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Kanton Wallis: Zwischen Handwerk und Hautevolee
Lifestyle 5 Min. 25.01.2020

Kanton Wallis: Zwischen Handwerk und Hautevolee

In Grimentz scheint die Zeit auf wunderbare Weise stehen geblieben zu sein.

Kanton Wallis: Zwischen Handwerk und Hautevolee

In Grimentz scheint die Zeit auf wunderbare Weise stehen geblieben zu sein.
Foto: valdanniviers.ch
Lifestyle 5 Min. 25.01.2020

Kanton Wallis: Zwischen Handwerk und Hautevolee

Jessika Maria RAUCH
Jessika Maria RAUCH
Skipisten, gastronomische Hochgenüsse und Familienspaß in der Natur: Die unglaubliche Vielfalt lockt zahlreiche Besucher ins Schweizer Kanton Wallis - und das nicht nur im Winter.

Auf dem kurvenreichen Weg nach Grimentz, einer kleinen Gemeinde im französischsprachigen Val d’Anniviers, spürt man bereits, dass man in einer anderen Welt ankommen wird. Und passiert man das Ortsschild, so weiß man, dass hier die Zeit stehen geblieben ist. Grimentz ist ein kleines Bergidyll auf rund 1.500 Metern über dem Meeresspiegel, das den Kanton Wallis bestens repräsentiert: entschleunigt, unprätentiös und vor allem traditionsverbunden. „Wir sind nicht reich, aber wir kommen gut klar mit dem, was wir haben“, sagen einheimische Landwirte und Weinbauern.

Es sind zum einen die traditionellen Bauweisen, die das Bild bestimmen, die Gebirgsketten des Wallis und seiner Grenzen, aus denen 45 der 4 000er herausragen, und lokale Spezialitäten, inklusive Wein, die den Kanton vornehmlich charakterisieren. Der Walliser Barock prägt die Stadtbilder von Sierre, Sion und Brig, und auch die teilweise jahrhundertealten Bauernhöfe mit Korn- und Vorratsspeicher, deren Holzaufbau vom Sockel des Hauses durch steinerne, sogenannte „Mäuseplatten“ getrennt ist. So wird unter anderem Grimentz zum urig-romantischen Juwel, das es ist, und in das sich wohl auch der Luxemburger Architekt Paul Fritsch einst verliebt und sich dort niedergelassen hat.

Weinprobe mit Panoramablick

Ganz gleich, in welchem Ort man letztlich verweilen möchte: Im Wallis geht es gemütlich zu und vielerorts bodenständig. Außer man landet in Crans Montana, dem Nobelort der Region. Aber dazu später mehr.

Genussverächter sind die Schweizer wahrlich nicht und deshalb werden Gäste überall kulinarisch verwöhnt, im Wallis vor allem auch mit dem lokal angebauten Wein. Mit über 5.000 Hektar Anbaufläche ist der südwestliche Kanton die größte Weinbauregion des Landes. Sonnenverwöhnte Täler und Hänge lassen die Beeren der Fendant-Rebe, Petite Arvine oder Traminer reifen. Das Wallis zählt 300 Sonnentage im Jahr.

Weißweine überwiegen, aber zu den insgesamt circa 60 Rebsorten gehören auch rote wie etwa Pinot Noir und Syrah. Ebenso alte Sorten wie der Cornalin, die sich dunkel und fruchtig präsentieren, werden kultiviert und mit Stolz kredenzt, zum Beispiel von Jean-Marie Pont in dessen Weinkeller in Saint Luc.

In Saint Luc/Chandolin kommen auch Radfahrer auf ihre Kosten.
In Saint Luc/Chandolin kommen auch Radfahrer auf ihre Kosten.
Foto: valdanniviers.ch

Zahlreiche Orte dieser Art laden zur Verköstigung ihrer edlen Tropfen ein, darunter fast nur Familienbetriebe, wie etwa der von Weinbauer Ismaël Bonvin, Cave du Tambourin – Panoramablick inklusive. Wie viele serviert auch Bonvin außerdem hausgemachtes Raclette mit Käse aus lokaler Produktion sowie das für die Region typische Trockenfleisch und Schinken.

Nur Ende Januar, wenn der Cave du Tambourin seine 2019er Weine erstmalig vorstellt, werden Austern aus der Bretagne gereicht. Das kulinarische Angebot ist ansonsten regional geprägt und stammt fast ausschließlich von kleinen Betrieben. Zur geführten Rebsortenwanderung von Sierre nach Salgesch kommen Besucher in den vollen Genuss von Wein, Walliser Teller und weiterer Spezialitäten an mehr als 40 Ständen.

