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„Jurassic Park“ im Reich der Komododrachen
Lifestyle 4 Min. 27.10.2020

„Jurassic Park“ im Reich der Komododrachen

Die Regierung von Indonesien plant auf Rinca Island im Komodo-Nationalpark eine neue Touristenattraktion, in die einige der letzten Riesenechsen integriert werden sollen.

„Jurassic Park“ im Reich der Komododrachen

Die Regierung von Indonesien plant auf Rinca Island im Komodo-Nationalpark eine neue Touristenattraktion, in die einige der letzten Riesenechsen integriert werden sollen.
Foto: Made Nagi/EPA/dpa
Lifestyle 4 Min. 27.10.2020

„Jurassic Park“ im Reich der Komododrachen

Die einen schwärmen von einem modernen Safari-Park, die anderen warnen vor schweren Umweltschäden. Indonesiens Regierung plant im Komodo-Nationalpark, in dem die weltgrößten Echsen leben, eine neue Touristenattraktion. Fluch oder Segen für Mensch und Tier?

(dpa) - Die Architekten nennen ihr Projekt mit unverhohlenem Stolz „Jurassic Park“. Komododrachen sind zwar weder so groß noch so alt wie die Dinosaurier aus dem Hollywood-Blockbuster, aber sie bevölkern immerhin schon seit vier Millionen Jahren den Planeten. Die bis zu drei Meter langen Warane, die heute nur noch auf einer Handvoll Inseln in Indonesien leben, wirken tatsächlich wie Überbleibsel aus der Urzeit - und genau das macht sie so faszinierend.

Einige der letzten Riesenechsen sollen nun in eine neue Touristenattraktion auf Rinca Island im weltberühmten Komodo-Nationalpark integriert werden. Tierschützer fürchten, dass das natürliche Habitat der Reptilien auf der Strecke bleiben könnte.

Das 1,3 Hektar große Geopark-Projekt, das 6,7 Millionen Dollar (5,7 Millionen Euro) kosten soll, ist Teil der Bemühungen der Regierung von Präsident Joko Widodo, den Tourismus im weltgrößten Inselstaat anzukurbeln. Neben der beliebten Urlaubsinsel Bali sollen in Zukunft weitere Touristen-Hotspots Besucher nach Indonesien locken. Kritiker würden das Komodo Archipel aber lieber außen vor lassen.

Gegnsatz zum natürlichen Tourismus

Die Struktur des Parks sei viel zu modern und passe nicht zu dem 1980 eingerichteten Nationalpark, der den Waranen Schutz bieten soll, sagte Akbar Alayubi, Vorsitzender der örtlichen Umweltschutzgruppe „Komodo Young Guards“, der Deutschen Presse-Agentur. „Die Pläne sind ein Gegensatz zu dem Image eines natürlichen Tourismus, auf den wir so stolz sind.“

Wir möchten, dass Touristen eine gute Zeit haben, ohne dass die Aktivität der Wildtiere gestört wird.

Shana Fatina, Direktorin der Tourismusbehörde Labuan Bajo Flores

Der Komodo-Nationalpark, der sich aus den Inseln Rinca, Komodo und Padar zusammensetzt, gehört seit 1991 zum Unesco-Weltnaturerbe. Nach jüngsten Zahlen der Behörden leben dort heute weniger als 3.000 Riesenechsen. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den „Varanus komodoensis“ als gefährdet ein. Ungeachtet dessen hat die Regierung in Jakarta entschieden, dem Schutzgebiet - ebenso wie dem Ort Labuan Bajo auf der Insel Flores, von dem aus traditionell die Bootstouren zu den Waranen starten - Priorität bei der Tourismusentwicklung einzuräumen.

„Wir möchten, dass Touristen eine gute Zeit haben, ohne dass die Aktivität der Wildtiere gestört wird“, sagt Shana Fatina, Direktorin der Tourismusbehörde Labuan Bajo Flores. Die neue Konstruktion werde nur 0,5 Prozent der Gesamtfläche des Nationalparks belegen. „Wir ersetzen alte Gebäude durch eine einzige Struktur mit einem erhöhten Deck, um die Überwachung und die Bestandserhaltung zu erleichtern“, erklärt sie. „Der Rest der Insel wird unberührt bleiben.“

Komodowarane sind schnell und gelten als aggressiv. Charakteristisch ist ihre lange, gespaltene Zunge. Die bis zu 70 Kilogramm schweren Raubtiere leben von Aas, greifen aber auch Beute an, die ein Vielfaches ihrer eigenen Größe haben - darunter Hirsche, Wasserbüffel und Wildschweine. Beim Zubeißen produzieren sie Gift, das ihre Beute in einen Schockzustand versetzt und die Blutgerinnung verhindert.

