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Instagram : Das Bilderbuch von morgen
Lifestyle 5 Min. 02.06.2015

Instagram : Das Bilderbuch von morgen

Gesehen, gemocht, fotografiert, gepostet: So funktioniert Instagram.

Instagram : Das Bilderbuch von morgen

Gesehen, gemocht, fotografiert, gepostet: So funktioniert Instagram.
Claude Marx
Lifestyle 5 Min. 02.06.2015

Instagram : Das Bilderbuch von morgen

Instagram ist längst keine bloße Modeerscheinung mehr. Seit nunmehr fünf Jahren steht die App Smartphone-Usern zum kostenlosen Download zur Verfügung und hat sich mit über 300 Millionen Nutzern im Jahr 2015 als Mischung aus audiovisueller App und persönlichem Blog bewährt.

Von Lisa Hamm

Der erste morgendliche Blick auf das Smartphone fällt seit Längerem nicht mehr nur auf das Email-Fach oder neue Facebook-Posts. Vor allem die jüngere Generation öffnet immer häufiger die App mit dem kleinen, braun-beigen Fotoapparat-Logo und postet darin quadratische Bilder und Videos, was das Zeug hält. Als Facebook vor drei Jahren die Übernahme des Start-ups mit lediglich 13 Mitarbeitern für eine stolze Milliarde Dollar ankündigte, war die Aufregung groß. Die Entscheidung Mark Zuckerbergs wurde nur belächelt.

Aber das Bedürfnis nach Selbstdarstellung und einer Art Optimierung des eigenen Erscheinungsbilds im Netz nahm und nimmt weiterhin zu – und damit auch die Freude am Fotografieren und Bildbearbeiten. Instagram zählt nun über 300 Millionen Nutzer und über 30 Milliarden hochgeladene Fotos. Meist sind es keine großen Kunstwerke, sondern einfache Auschnitte aus dem Alltagsleben, sei es das eines Promis, eines Berufstätigen oder das einer jungen Studentin.

Auch Claude Marx (23), eine luxemburgische Bloggerin, die Sozial- und Geisteswissenschaften in Brüssel studiert, benutzt die App seit mehreren Jahren unter dem Namen „Imaginetheswallows“. Sie nutzt Instagram an erster Stelle, um ihren gleichnamigen Blog zu promoten: „Zu jedem Blogpost, den ich hochlade, kommt auch ein Post auf Instagram. Das machen viele so“, erklärt sie.

Hinter einem guten Instagram-Profil steckt aber auch Arbeit, denn der Fokus liegt ganz auf den Bildern. Man müsse immer die Augen nach Motiven offen halten: „Ich will immer, dass meine Bilder ästhetisch sind. Wenn ich schöne Blumen sehe oder irgendwo etwas esse und trinke – etwa ein Törtchen – und dann auch der Hintergrund passt, denke ich: Mach' ich doch mal ein Foto und schaue mal, wie es aussieht.“

Investition ins Image

Ab und zu müsse sogar in einen guten Blog investiert werden: „Manchmal, muss ich gestehen, gehe ich extra Blumen kaufen, damit ich ein gutes Instagram-Bild machen kann.“

Claude Marx präsentiert ihr „Outfit of the day“, kurz „ootd“.
Claude Marx präsentiert ihr „Outfit of the day“, kurz „ootd“.
Claude Marx

Hat man ein gutes Motiv aufgenommen, kann das Foto dann optisch durch zahlreiche Filter, denen Instagram kreative Namen wie „Perpetua“ oder „Earlybird“ verliehen hat, aufgewertet werden. Die Bilder wirken dann manchmal, als stammten sie aus dem letzten Jahrhundert und wären soeben erst vom verstaubten Speicher ins Internet verfrachtet worden. Und so sorgen sie im gesamten Netzwerk für den allgegenwärtigen nostalgischen Touch und Retro-Flair. „Ja, auf Instagram verschönert man viel“, fügt Claude Marx hinzu.

Auch die zahlreichen Selfies, auf denen die „Instagrammer“ nicht selten wie aus dem Ei gepellt aussehen, kommen nicht von ungefähr: „Man nimmt erst mal zwanzig, dreißig Bilder auf und sucht sich das schönste heraus. Dann legt man noch einen Filter darüber“, erklärt die Studentin.

Es sind Bilder aus allen Lebenslagen und -bereichen. Die meisten berühmten „Instagrammer“ spezialisieren sich auf ein Themengebiet, sei es Sport, Modetrends, Lifestyle, Streetart oder Landschaftsfotografie. Wer sich gut anstellt, erreicht nach ein paar Monaten oder Jahren Abonnentenzahlen im fünf bis sechsstelligen Bereich. Solche User nennt man intern bereits „instafamous“ und setzt gerne noch einen Hashtag vor das Schlagwort. Hashtags, die Wörter mit der vorangestellten Raute, haben gerade in den letzten Jahren durch Twitter und Instagram Berühmtheit erlangt.