Kultur und Kulinarik

Kultur bereichert den Alltag auf unterschiedlichste Art und Weise, so auch den der Walliser. Neben gutem Wein, Brauchtümern und einem ausgeprägten Gemeinschaftssinn und Sportveranstaltungen gehören auch Bereiche der Hochkultur dazu. Musik-, Literatur-, Kunst- und Kulinarikfestivals, wie etwa in Gestalt eines Gourmet-Spaziergangs auf dem Weihnachtsmarkt in Crans Montana im Dezember, unterhalten das ganze Jahr über Einheimische und Urlauber.

72 der Walliser Restaurants sind im Gastroführer „Gault&Millau“ erwähnt, als Geheimtipp und Anwärter auf einen Michelin-Stern gilt das „Le Rawyl“ des Belgiers Bert De Rycker. Ein Stopp auf dem Weg in das auf 1.500 Metern Höhe gelegene Crans Montana bedeutet hier – neben einer spektakulären Aussicht auf das gesamte Tal – klassische Küche mit persönlicher Note zu genießen, die kreativ und ansprechend präsentiert ist, denn nur dann ist der ambitionierte Küchenchef vielleicht zufrieden.

Viele kommen schon alleine wegen seines Spezialgerichts her: ein außen knuspriger, innen rosafarbener Schweinebraten, dem De Rycker 65 Stunden gönnt, um servierfertig zu garen – „Procureur en cuisson lente‚ 65 heures“, leicht karamellisiert „ein Gedicht“, sagen Stammkunden.

Das Hotel Chetzeron ist in einer alten Seilbahnstation untergebracht.
Das Hotel Chetzeron ist in einer alten Seilbahnstation untergebracht.
Foto: valdanniviers.ch

Schneevergnügen für die Familie

Zermatt kennt jeder, Zinal vielleicht noch nicht. Doch auch dieser Skiort hat einiges zu bieten. Das Skigebiet Grimentz-Zinal umfasst mehr als 115 Pistenkilometer in einer Höhenlage von 1.670 bis fast 3.000 Meter. Die benachbarten Gebiete Saint Luc/Chandolin weitere 60 und Vercorin etwas weniger. Passend zur beschaulichen Atmosphäre ist auch die Hotellandschaft, die von vielen Pensionen und kleinen Hotels, Apartmenthäusern im zeitgemäßen Chalet-Stil, geprägt ist. Das Swisspeak Resort Zinal etwa macht Familien- oder Gruppenreisen zum entspannten Unterfangen auch dank direktem Zugang zu den Skipisten.

St.-Luc ist der Ort für Verliebte und Liebhaber von Wellness und Astronomie. Es gibt historische Hotels wie das Bella Tola, dessen erste Version im Jahr 1859 erbaut und dann umgesiedelt wurde, sowie das Grand Hotel du Cervin, das ein paar Jahrzehnte später, 1892, Kur- und Wintergäste empfing. Es wird aktuell renoviert und zwar mit Hilfe von privaten Unterstützern, die als Investoren eingestiegen sind und später als Gäste dort absteigen werden.


Die fotoscheuen Schafe würdigen das Matterhorn keines Blickes. / Foto: Frank WEYRICH
Das Matterhorn im Blick
Eine Wanderung in den Walliser Alpen am Fuß eines Schweizer Wahrzeichens verspricht spektakuläre Aussichten.

Gemeinsame Mission: Historisches erhalten und wertschätzen. Eine Tugend, die in der gesamten Gegend gepflegt und gelebt wird. Und die vor rund 30 Jahren installierte Sternenwarte hat sich zum Magnet für Touristen und Einheimische entwickelt.

Luxus, Design oder Camping

Die bekannte Feriendestination, bestehend aus den beiden Nachbarorten Crans und Montana, kann alles: schick, schön und schlicht. In die 125-jährige Geschichte passte vieles, das bis heute unterschiedlichste Gemüter begeistert. Der Campingplatz „La Moubra“ am See ist die „low budget“-Variante, 5-Sterne-Hotels wie das Crans Ambassadeur im 1970er-Jahre Stil die für Luxusliebhaber.

Und wer es abenteuerlicher braucht, der bucht sich im Chetzeron ein und überwindet die 2.000 Höhenmeter per Schneefahrzeug, nachdem das Auto am Ende der geteerten Straße stehen bleiben muss. In einer komplett umgebauten und zum Designhotel verwandelten ehemaligen Seilbahnstation kann man hier am nächsten Morgen wahrlich auf die Schneepiste fallen (nachdem man den Tag im Infinity Pool mit Blick in die Alpen begrüßt hat). 


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