 Opferlichter im Jahr. "Als ich vor 29 Jahren angefangen habe, haben wir drei Jahre lang gearbeitet, bis die Kathedrale Kunde bei uns war. Damals brannte dort ein Opferständer mit 80 Kerzen. Dann haben wir einen größeren Ständer gemacht, mit 380. Nach weiteren zwei Monaten haben wir einen noch größeren gemacht. Wenn Kirchenbesucher die Möglichkeit haben, eine Kerze anzuzünden, dann tun sie das auch. Wenn sie keine Möglichkeit haben, tun sie es auch nicht", so John Peters. Er und sein Sohn produzieren neben den Kerzen auch die Opferständer oder andere Dekorationen aus Metall. Etwa 80 Prozent der Kirchen im Großherzogtum sind Kunden des heiderscheider Unternehmens.

Osterkerzen für mehrere Jahre

Doch mit der sich wandelnden Rolle der Kirche hat sich auch die Nachfrage geändert. Während Kerzen für Hochzeiten oder Taufen weitestgehend konstant verkauft werden, gibt es vor allem im Bereich der Kommunionskerzen einen Rückgang, seit die entsprechende Vorbereitung nicht mehr an den Schulen stattfindet und daher immer weniger Kinder zur Kommunion gehen. "Viele Kirchen sind auch einfach nicht mehr offen, natürlich gehen da dann auch die Kerzen zurück", meint John Peters. Etwa 150 Osterkerzen produzieren er und seine Familie jährlich noch. "Früher war das mehr, da wurde jedes Jahr für jede Kirche eine neue Kerze gemacht. Mittlerweile gibt es viele Kunden, die keine Jahreszahlen wollen, dann können sie sie länger benutzen, oder jene, die jedes Jahr eine neue Zahl draufmachen."


Luxemburger Kirche gibt Tipps zum Umgang mit Corona-Virus
Vorsicht vor dem Weihwasserkessel, Messen ohne Friedensgruß: Das Erzbistum Luxemburg sorgt sich um die Gesundheit seiner Gläubigen - und hat nun konkrete Corona-Verhaltenstipps gegeben.

Auf die Frage, was ihm am meisten Spaß mache, antwortet John Peters ohne Umschweife: "Die Neuentwicklung von Produkten. Ich mache auch viele Sachen, die nie im Laden landen, aber über dem Arbeiten entstehen immer neue Ideen." Und mit denen will er die Leute zum Nachdenken anregen. "Ich will einfach nicht immer das Gleiche abbilden."

Sohn Jan, der mit der Fabrik aufgewachsen ist, empfindet vor allem bei der Osterkerzenproduktion Freude: "Man braucht viel Zeit. Und wenn ich sie dann selbst ausfahre und den Dorn vom Leuchter anpasse - Es ist ein schönes Gefühl von null bis zum Kunden alles gemacht und angepasst zu haben. Und am besten ist der Kunde dann noch vor Ort und freut sich. Das ist die Bestätigung, dass es all die Stunden wert war. "

Ich mache auch viele Sachen, die nie im Laden landen, aber über dem Arbeiten entstehen immer neue Ideen.

John Peters

Für die beiden macht das Licht einer Kerze eine besondere Stimmung deutlich. Natürlich könne man heutzutage elektrisches Licht nutzen, aber, da sind die beiden sich einig, Kerzen haben einfach einen anderen Effekt. "Die Romantik, die Wärme. Dann das Flackern, die Bewegung. Es ist einfach ein warmes Licht", meint etwa John Peters. Und sein Sohn ergänzt: "Es ist ein lebendiges Licht, das immer anders scheint, während Lampen immer gleich sind. "

Für den gelernten Industriemechaniker sind Kerzen und Kirche fest verbunden. "Ich denke, wir sind es von klein auf gewohnt, dass die Kerzen in der Kirche präsent sind. Und wir wurden von klein auf auch so erzogen - wenn es jemandem schlecht ging, dann sind wir in die Kirche und haben eine Kerze angezündet."

Die Erklärung für diesen Brauch liefert Romain Richer: "Mit Kerzen, die man für andere anzündet, denen es schlecht geht, drückt man aus, dass man bewusst an diese Person denkt. Man tritt für jemanden in Aktion. Man geht in die Kirche, betet, zündet eine Kerze an und wenn man wieder geht, weiß man, dass das Gebet quasi verlängert wird durch die Kerze. Außerdem kann etwa Krankheit auch als Dunkelheit gesehen werden – und in diese Dunkelheit kommt das Licht der angezündeten Kerze."


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Der Vatikan gibt seine Geheimdokumente zur NS-Zeit frei
Für die einen ist er ein Heiliger, andere halten ihn für einen Nazi-Sympathisanten. Erstmals haben Wissenschaftler aus allen Teilen der Welt die Möglichkeit, Millionen Dokumente des Vatikans zur Rolle von Papst Pius XII. zu erforschen.
This undated photo provided by Italian news agency Ansa on February 23, 2020 shows Pope Pius XII using a typewriter at his study in the Vatican. - The entire Vatican archives on the pontificate of Pope Pius XII (1939-1958) are to open on March 2, 2020, a decision which had been called for decades by Jewish historians and organizations. (Photo by STRINGER / ANSA / AFP) / Italy OUT
Ansturm auf heilige Stätten
Die Reisenden strömen ins Heilige Land: Pilgerziele wie die Brotvermehrungskirche in Tabgha profitieren vom Tourismusboom in Israel.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.