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"Keine Chance für umweltbewusste Eltern"
Knallbunte Schulutensilien sind vielleicht hübscher anzusehen als ökologischere Alternativen, stecken aber oft voller Substanzen, die schädlich für Nutzer und Umwelt sind.

"Keine Chance für umweltbewusste Eltern"

Foto: Shutterstock
Knallbunte Schulutensilien sind vielleicht hübscher anzusehen als ökologischere Alternativen, stecken aber oft voller Substanzen, die schädlich für Nutzer und Umwelt sind.
Lifestyle 3 Min. 12.09.2018

"Keine Chance für umweltbewusste Eltern"

Zu Schulbeginn sind neue Materialien zum Schreiben und Basteln erfordert. Wie wichtig es dabei ist, auf ökologisch unbedenkliche Materialien zu achten, erklärt Marianne Kollmesch von der Emweltberodung Lëtzebuerg.

Interview: Birgit Pfaus-Ravida

Marianne Kollmesch, die nationale Kampagne "Ech kafe clever" in Zusammenarbeit mit Emweltberodung Lëtzebuerg, der SuperDrecksKëscht, Greenpeace sowie verschiedenen Ministerien gibt es schon seit einigen Jahren. Warum ist der Kauf von ökologisch unbedenklichem Schulmaterial eigentlich so wichtig?

Kinder verbringen viele Stunden in direktem Kontakt mit verschiedenen Mal-, Schreib- und Bastelutensilien. Deswegen ist es wichtig, dass diese Produkte die Gesundheit der Kinder nicht gefährden. Kinder sind anfälliger als Erwachsene, wenn es um chemische Stoffe geht. Ob Schwermetalle wie Barium, Cadmium, Blei oder Chrom, ob Weichmacher, Konservierungsstoffe, Lösemittel oder Flammschutzmittel, die sich in vielen Schreibsachen finden. Die Stoffe können durch regelmäßiges Kauen auf Bleistiften, Einatmen oder durch schwitzende Hände vom Körper aufgenommen werden und hier atemweg- und schleimhautreizend, hormonartig, neurologisch oder sogar krebserregend wirken.

Gibt es allgemeine Faustregeln zum Kauf von Schulmaterial?

In unserer Kampagne "Ech kafe clever" informieren wir jedes Jahr aufs Neue darüber. In der regelmäßig aktualisierten Produktliste wurden für Schüler, Eltern und Lehrer über 1 200 klassische und im Alltag gebräuchliche Schulmaterialien, wie zum Beispiel Blei- und Buntstifte, Kugelschreiber, aber auch Papier, Blöcke und Hefte, nach strengen Kriterien bewertet, was Umwelt und Gesundheit angeht. Die unseren Kriterien entsprechenden Produkte wurden so aufgelistet, dass eine eigenständige und aufwendige Suche nach umweltfreundlichem und gesundem Schulmaterial nicht mehr notwendig ist.


1. Luxemburger Fairtrade-Kollektion “3XVIVE 2018“  Jacques Schneider - - Photo : Pierre Matgé
Fair gekleidet in Luxemburg
Im Rahmen der Kampagne "Rethink your clothes" stellt Jacques Schneider gemeinsam mit Fairtrade Lëtzebuerg eine Eco-Shirt-Kollektion vor.

Weltweit werden jährlich rund 14 Milliarden Blei- und Buntstifte produziert und rund 400 Millionen Tonnen Papier verbraucht. Welche Materialien sind empfehlenswert – und welche eher nicht?

Uns ist es wichtig, dass die Produkte aus nachwachsenden oder recycelten Materialien bestehen und dass keine gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffkonzentrationen von etwa Schwermetallen und Lösungsmitteln enthalten sind.

Inwiefern wird der Handel mit einbezogen?

Wir informieren zwar, wo es die Materialien zu kaufen gibt, können aber keine Handelsunternehmen in die Pflicht nehmen, da sie in ihren unternehmerischen Entscheidungen frei sind. Die Schulsachen, die den Kriterien entsprechen, werden in den Geschäften mit dem bekannten SuperDrecks-Këscht-Label "clever akafen" versehen und so allen Kunden klar erkennbar empfohlen. Gleichwohl informieren wir aber auch Einkaufszentralen kommerzieller und sozialer Einrichtungen sowie Büroangestellte über die Materialien.

Wie gut kennen sich die Eltern heutzutage mit dem Thema aus?

Darüber gibt es keine verlässlichen Informationen oder Untersuchungen. Viele Familien achten bestimmt darauf und informieren sich über das Thema. Doch man muss annehmen, dass Eltern insgesamt nicht ausreichend Bescheid wissen, sonst wäre die Nachfrage nach solchen Artikeln sehr viel größer. Denn wer mutet seinen Kindern schon nachweislich giftige Schulmaterialien zu?

Arbeiten die Schulen bei Ihren Kampagnen gut mit?

Größtenteils schon. Es dürfte aber auch ein Info-Defizit bei den Grundschullehrern geben, denn es ist für uns nicht ersichtlich, dass ökologische Kriterien bei der Erstellung der alljährlichen Listen einfließen. Da diese Material-Listen für die Schüler verbindlich sind, haben auch umwelt- und gesundheitsbewusste Eltern keine Chance, anders einzukaufen.


Umweltfreundliches Schulmaterial: „Riecht dein Kleber auch so?“
Kurz vor Schulbeginn stapeln sie sich wieder in den Haushalten mit Kindern: die neuen Hefte, Bücher, Stifte, Ranzen. Doch sind diese auch schadstoffarm und umweltfreundlich? Die nationale Kampagne „Ech kafe clever“ informiert darüber.

Wenn die Kinder Produkte mit Dino- oder Einhornaufdruck wünschen, achten Eltern nicht zwangsläufig auf die ökologische Unbedenklichkeit. Wo könnten die Hersteller noch nachlegen, um es leichter zu machen, die nach Ihren Kriterien richtigen Materialien zu kaufen?

In der Breite des Sortiments und in der Verschiedenartigkeit der Produkte. Meistens gibt es nur eine Schiene mit ökologischen Produkten, daneben aber mehrere Schienen mit konventionellen Produkten, die unterschiedliche Bedürfnisse bedienen. Dabei müsste es umgekehrt sein: ökologische Produkte in verschiedenen Ausführungen und coolen Designs für unterschiedliche Bedürfnisse und Nachfragen, und dann eine "konventionelle" Schiene – für die Unverbesserlichen, die bewusst auf ökologisch sinnvolles Material verzichten wollen.

 Listen, Infomaterial und teilnehmende Geschäfte unter www.ech-kafe-clever.lu


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(Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei. Das Bild darf nur in Zusammenhang mit dem genannten Text, nur bei Nennung der Bildquelle und nur bis zum 15. September 2012 verwendet werden.)  Foto: Tourismusamt München/dpa/tmn
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