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Jenseits des Ballermanns
Lifestyle 5 Min. 29.04.2018

Jenseits des Ballermanns

Begeisterte einst Chopin und heute viele Gäste aus dem Großherzogtum: das historische Dörfchen Valldemossa.

Jenseits des Ballermanns

Begeisterte einst Chopin und heute viele Gäste aus dem Großherzogtum: das historische Dörfchen Valldemossa.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 5 Min. 29.04.2018

Jenseits des Ballermanns

Die Insel Mallorca hat auch Kulturinteressierten und Sportsfreunden einiges zu bieten. Im Frühling locken vor allem Museen und grüne, saftige Wiesen.

von Birgit Pfaus-Ravida

"Ich schreibe Dir von einem wirklich merkwürdigen Ort. Jedes Mal, wenn ich von Palma nach Valldemossa gefahren bin, war der Kutscher derselbe, aber der Weg war nie der gleiche. (...) Da sie hier nie Fremde sehen, wissen sie nicht, wie viel sie verlangen sollen, für die Dinge, die sie ihnen verkaufen. Aber das alles ist trotzdem nur ein Sandkorn im Vergleich zu diesem Himmel, der Poesie, die überall von hier ausgeht, und den lebendigen Farben dieser Landschaft. Es ist eine der schönsten der Welt und die Augen der Menschen haben sie noch nicht verdorben."

Seit Chopin im Dezember 1838 diesen Brief an einen Freund aus dem Exil im Nordwesten der Insel Mallorca geschrieben hat, hat sich einiges geändert. Die Bewohner von Valldemossa wissen heute sehr wohl, wie Touristen ihnen die Schönheit ihres in den Bergen gelegenen Örtchens bezahlen können. Doch der Blick in die Ferne ist immer noch atemberaubend, und die Augen der vielen Touristen konnten Valldemossa den Zauber noch nicht nehmen. Selbst, wenn Massen an Besuchern sich durch die engen Gassen zwängen, kann man immer noch eine ruhige Ecke finden – zum Beispiel in der Kartause von Valldemossa, in der Serra de Tramuntana, wo der Komponist Frédéric Chopin drei Monate verbrachte, um im milden Klima seine Lungenkrankheit zu behandeln.

Hommage an Chopin

An seiner Seite war seine langjährige Geliebte, die Schriftstellerin Georges Sand, die mit ihren beiden Kindern wegen einer Erkrankung ihres Sohnes ebenfalls dort weilte. Doch während sich Sohn Maurice gut erholte, ging es Chopin immer schlechter, eine Lungenentzündung brach aus. Im feuchten Klima und der Einsamkeit des Klosters schrieb Chopin die 24 Préludes Opus 28, zu denen das sogenannte Regentropfen-Prélude zählt. Im Kontext dieser Musikstücke wird gern darauf verwiesen, wie unwohl Chopin sich in der unbehaglichen Umgebung des Klosters gefühlt habe. Und doch sind dort Zeugnisse seines Aufenthalts stolz ausgestellt – ob handgeschriebene Partituren oder eine Locke des Künstlers. Ein Pianist spielt mehrmals am Tag seine Stücke im eigens eingerichteten Konzertsaal – in fragwürdiger Qualität zwar und nicht unbedingt hingebungsvoll; aber es ist dennoch eine Hommage an Chopin, die auf dem Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit in den Ohren der Besucher nachhallt.

Immer einen Besuch wert: Die Hauptstadt Palma mit der wunderschönen Kathedrale, die als Fotomotiv äußerst beliebt ist.
Immer einen Besuch wert: Die Hauptstadt Palma mit der wunderschönen Kathedrale, die als Fotomotiv äußerst beliebt ist.
Foto: Birgit-Pfaus Ravida

Auf dem Weg zwischen dem 420 Meter hoch gelegenen Valldemossa und der Inselhauptstadt Palma wird klar, warum diese Berge zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Über Jahrhunderte haben die Menschen hier zwischen Mandel- und Olivenbäumen sowie einigen Johannisbrotbäumen Terrassen und Mäuerchen gebaut, um der Erosion entgegenzuwirken. "In den Bergen regnet es manchmal sehr heftig, und durch die Mauern kann das ausgeglichen und aufgefangen werden", erklärt Fremdenführerin Catherine Fousnauquer, die seit Jahren auf der Insel wohnt und Besuchern ihre Schönheiten zeigt. Über vier Millionen Mandelbäume gebe es auf Mallorca.

"Der Charme der Insel rührt von der Vielfalt der Landschaft her", sagt sie, während der Bus mit der Reisegruppe an der Universität der Insel und am Schloss Bendinat vorbeifährt. Gutes Brot und gutes Öl gebe es hier, und wer Station in einem der Lokale auf dem Land – wie etwa dem urigen Restaurante Can Costa – macht, kann sich davon selbst überzeugen. Viele der Tappas, ob kleine Oktopus-Arme oder Pepperoni, sind allerdings frittiert. Wer das nicht verträgt, muss aufpassen.


