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In sich hineinhorchen: Bauchgefühl ist trainierbar
Lifestyle 3 Min. 30.07.2020

In sich hineinhorchen: Bauchgefühl ist trainierbar

Statt lange Vor- und Nachteile abzuwägen, sollte man bei wichtigen Entscheidungen auch auf das eigene Bauchgefühl hören.

In sich hineinhorchen: Bauchgefühl ist trainierbar

Statt lange Vor- und Nachteile abzuwägen, sollte man bei wichtigen Entscheidungen auch auf das eigene Bauchgefühl hören.
Foto: dpa-tmn
Lifestyle 3 Min. 30.07.2020

In sich hineinhorchen: Bauchgefühl ist trainierbar

Das Bauchgefühl ist mehr als ein guter Ratgeber. Es warnt auch vor Gefahren. Wer seiner inneren Stimme ausreichend Gehör schenkt, trifft am Ende oft bessere Entscheidungen.

(dpa/tmn) - Wichtige Entscheidungen im Leben werden lieber rational getroffen, sagen die einen. Hör' auch auf dein Bauchgefühl, sagen die anderen. So viel vorweg: Beide haben recht. Innere Stimme, Intuition: Das Bauchgefühl hat viele Namen. Es ist nicht nur ein guter Ratgeber, ob man etwas tun sollte oder nicht, es warnt einen auch vor Gefahren. „Ein Feuerwehrmann zum Beispiel weiß genau, wie lange er in einem Haus noch Flammen löschen kann und wann es an der Zeit ist, zum Schutz seines Lebens das Weite zu suchen“, sagt der Mentalist und Autor Florian Ilgen, der Bühnenshows rund um Gedankenphänomene macht. 

Dass der Feuerwehrmann das weiß, hat etwas mit seinem Erfahrungsschatz zu tun, der im Unterbewusstsein gespeichert ist. Ist Gefahr in Verzug, meldet sich in Sekundenschnelle die innere Stimme, leise und warnend. Das ist auch der Grund, warum viele instinktiv nicht alleine bei Dunkelheit abgelegene Orte aufsuchen. 

Kein Zusammenhang mit der Magengegend 

Der Zusammenhang mit der Magengegend ist beim Bauchgefühl irreführend. „Man weiß gar nicht so genau, wo dieses Gefühl herkommt“, sagt der Psychologe Tobias Maldei. Er befasst sich an der Universität Trier als Wissenschaftler mit dem Thema. „Eine Entscheidung steht an oder Gefahr droht, und die einen merken etwas im Bauch, andere in der Brust oder auf der Schulter“, erklärt Maldei. Im Sprachgebrauch eingebürgert hat sich aber „Bauchgefühl“. 

Tobias Maldei ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik der Universität Trier.
Tobias Maldei ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik der Universität Trier.
Foto: dpa-tmn

Die im Körper spürbaren Emotionen stünden in Verbindung mit dem impliziten Gedächtnis, erklärt der Psychologe. Dabei handelt es sich um den Teil des Gedächtnisses, der das Erleben und Verhalten eines Menschen beeinflusst, ohne dabei ins Bewusstsein zu treten. 

Gründlicher und schneller als der Kopf 

Der Vorteil des Bauchgefühls: „Es denkt schneller und auch gründlicher als der Kopf“, erklärt Ilgen. Der Prozess dahinter: Man hat ein Erlebnis, eine Erkenntnis oder bekommt eine Information. Das wird alles in einer Art körpereigenem Archiv abgespeichert, und in Entscheidungs- oder Gefahrensituationen ruft die Intuition das im Archiv ab, was sie gerade braucht. So weiß ein Mensch zum Beispiel sofort, dass er sich vor dem zum Schlag ausholenden Gegenüber wegducken sollte. Bewusst wahrgenommen und durchgedacht, würde dieser Vorgang zu lange dauern. 

Das Bauchgefühl denkt schneller und gründlicher als der Kopf.

Florian Ilgen

„Je mehr Erfahrungen und Erlebnisse man in einem Lebensbereich hat, desto zuverlässiger ist das Bauchgefühl“, sagt Maldei. Ein Problem sei jedoch, dass viele es verlernt hätten, ihr Bauchgefühl wahrzunehmen. Viele Menschen seien davon überzeugt, dass Entscheidungen am besten auf rationaler Basis getroffen werden. Also suchten sie Argumente und wägten Vor- und Nachteile ab. Sie glauben, dass Emotionen dabei außen vor bleiben müssten - aus Sicht beider Experten ist das falsch. „Die besten Entscheidungen sind die, bei denen auch das Bauchgefühl Ja sagt“, ist Florian Ilgen überzeugt. 

Gefühle bewusst wahrnehmen 

Die Wahrnehmung des Bauchgefühls lässt sich trainieren. „Dazu gehört eine gehörige Portion Achtsamkeit im Alltag“, sagt Psychologe Maldei. Mit anderen Worten: Bestimmte Situationen bewusst wahrnehmen, vor allem mit Blick auf die dabei auftretenden Gefühle. „Gefühle sollte man dabei wahrnehmen, wie sie sind, aber man sollte sie nicht bewerten“, erklärt Maldei. Hilfreich kann sein, mehrmals am Tag kurze Meditationen einzulegen. Dabei geht es darum, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, in sich hineinzuschauen und zu sehen, wie es einem geht. „Das kann auch an der frischen Luft, etwa bei einem Spaziergang durch die Natur, geschehen“, sagt Florian Ilgen. 


TOPSHOT - This aerial photo shows yoga enthusiasts practising yoga at a park in Handan in China's northern Hebei province on June 19, 2020, ahead of International Yoga Day celebrated annually on June 21. (Photo by STR / AFP) / China OUT
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Der Mentalist plädiert dafür, dass Menschen ihren Emotionen mehr Raum geben sollten. Wichtig sei dabei, das Bauchgefühl von anderen Emotionen wie Angst, Gier oder Liebe abzugrenzen. „Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Intuition untergeht und nicht wahrgenommen wird.“ Wichtig für das Bauchgefühl ist ein ausgeprägtes Selbstvertrauen. Man sollte sich also trauen, darauf zu bauen, dass das, was man fühlt, richtig ist. Das funktioniert, wenn man möglichst häufig intuitiv entscheidet. Je öfter man sich von seiner Intuition leiten lässt, desto mehr kann man sich auf sein Bauchgefühl verlassen. 


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