Wer viele von ihnen benutzt, verbreitet sein Bild schneller und mehr User können es im Netzwerk finden. Von dieser Kanalfunktion profitieren auch große Konzerne, um ihre Produkte bei jüngeren Generationen, den potenziellen Käufern von morgen, effektiv zu vermarkten. Sony, Nike und Chanel machen es auf ihren Instagram-Seiten vor.

Für wen ist die App geeignet?

Instagram nimmt, sofern man im sozialen Netzwerk Aufmerksamkeit erlangen will, viel Zeit in Anspruch. Für Menschen mit einer kreativen Ader, die Momente und Details ihres Alltags darstellen wollen, um andere zu inspirieren oder sich einfach auf visuellem Wege der Welt mitteilen wollen, ist diese App sicherlich das Richtige. Sie kann regelrecht zum Hobby werden.

Fotos von hübsch angerichteten Mahlzeiten findet man auf Instagram 
„en masse“. Es gibt sogar spezielle Food-Blogs.
Fotos von hübsch angerichteten Mahlzeiten findet man auf Instagram 
„en masse“. Es gibt sogar spezielle Food-Blogs.
Claude Marx

Nicht zuletzt fühlt man sich durch Instagram ungemein mit dem „Rest der Welt“ verbunden: So trifft man beispielsweise auf Hobbyköche, die ihre neuesten Kreationen präsentieren, Weltenbummler, die uns eine entlegene Bucht am anderen Ende der Welt zeigen oder Fitnessgurus mit den neuesten Kraftübungen. Sogar bis in die Weiten des Universums kann man blicken: Die Weltraumbehörde Nasa liefert uns über die App täglich neue Bilder aus dem Geschehen im All direkt vom Weltraumteleskop Hubble.

Realitätsferne?

Für Menschen, die sich von der Fülle an Eindrücken, Mitteilungen, Negativmeinungen und Spaßbekundungen quer über den Planeten einschüchtern lassen könnten, ist dieser Dienst wahrscheinlich nichts.

Ein Beispiel: Durch einen regelrechten Fitnesshype, der sich in zahlreichen Sport- und Diätblogs etabliert hat, wird der Blick vor allem junger Leute auf ihren Körper kritischer. Denn der Schlankheitswahn der westlichen Gesellschaft macht auch vor Instagrams Türen nicht Halt. Immer öfter kann man die „Vorher-Nachher“-Bilder junger Frauen und Männer sehen, die ein spezielles Fitness- oder Diätprogramm durchgezogen haben. Und so kommen beim Betrachter nicht selten Gefühle von Neid und Unzufriedenheit auf.

Auch die Funktion der „Fotokarte“ kann dazu beitragen: Durch verknüpfen des Fotos mit einem Ort ist für jeden User sichtbart, auf welchem Kontinent, in welchem Land und in welcher Stadt man sich gerade befindet. Das kann dem Betrachter schnell den Eindruck vermitteln, er sei zu beschränkt, zu sesshaft und reise nicht genug.

Der Druck, viele „Likes“ und „Follower“ zu bekommen, ist aber weniger groß. Hier gäbe es Unterschiede zu anderen sozialen Netzwerken, meint Marx: „Instagram ist näher an den Nutzern dran als Facebook. Wenn man auf Instagram Bilder anschaut, tendiert man eher dazu, sie zu liken, als auf anderen Seiten. Die Leute sind netter zueinander. Und es ist einfach inspirierender.“

Trotzdem kann dem User beim täglichen Durchsuchen der Startseite schnell ein ähnliches Phänomen begegnen, wie es bereits bei Facebook vielen bekannt ist: Man beginnt, an sich selbst zu zweifeln: Habe ich nicht genug erlebt? Bin ich nicht zielstrebig genug? Ist mein Leben zu monoton und langweilig? Warum scheinen andere alles auf die Reihe zu bekommen und immer Spaß zu haben?

Letztendlich sind diese Zweifel meist unberechtigt, denn Instagram ist eben doch nur ein Sammelsurium verschiedener, einzelner Lebensmomente vieler unterschiedlicher Nutzer. Niemand kann diese Fülle an Augenblicken auf einmal erleben. Sie vermischen und verdichten sich auf der Plattform zu einer riesigen Informationswelle einer digitalen Parallelwelt, von der man sich beim Öffnen der App nicht überrollen lassen sollte.


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