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Paradies für Radsportler

In den Bergen und auf allen Straßen sind viele Radfahrer unterwegs. Bis zu 200 000 im Jahr machen Urlaub mit dem Rad auf Mallorca, oft kommen ganze Gruppen für Trainings-Camps. Wer es gemütlich liebt und die Berge ohne große Anstrengung erklimmen will, kann sich ein E-Bike ausleihen und gleich noch einen ortskundigen Führer dazu. Der 28-jährige Alvaro von Cycling Friendly erzählt: "Vor allem von März bis Mai haben wir gut zu tun. Viele nehmen unseren Service in Anspruch, mit Technik-Support und Hotel-Transfers." Er bringt die Bikes mit einem Transporter an die Stelle, wo man starten möchte, hilft beim Einstellen, erklärt die Technik, verteilt Helme – und los geht's. Entlang an der Küste etwa, oder zu einem Aussichtspunkt.

Heute führt Alvaro seine Gäste zum Castell de Bellver. Nicht einfach zu finden, weil man in Palma auf dem Weg dorthin durch enge Gassen muss, die nicht unbedingt zu den schönsten und saubersten der Stadt gehören. Doch der Weg hoch zum Schloss und Aussichtspunkt, unterstützt von der "Power"-Funktion des E-Bikes, lohnt sich in jedem Fall. Die Burg selbst, eine Festung mit einem großen gotischen Säulengang, gehört zu den eindrucksvollsten Bauwerken auf der Insel, und die Aussicht ist auch hier atemberaubend. Die Bucht von Palma mit ihren vielen Schiffen und Booten erstreckt sich zu Füßen, und der Weg zurück nach unten über die gut ausgebaute Straße macht bei mildem Frühlingswetter natürlich umso mehr Freude, wenn einem der Fahrtwind um die Nase weht.

Fahrrad-Guide Alvaro führt die Gäste - einige davon auf E-Bikes - über die Insel.
Fahrrad-Guide Alvaro führt die Gäste - einige davon auf E-Bikes - über die Insel.
Foto: Birgit Pfaus-Ravida

Palma selbst lockt mit teuren und edlen sowie lustigen und originellen Boutiquen und wunderschönen Ecken mit vielen Bauwerken unterschiedlicher Stile auch den Fußgänger, wenn die Fahrräder wieder abgegeben sind. Wer Eis essen will, findet zahlreiche Möglichkeiten, etwa bei "Luigi" aus Italien, und wer die Kultur sucht, wird schnell fündig, denn die riesige, 109 Meter lange Kathedrale ist von vielen Stellen aus zu sehen. Am schönsten ist die Annäherung vom Hafen aus. Die Kathedrale wird im Volksmund oft einfach "La Seu" genannt, der katalanische Ausdruck für "der Bischofssitz". Seit dem Mittelalter haben, wie in der ganzen Stadt, viele Baustile ihre Spuren in der Kathedrale hinterlassen. Aber aufgepasst: Besichtigt werden kann sie im Frühjahr unter der Woche nur bis 17 Uhr.

Nach Mallorca mit Luxair-Tours

Eine Reise nach Mallorca muss nicht immer ein großer Urlaub sein. Eine oder zwei Übernachtungen, etwa im exklusiven Melia-Hotel (www.melia.com), können durchaus erholsam sein und Kraft für den Alltag bringen. "Mallorca ist eine unserer beliebtesten Destinationen seit Beginn von Luxair-Tours vor 50 Jahren, Tendenz weiter steigend – auch, weil Spanien als Ausweichziel für viele derzeit problematische Reiseländer dient", sagt Alberto Kunkel, Chef von Luxair-Tours.

Vor Ort biete man in Kooperation mit Partnern wie der Agentur MTS Exkursionen und Pakete an, wie eben Ausflüge nach Valldemossa. Der zweistündige Flug mit Luxair geht täglich, an manchen Tagen zweimal, von Luxemburg aus. Der 52-jährige Luxair-Flugkapitän Georges Heinisch kennt diese Insel mit ihrer charakteristischen Bergkette von oben und von unten. "Der Landeanflug ist immer wieder schön", sagt er. Und vielleicht lässt er sich ja in seinem Ruhestand dort nieder. Etwa im Nordwesten. Jenseits des Ballermanns.


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SRT-Bild Archivnummer: 1422006003, MALLORCA, Fabian v. Poser, Beschreibung: Badegäste in El Arenal an der Playa de Palma, Mallorca, Balearen, Spanien, Europa Playa de Palma, Mallorca
Honorarpflichtiges Motiv, www.srt-bild.de, Tel. 08171/4186-6, Fax 4186-85, Konto Postbank München IBAN DE73700100800384573808, BIC PBNKDEFF. Orig.-Name: MALLORCA_01.JPG, Motiv max. verfügbar in 4288 x 2848 px.