Schon 2021 fertig

Angriffe auf Menschen sind selten, kommen aber gelegentlich vor. So hatte eine Riesenechse 2007 auf Komodo einen neunjährigen Jungen angegriffen und getötet. 2013 attackierte ein Waran einen Touristenführer und verletzte ihn schwer. Die Urlauber, die der Mann durch den Nationalpark führte, kamen mit dem Schrecken davon.


A general view shows a boy playing with his father to splash water in St. Mark's square in Venice on October 3, 2020 as a high tide "Alta Acqua" phenomenon was expected, following a peak of water following bad weather and potential intense sirocco winds along the entire Adriatic basin. - The rise in water levels, expected to peak at midday on October 3, 2020, was limited by a new system of mobile gates. The MOSE project (Moses in Italian, Electromagnetic Experimental Module) is a complex engineering system allowing the "waterproofing" of Venice through 78 dikes placed at the lagoon's entry points. (Photo by MIGUEL MEDINA / AFP)
Die Zukunft des Overtourism
Erst zu viele, dann zu wenig Besucher – das Fernbleiben der Touristen sagt nicht allen Menschen in Städten wie Venedig zu.

Der Chefarchitekt des Projekts, Yori Antar, ist überzeugt, dass die neue Konstruktion Besucher künftig vor derartigen Angriffen schützen kann. „Die Komododrachen können sich frei in der Anlage bewegen, während Touristen sie vom erhöhten Deck aus beobachten oder füttern können, ohne attackiert zu werden“, erläutert er. Auch seien ein Informations- und Forschungszentrum sowie Unterkünfte für Forscher, Ranger und Tourguides geplant. Der Bau soll bereits 2021 fertig sein.

Mit dem Spitznamen „Jurassic Park“ wolle man die Fantasie von potenziellen Gästen anregen: „Wir wollen, dass das Ganze im Ausland viral geht“, so Antar. Im September veröffentlichten die Baumeister auf Instagram ein Video mit ihrem Modell, untermalt vom Soundtrack des Dinosaurier-Epos. Vorwürfe, dass die Pläne die Warane gefährden könnten, weist Antar zurück. Aber vor allem für die Menschen in der Region sei das Projekt ein „Segen“, ist er überzeugt.

Gegen das Umweltschutzgesetz

Da gehen die Meinungen allerdings auseinander. Laut Benedictus Douk, der Touren in den Nationalpark organisiert, ist die örtliche Bevölkerung gegen die Pläne. „Die in der Tourismusbranche in Labuan Bajo Beschäftigten haben gegen den Bau protestiert, aber die Regierung hat uns ignoriert. Meiner Meinung nach wird die Anlage den Lebensraum der Komodos zerstören und das Gebiet in einen Safaripark verwandeln.“

Eine lokale Aktivistengruppe mit dem Namen „Öffentliches Forum zur Rettung des Tourismus“ hat sich derweil ebenfalls an die Regierung gewandt, um den Bau zu verhindern. „Eine solche Betonstruktur verstößt gegen das Umweltschutzgesetz, nach dem die Veränderung der natürlichen Landschaft in einem Nationalpark verboten ist“, hieß es in der Erklärung. „Zudem werden Brunnenbohrungen zur Unterstützung der Infrastruktur zu einem Mangel an Wasser führen, das für das Überleben der Tiere und Pflanzen in der Region von entscheidender Bedeutung ist.“

Trotz seiner abgelegenen Position erfreut sich das Komodo-Archipel bei Touristen aus aller Welt seit Jahren immer größerer Beliebtheit. 2018 haben offiziellen Statistiken zufolge mehr als 175.000 Menschen den Nationalpark besucht, die meisten davon Ausländer. Schon länger gilt die Region als negatives Beispiel für den so genannten „Overtourism“ - jenen überbordenden Tourismus, der heute so viele einst idyllische Destinationen plagt.

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