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Kaffeekäse und Iglu-Nächte
Lifestyle 3 Min. 29.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Winterurlaub in Nordschweden

Kaffeekäse und Iglu-Nächte

Polarschlafsäcke und Rentierfelle schützen im Iglu-Hotel vor der Kälte.
Winterurlaub in Nordschweden

Kaffeekäse und Iglu-Nächte

Polarschlafsäcke und Rentierfelle schützen im Iglu-Hotel vor der Kälte.
Foto: Iglootel
Lifestyle 3 Min. 29.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Winterurlaub in Nordschweden

Kaffeekäse und Iglu-Nächte

Nathalie RODEN
Nathalie RODEN
Nordschweden ist nichts für Frostbeulen. Wer sich aber bei minus 22 Grad noch aus dem Haus traut, kann in der bizarren Winterwunderwelt Lapplands Einmaliges erleben. Zum Beispiel eine Nacht im Iglu.

von Julia Wäschenbach

Auf einem Landzipfel zwischen zwei Seen, südlich vom Polarkreis im nordschwedischen Lappland, liegt das verschneite Nest Arjeplog. Fährt man aus dem winzigen Ort mit seinen bunten Holzhäuschen heraus, kann man viele Kilometer weit über die eisbedeckten Straßen fahren, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Das bizarre Winterwunderland ist die perfekte Kulisse für Schneemobiltouren und Übernachtungen im Iglu. Bei Temperaturen von minus 22 Grad im Winter nur etwas für Hartgesottene? Von wegen!

Herbergen aus Eis und Schnee

Im Inneren des Iglu-Hotels herrschen Temperaturen um den Gefrierpunkt. „Das liegt daran, dass der Schnee dämmt“, sagt Geschäftsführer Daniel Knab. „Das ganze Ding hier entsteht jedes Jahr neu.“ Auf 900 Quadratmetern bauen der Düsseldorfer und sein Team ab November eine Iglu-Landschaft aus zehn Schlaf-Iglus, einer Bar und Gemeinschaftsräumen. Wenn das Wetter mitspielt, dauert das sechs bis acht Wochen. Im Januar kommen die ersten Gäste.

Zweieinhalb Autostunden weiter nordöstlich steht im Garten der Hostel-Betreiberin Cecilia Lundin in Jokkmokk eine rundgeschliffene Höhle aus Schnee und Eis. Die 39-Jährige nennt ihr selbstgebautes Domizil „Snowball“ (Schneeball). Dabei handelt es sich tatsächlich um einen riesigen Ball aus zusammengepresstem Schnee, in den Lundin nach und nach ein immer größeres Loch gräbt, bis die Wände 30-45 Zentimeter dick sind. Drinnen liegen die Gäste in warme Polarschlafsäcke gekuschelt. „Manche Leute wollen es nur für ein paar Stunden ausprobieren, dann können sie sich in ein Zimmer im Hostel zurückziehen“, sagt Lundin. Das Gästehaus mit 41 Betten betreibt die Schwedin derzeit alleine, serviert Frühstück, wäscht das Geschirr, bringt den Müll raus. Anfang Februar ist es noch wuseliger als sonst, denn dann reisen Schwärme von Touristen zum Wintermarkt in Jokkmokk an.

Cecilia Lundin bietet in Jokkmokk eine Unterkunft der etwas anderen Art an: eine Höhle aus Schnee und Eis.
Cecilia Lundin bietet in Jokkmokk eine Unterkunft der etwas anderen Art an: eine Höhle aus Schnee und Eis.
Foto: dpa-tmn

Der Ort mit nur zwei Hauptstraßen gilt als Zentrum der Kultur der Samen in Nordschweden. Hier handelte das europäische Urvolk der Samen vor 400 Jahren das erste Mal mit Rentierfellen und Fleisch. Den Wintermarkt gibt es immer noch. Für die knapp 2 800 Einwohner ist er das Highlight des Jahres. Stände mit Elchwürsten und flauschigen Wollpullovern reihen sich für drei Tage Anfang Februar aneinander.

Seltsamer Käse im Kaffee

An einer Bude steht mit großen Buchstaben auf einem Neonschild „Kaffeost“ (Kaffeekäse). Tatsächlich schwimmen im liebsten Heißgetränk der Nordschweden Stückchen eines Käses, der beim Kauen quietscht wie Halloumi. Viel Eigengeschmack hat der Kuhmilchkäse nicht, er löst sich auch nicht ganz auf, vielmehr nimmt er etwas Kaffeegeschmack an. Das Heißgetränk schmeckt dann, als hätte man Sahne oder dicke Milch ins Getränk getan.

Sie habe gelacht, als sie zum ersten Mal Käsekaffee getrunken habe, sagt die Stockholmerin Eva Gunnare, die seit 30 Jahren in Nordschweden lebt. „Aber wenn man sich daran gewöhnt hat, fühlt es sich nackt an, Kaffee ohne zu trinken.“ Als 20-Jährige verliebte sich Gunnare in die Natur im Norden – und in einen Samen, mit dem sie viele Jahre verheiratet war und einen Sohn hat. In ihrem Häuschen verwöhnt sie Urlaubergruppen mit Snacks und Getränken. Aus Blaubeeren werden gesunde Süßigkeiten, aus Pinienrinde Grissini und aus Johannisbeerblättern macht Gunnare Tee. Nach einer Stunde in ihrer kuscheligen Hütte will man sich gar nicht wieder hinaus in die Kälte wagen.

Beim abendlichen Spaziergang durch das winzige Arjeplog knirscht der Schnee unter den Stiefeln. Es ist das Geräusch, das einen hier überall begleitet. Im Iglu-Hotel hat sich eine Gruppe Ingenieure aus der Autoindustrie zur Afterwork-Party versammelt, es läuft Schlagermusik.

In einem Aufenthaltsraum spielen zwei von ihnen Tischfußball. Ein paar Meter weiter die Gänge entlang entfaltet sich hinter einer Tür eine ganz andere Welt. Unter freiem Himmel sind hier drei Whirlpools in den Boden eingelassen. Wer erst einmal seine Zehen auftauen will, bevor er sich im Schlaf-Iglu auf Rentierfellen niederlässt, kann hier im 40 Grad warmen Wasser entspannen und in die Sterne gucken. Das ist fast noch schöner, als später im Iglu in den Schlafsack zu kriechen. dpa

Reiseinformationen

Veranstalter wie Storberg Fjällgard arbeiten mit der Fluggesellschaft FlyCar zusammen, die unter anderem Direktflüge von Frankfurt-Hahn anbietet. Wer auf eigene Faust anreisen will, fliegt nach Stockholm und von dort weiter nach Luleå. Von hier aus sind es mit dem Auto etwa zwei Stunden Fahrt bis nach Jokkmokk und Storberg bei Arvidsjaur und vier Stunden nach Arjeplog. Das „Iglootel“ (iglootel.de) ist von Januar bis etwa Ostern geöffnet. Der Jokkmokk-Markt findet 2017 vom 1. bis 4. Februar statt. Im „Snowball“ können Gäste während des Markts übernachten.


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