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Kanarische Inseln: Idylle versus Ungezähmtheit
Lifestyle 14 4 Min. 13.06.2015 Aus unserem online-Archiv

Kanarische Inseln: Idylle versus Ungezähmtheit

Für Ziegenkäseliebhaber und die, die es werden wollen: das Museo del Queso Majorero samt Mühle in Antigua, Fuerteventura.

Kanarische Inseln: Idylle versus Ungezähmtheit

Für Ziegenkäseliebhaber und die, die es werden wollen: das Museo del Queso Majorero samt Mühle in Antigua, Fuerteventura.
Foto: Cheryl Cadamuro
Lifestyle 14 4 Min. 13.06.2015 Aus unserem online-Archiv

Kanarische Inseln: Idylle versus Ungezähmtheit

Nur etwa zwölf Kilometer voneinander entfernt und doch fast so unterschiedlich wie Tag und Nacht: Die Inseln Lanzarote und Fuerteventura. Während die eine mit Vulkanlandschaften und kunstvoller Architektur überzeugen kann, ist die andere ein Paradies für Wassersportler und Abenteurer. Doch warum eigentlich nicht beides miteinander kombinieren?

VON CHERYL CADAMURO

Man mag es auf den ersten Blick nicht vermuten, aber gemeinsam haben die beiden ältesten kanarischen Inseln der insgesamt sieben nur wenig. Schwarzes Lavagestein und Vulkane auf Lanzarote gegenüber endlosen Sandstränden mit türkisblauem Meer auf Fuerteventura: die Unterschiede liegen sprichwörtlich in der Natur der Sache.

Als sei man auf dem Mond gelandet: Diesen Eindruck kann Lanzarote mit seinem ungewöhnlichen Landschaftsbild durchaus vermitteln. Wohin man auch blickt, die Kraterlandschaft ist das bestimmende Element. Neben dem Wind. „Lanzarote ist pittoresk, Fuerteventura eher wild“, so Reiseführer Andreas Caliman.

Natur und Kultur im Einklang

Doch beginnen wir mit Lanzarote. Hier taucht vor allem ein Name immer wieder auf. César Manrique. Ob Museum, Monument oder Lavaröhre: es gibt fast nichts was der international bekannte Künstler im öffentlichen Raum nicht kreiert oder umgestaltet hat. An fast jeder Ecke sieht man den Kunststil des 2001 verstorbenen Lanzaroteners. Das Konzept: Natur und Wohnraum sollen im Einklang existieren. Und wie sieht das aus? Ganz einfach: Werbetafeln sind seit 1968 verboten, Bauwerke dürfen nicht höher als eine kanarische Dattelpalme sein. Weiße Wohnhäuser mit grünen Fenstern und Türen, oft auch mit abgerundeten Formen, dominieren das Stadtbild.

Möchte man sich einen Eindruck seiner Kunst verschaffen, empfiehlt sich ein Besuch seiner ehemaligen Residenz, der „Fundación César Manrique“ in Tahiche. Diese fungiert mittlerweile als Museum. Auf 30 000 Quadratmetern – sei es in der Wohnung, auf den Terrassen, in den Gärten oder bei den Parkplätzen – kann man den unverkennbaren Stil des Kunstschaffenden entdecken. Das Besondere daran: es befindet sich auf einem Lavastrom, welcher um 1730 bis 1736 aufgrund von Vulkanausbrüchen entstanden ist.

Aber auch das 15 Meter hohe Fruchtbarkeitsdenkmal „Monumento al Campesino“ – bestehend aus ausgedienten weißen Wassertanks – und das Bauernmuseum „Museo del Campesino“ im geografischen Zentrum Lanzarotes sind einen Besuch wert. Diese wurden zu Ehren der Bauern errichtet, die es trotz dürrem Boden fertigbrachten, landwirtschaftliche Produkte anzubauen. Im Museum selbst kann man eine Zeitreise antreten: Werkzeuge und Gegenstände aus vergangenen Zeiten lassen die Besucher in die Welt der Bauern eintreten. Eine Probe von dem Getreidegericht Gofio, dem ältesten überlieferten Nahrungsmittel der Kanarischen Inseln, sollte man sich dort nicht entgehen lassen.

