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Jacques Huclier, der Meister der Düfte
Lifestyle 3 Min. 19.02.2021

Jacques Huclier, der Meister der Düfte

Parfümeur Jacques Huclier.

Jacques Huclier, der Meister der Düfte

Parfümeur Jacques Huclier.
Foto: privat
Lifestyle 3 Min. 19.02.2021

Jacques Huclier, der Meister der Düfte

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Im Interview spricht der französische Parfümeur Jacques Huclier über seine neuste Komposition, persönliche Vorlieben und die Zukunft der Duftwelt.

Jacques Huclier arbeitete bereits für Unternehmen wie Gucci, Davidoff und Mugler. Die neuste Duftkomposition des Franzosen ist das Eau de Toilette „Tabac Man Gravity“ – gewissermaßen ein Geschenk an die Marke Tabac, die in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag feiert. Der Duft „Tabac Original“ ist 62 Jahre alt ...

Jacques Huclier, die „Tabac“-Düfte gelten als echte Klassiker. Die Marke selbst feiert in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag. Ist die Marke beziehungsweise sind die Düfte gut gealtert?

„Tabac Man Original“ ist ein aromatischer Fougère-Duft (mit einer Kombination aus Lavendel, Bergamotte und Geranium, Anm. d. Red.), ein Klassiker und gut etabliert. Er ist nicht nur gut gealtert, sondern hat auch noch heute viele Fans.

Aus Jacques Hucliers Feder: Das Eau de Toilette „Tabac Man Gravity“ (50 ml um 25 Euro) überrascht mit einem ungewöhnlichen Sternenstaub-Akkord auf einer Basis von Patschuli, Moschus und Tonkabohne.
Aus Jacques Hucliers Feder: Das Eau de Toilette „Tabac Man Gravity“ (50 ml um 25 Euro) überrascht mit einem ungewöhnlichen Sternenstaub-Akkord auf einer Basis von Patschuli, Moschus und Tonkabohne.
Foto: Hersteller

Viele Männer - so hat es den Eindruck - bleiben Ihrem Duft ein Leben lang treu. Ist das starke Geschlecht nicht offen für Veränderungen?

Studien beweisen, das Männer und Frauen regelmäßig neue Düfte nutzen. Natürlich, einige halten an ihrem Cologne für immer fest, aber dass Männer generell Angst vor Veränderungen haben, glaube ich nicht.

Sie haben nun mit „Tabac Man Gravity“ einen neuen Duft kreiert: Welche Idee steckt dahinter? 

Meine Intention war es, dem Original „Tabac Man“ einen modernen Twist zu verpassen – mit dem übergeordneten Thema Weltraumforschung. Ich habe daher einen Sternenstaub-Duftakkord kreiert, der von dem Geruch des Weltraums inspiriert ist. Er setzt sich zusammen aus leuchtenden Aldehyden, metallischem Rosenoxid, mineralischem Evernyl und pudrigen Moschusnoten. 

Wie gehen Sie vor, wenn sie einen neuen Duft wie „Gravity“ komponieren?

Wenn ich ein neues Projekt erhalte, befasse ich mich zunächst mit der DNA des Unternehmens, mit seiner Geschichte, seiner Bildsprache und seinen Produkten. Das ist der Schlüssel, um die Marke und deren Visionen besser zu verstehen. Daraus schöpfe ich bereits Ideen, um neue Duftakkorde mit besonderen Inhaltsstoffen zu schaffen. Wenn einer dieser Akkorde dann vom Auftraggeber ausgewählt wurde, bringe ich neue Facetten hinein, baue eine Signatur und die Tragbarkeit des Duftes unter Berücksichtigung meiner ursprünglichen Idee auf. So gelingt es mir, einen roten Faden bei der Arbeit beizubehalten. 

Eine Duftkomponente sind „metallische Noten“ - ist dies einem aktuellen Trend geschuldet?

Ob es nun metallische Rose ist oder ein metallischer Aldehyd-Effekt: Da gibt es tatsächlich einen Trend auf dem Parfummarkt. Das sieht man unter anderem beim Eau de Parfum „Chloé“, bei „Metallique“ von Tom Ford, dem Eau de Parfum „Legend“ von Montblanc oder sogar dem Eau de Parfum „Guilty for Men“ von Gucci.


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Gibt es auch Düfte oder Duftakkorde, die als altmodisch gelten? 

So etwas wie altmodische Duftnoten gibt es meiner Meinung nach nicht. Einige ikonische Parfums, etwa „Chanel n°5“ aus dem Jahr 1921 oder Guerlains „Shalimar“ von 1925 zählen seit fast einem Jahrhundert zu den Bestsellern. Es scheint, als würden sie für die Ewigkeit bleiben. Das ist halt das besondere an Düften: Sie sind immer Teil deiner Persönlichkeit. Selbst wenn dein Parfum „alt“ ist, heißt es nicht, dass es nicht zu dir passt.

Was glauben Sie: Welche Düfte werden in Zukunft die Menschen umgeben?

Wenn man alleine schon die Fortschritte betrachtet, die in den vergangenen 60 Jahren gemacht wurden! Wir haben neue synthetische und natürliche Inhaltsstoffe entwickelt, die es uns ermöglichen, bei der Duftkomposition anders zu denken. Auch wenn klassische Architekturen erhalten bleiben, da die Mode ein ewiger Kreislauf ist, werden sich die Düfte im Jahr 2080 sehr von den heutigen unterscheiden. Die größte Herausforderung wird vor allem sein, möglichst nachhaltige Formeln zu entwickeln. Givaudan, das Dufthaus, für das ich arbeite, ist bereits sehr in diesen Prozess involviert – ein Prozess, der sich positiv auf den Planeten und auch uns Menschen auswirken wird.

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