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Irland: Wellness mit Seetang
Lifestyle 5 Min. 01.03.2020

Irland: Wellness mit Seetang

Die Donegal Bay im Nordwesten Irlands.

Irland: Wellness mit Seetang

Die Donegal Bay im Nordwesten Irlands.
Foto: Carsten Heinke
Lifestyle 5 Min. 01.03.2020

Irland: Wellness mit Seetang

An der Donegal Bay im Nordwesten Irlands schätzt man seit Jahrhunderten die heilende Kraft der Meeresalgen - für innerliche und äußere Anwendungen.

von Carsten Heinke

Wenn man Iren fragt, was sie über Strandhill wissen, fällt den meisten zuerst ein, dass man dort gut Wellenreiten kann. Für die Bewohner des nahe gelegenen Städtchens Sligo ist das einstige Fischerdorf an Irlands rauer Nordwestküste das Bade- und Freizeitdomizil schlechthin. Surfschulen, Yachthafen, Golfplatz und die zahlreichen Restaurants sind im Sommer gut besucht.

Viele verbinden den Namen Strandhill mit Knocknarea. Der 327 Meter hohe Berg, an dessen Fuß das Örtchen liegt, gilt als letzte Ruhestätte der sagenhaften Kriegskönigin Méabh (Maeve) von Connacht. In voller Schlachtmontur, stehend und mit dem Gesicht gen Norden – zu ihren Feinden in Ulster gewandt – soll die streitsüchtige Dame in einem gewaltigen Steinhügelgrab auf dem Gipfel beerdigt worden sein.

Wer genug vom Schönheitsprogramm hat, kommt kulturell auf seine Kosten: Die Megalithanlage Creevykeel Court Tomb zählt zu den steinzeitlichen Hotspots rund um Strandhill.
Wer genug vom Schönheitsprogramm hat, kommt kulturell auf seine Kosten: Die Megalithanlage Creevykeel Court Tomb zählt zu den steinzeitlichen Hotspots rund um Strandhill.
Foto: Carsten Heinke

Nach wie vor sind Königsgrab, Badespaß und Wassersport triftige Gründe, nach Strandhill zu reisen. Ein weiterer ist in den letzten Jahren hinzugekommen: Seetang. Und der lockt immer mehr Wellness-Urlauber in das verträumt wirkende Nest am Atlantik, das in Wahrheit recht ausgeschlafen ist.

Badehäuser seit 300 Jahren

Was im ersten Moment nach einem neumodischen Spleen klingt, hat hier eine lange Tradition. „Schon vor mehr als 300 Jahren gab es hier Badehäuser, in denen man Algen nutzte, um Muskeln zu entspannen, die Blutzirkulation zu erhöhen, den Körper zu entgiften, alternder, ausgetrockneter Haut natürliche Feuchtigkeit und Frische zurückzugeben und zu regenerieren oder Heilprozesse zu fördern“, erklärt Neil Walton, während er, wie viele Male täglich, ein Algenbad vorbereitet.

Algen – hier gehalten von Badehausinhaber Neil Walton – spielen an der Atlantikküste Irlands eine große Rolle. Seetang findet aber auch innerlich Anwendung.
Algen – hier gehalten von Badehausinhaber Neil Walton – spielen an der Atlantikküste Irlands eine große Rolle. Seetang findet aber auch innerlich Anwendung.
Foto: Carsten Heinke

Die „Voya Seaweed Baths“, die der Sportwissenschaftler seit 2000 zusammen mit seinem Bruder Mark in Strandhill betreibt, war die erste Neueröffnung eines Algenbadehauses seit 100 Jahren. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierten um die 300 dieser Einrichtungen auf der ganzen Insel, neun davon allein im winzigen Strandhill. Das letzte schloss 1961, nachdem es vom Hurrikan Debbie zerstört worden war.