Mission erfüllt

Fährt man in den Norden Lanzarotes, ist Jameos del Agua ein Abstecher wert. Diese ist ein Teil einer Lavaröhre und wurde von Manrique in eine Kulturstätte umgewandelt. Eine Grotte samt unterirdischem See und einer seltenen Krebsart, kombiniert mit einem Konzertsaal – das sieht man immerhin nicht alle Tage. Ist man schon mal in der Gegend, sollte man sich auch das Mirador del Rio ansehen. Von diesem Aussichtspunkt mit Café, welcher 1973 von Manrique und einem Freund entworfen wurde, lässt sich immerhin ein Blick auf den Chinjo Archipel und die Meerenge Rio werfen. Das Ziel Manriques, das kulturelle und natürliche Erbe der Insel zu schützen, ist geglückt: Bereits 1993 hat die Unesco die 845 Quadratkilometer große Insel zum Biosphärenreservat erklären lassen. Umso trauriger ist es, dass – trotz Protesten von Einwohnern und Touristen – im vergangenen Jahr eine Erdölbohrinsel knapp vor der Küste errichtet wurde. Diese Arbeiten wurden aber – aufgrund von zu niedrigem Ölvorkommen – mittlerweile wieder abgebrochen. 

Wein, Lava und mehr 

Aber weiter im Norden. Unweit der Jameos del Agua befindet sich die Cueva de Los Verdes, welche Teil eines sieben Kilometer langen Höhlensystems ist. Der Lavatunnel diente den Einwohnern, den Lanzaroteños, früher als Schutz vor Piraten. Seit 1964 ist dieser auf etwa einem Kilometer begehbar und führt den Besucher, von Lichtspielen und gregorianischen Klängen, zu einer großen Konzerthalle. Die wird, aufgrund von fehlenden Infrastrukturen, nur mehr selten als solche genutzt – schön anzuschauen ist sie trotzdem.

Nach soviel Kultur vielleicht Lust auf eine Weinprobe? Dann sollte ein Besuch beim ältesten Weinkeller auf den Kanarischen Inseln, dem „Bodegas El Grifo“ bei San Bartolomé auf dem Programm stehen. Hier hat César Manrique zwar nicht seine Finger im Spiel, der Weißwein namens „El Grifo“ schmeckt aber trotzdem. Im Weinmuseum, das direkt daran angrenzt, kommt der wissbegierige Besucher zusätzlich auf seine Kosten.

Das europäische Hawaii

Hat man nun genug von pittoresken Landschaftsbildern, Gestein und Vulkanen, sollte man einen Trip nach Fuerteventura wagen. Per Fähre ist man in etwa einer halben Stunde in Corralejo. Der erste Eindruck ist eher fade, davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Ist man aber erst bei den Wanderdünen angelangt, sieht die Welt wieder schöner aus. Doch nicht nur Wassersportler dürften auf dem „europäischen Hawaii“ ihr Glück finden. Denn obwohl der insgesamt 50 Kilometer lange Strand und das türkisblaue Meer reizvoll sind, sollte man es nicht verpassen, die kulinarische Seite der Insel kennenzulernen. „Fuerteventura ist zwar eine beliebtes Ziel für Wassersportler, allerdings hat die Insel noch ganz andere Seiten“, erklärt Andreas.

Doch nicht so verschieden?

Im „Museo del queso majorero“ in Antigua beispielsweise dreht sich alles um Käse. Genauer gesagt: Ziegenkäse. In angenehmer Atmosphäre lernt man hier alles über die Herstellung des Schnittkäses namens Majoreros kennen. Dieser wird aus der Milch der insgesamt 70 000 der auf Fuerteventura lebenden Majorero-Ziegen hergestellt. Bei einem Besuch im „Parque Rural Betancuria“, der unfern des Museums liegt, kann man schließlich die wilde Schönheit Fuerteventuras von ganz oben betrachten. Und abschließend vielleicht sogar feststellen, dass Lanzarote und Fuerteventura zwar sehr verschieden, aber im Herzen doch gleich sind.