Während warmes Wasser in die Wanne läuft, gibt der Wellness-Experte mehrere Arme voll handgeerntetem Seetang hinzu. Die gelblich-braunen Großalgen der Spezies Fucus serratus sind glitschig und haben eine gummi- bis lederartige Konsistenz. Wegen ihrer gezackten Ränder auch „Sägetang“ genannt, erinnern sie zugleich mit ihren flachen, fingerförmigen Blättern an die Schwimmfüße von Wasservögeln.

Ihr starker Meeresgeruch verbreitet sich im Raum, der mit seinen „algenfarbigen“ Wand- und Bodenfliesen an ein altmodisches Sanatorium erinnert. „Manche vergleichen das Seetang-Bad mit einer Fahrt über den Atlantik“, sagt Neil und lässt seinen Gast nun selbst auf Entspannungsreise gehen. Eine anfängliche Dampfbehandlung hilft den Poren, sich zu öffnen, um die wertvollen Nährstoffe der maritimen Heilpflanzen besser aufnehmen zu können. Der allererste Moment ist nicht der angenehmste. Doch nachdem sich die Haut an das schleimige Unterwasserkraut gewöhnt hat, fühlt man sich wie die kleine Meerjungfrau in ihren besten Tagen: mopsfidel und sorgenfrei, in den Wellen und Tiefen des Ozeans daheim.

Seetang findet aber auch innerlich Anwendung, wie genau, erfährt man im The Organic Centre in Leitrim.
Seetang findet aber auch innerlich Anwendung, wie genau, erfährt man im The Organic Centre in Leitrim.
Foto: Carsten Heinke

Wunderbar belebt, entspannt und gut gelaunt – zum Glück immer noch ohne Fischschwanz –, mit babyweicher, glatter Haut und seidig weichen Haaren steigt man nach 50 Minuten aus der Wanne. Das hat Suchtpotenzial.

Kosmetik aus Algen

Neil Walton freut sich und versichert seinem Gast lachend: „Sie wären der erste gewesen, dem es nicht gefallen hat.“ Und das will was heißen bei den hohen Besucherzahlen der „Voya Seaweed Baths“. Die meisten kommen nicht nur, um in den Algen zu baden. Die Waltons nutzen die in den Pflanzen gespeicherte Kraft des Ozeans auch für hochwertige Kosmetikprodukte ohne chemische Zusätze. Verarbeitet werden dafür außer handgeerntetem Seetang aus Strandhill nur andere Biorohstoffe wie Sheabutter, Bienenwachs, Totes-Meer-Salz und Aloe Vera.


Powerscourt House and waterfall, Houses and gardens 2011
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„Um die Wirkstoffe des Seetangs zu gewinnen, verwenden wir ein komplexes Verfahren, das wir in langjähriger Forschung mit unzähligen Tests entwickelten. Dabei handelt es sich um eine Nachahmung des natürlichen Konservierungsvorgangs der Algen, mit denen sie sich zwischen Ebbe und Flut vor dem Austrocknen schützen“, so Neil Walton. Verbunden mit anderen positiven Eigenschaften der Meerespflanzen, übertrage man ihre feuchtigkeitserhaltende und zellerneuernde Wirkung auf die Hautpflegeprodukte und halte sie damit selbst „lebendig“.

Früh geprägt durch seinen Vater Michael, der als einer der ersten Öko-Landwirte in Irland die Bio-Bewegung dort maßgeblich mitbestimmte und sich seit Jahrzehnten mit Meeresalgen beschäftigt, lernte der aktive Triathlet Neil Walton den Seetang als ein Geschenk der Natur zu schätzen. Nachdem er sich eine schwere Sportverletzung zugezogen und sie erfolgreich mit Algenbädern behandelt hatte, beschloss er, ein eigenes Seetang-Spa aufzubauen. Bereits im Eröffnungsjahr kamen 12 000 Gäste. Seither wächst ihre Zahl von Jahr zu Jahr. 


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