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Im Reich der Riesenschildkröten
Lifestyle 7 4 Min. 10.02.2015 Aus unserem online-Archiv
Galapagos rückt näher

Im Reich der Riesenschildkröten

Lifestyle 7 4 Min. 10.02.2015 Aus unserem online-Archiv
Galapagos rückt näher

Im Reich der Riesenschildkröten

Turtelnde Tölpel, riesige Schildkröten und Echsen, die wie Drachen aussehen: Auf Galapagos ist die Faune einzigartig. Doch der Touristenboom brachte Probleme - bis Behörden und Naturschützer aktiv wurden.

(dpa/tmn) - Das Inselreich der spektakulären und zugleich zutraulichen Tiere ist erschwinglicher geworden. Dafür sorgt auf Galapagos die zunehmende Konkurrenz von Hotels, Gästehäusern und Airlines, die von Ecuadors Festland-Städten Quito und Guayaquil herüberfliegen. Clevere Reisende mit schmalem Budget schlafen für umgerechnet 12 Euro die Nacht, sehen Schildkröten-Giganten, Seehunde, Pelikane sowie armlange Land- und Meerechsen fast gratis. Eines der größten Schaufenster der Evolution rückt für viele Touristen nun näher. Mehr als 200 000 Gäste pro Jahr erfüllen sich den Traum im Pazifik knapp 1000 Kilometer westlich von Südamerikas Küste.

Wer zwischen Tölpel- und Albatros-Nestern auf unbewohnten Inseln spazieren und Pinguin-Familien beim Sundowner bewundern will, bucht eine Kreuzfahrt - die kostet pro Tag allerdings zwischen 250 und 800 Dollar (220 bis 705 Euro).

Ein deutliches Zischen ertönt. Die Galapagos-Riesenschildkröte zieht ihren langen Hals mit dem kleinen Kopf und ihre klobigen Beine unter den mächtigen Panzer, der nun ins Gras herabsinkt. Der Schutz ist perfekt. Ein Tourist war wohl zu respektlos und wollte den Koloss berühren. Etliche Riesenschildkröten werden bis zu 300 Kilo schwer und weit über 100 Jahre alt, auch hier im Norden von Santa Cruz, auf der wichtigsten Touristeninsel des Archipels.

Strenge Schutzmaßnahmen

Die Insel-Hauptstadt Puerto Ayora hat fast 15 000 Einwohner. Das sind über die Hälfte aller Galapagos-Bewohner. Am Hafen dösen Seelöwen. Wassertaxis schippern auf die andere Seite der Bucht. Auf dem Meer schaukeln Fischerboote, Frachter, Schnellfähren, die die anderen drei bewohnten Inseln San Cristobal, Isabela und Floreana ansteuern. Auch einige Kreuzfahrtschiffe ankern hier.

Unermüdlich predigen die Galapagos-Führer ihren Gästegruppen bei der Landung auf einer Insel: „Keiner darf den Weg verlassen, ein Tier berühren oder den Blitz beim Fotografieren zuschalten.“ Wer raucht oder ein Papierchen fallen lässt, bekommt Ärger. Die Tiere und Pflanzen des Archipels mit seinen rund 130 Inseln und Inselchen konnten sich fünf Millionen Jahre lang fast ungestört entwickeln.

Doch wegen der vielen Kreuzfahrtschiffe und der ständig steigenden Zahl an Touristen setzte die Unesco Galapagos 2007 auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes, auch wegen unkontrollierten Zuzugs und Umweltproblemen. Die Behörden reagierten. Zum Beispiel mussten viele Festland-Ecuadorianer zurückreisen, die illegal auf den Inseln lebten. Damit Topziele nicht von Touristen überrannt werden, müssen alle Schiffe nun wichtige Regeln einhalten, dürfen in 14 Tagen kein Ziel zweimal ansteuern. Attraktiv sind aber alle Inseln. Alle Kreuzfahrtschiffe werden heute durch Satellit überwacht. Wer Extratouren macht, riskiert den Verlust der Lizenz.

Importierte Arten sind eine Bedrohung

Inzwischen hat die Unesco ihre Warnung zurückgenommen. Doch viele endemische Tiere und Pflanzen sind weiter vom Aussterben bedroht. Denn auch innerhalb der Tierwelt gibt es Konkurrenzkämpfe: Mit dem Menschen kamen Ziegen, Ratten und Esel, die Nester zertrampeln, Eier fressen und den angestammtem Tieren den Lebensraum nehmen.

Neben Santa Cruz und Espanola zählen auch Genovesa, Seymour Norte, Bartolome und Isabela zu den besonders beliebten Zielen. Wer die endemischen Riesenschildkröten sehen will - für viele Touristen das Highlight von Galapagos - sollte das schon bei der Reiseplanung berücksichtigen: Die Tiere leben größtenteils nur noch auf Santa Cruz, Isabela, Santiago, San Cristobal und Espanola in der Wildnis. Wer diese Giganten nur auf der Charles Darwin Station auf Santa Cruz im Grünen hinter Mäuerchen sieht, ist oft enttäuscht, wenn er die Schilderung anderer Reisender hört.

Praktische Infos:

Anreise: Der Hin- und Rückflug ab Frankfurt nach Galapagos mit Zwischenstopp kostet im Sommer ab rund 1100 Euro. Flüge ab Ecuadors Festland, ab Quito oder Guayaquil, kosten ab etwa 250 Euro.

Formalitäten: Der Reisepass muss bei Einreise mindestens sechs Monate gültig sein. Beim Abflug von Quito oder Guayaquil nach Galapagos erhalten Fluggäste ein elektronisches Visum. Die Nationalparkgebühr von 100 US-Dollar (rund 88 Euro) pro Kopf wird bei der Ankunft auf Galapagos erhoben.

Reisezeit: Das ganze Jahr. Die Tiere sind immer zu sehen, die Schiffe immer gut gebucht, die Temperaturschwankungen gering. Von Juni bis November liegen die Höchstwerte bei im Schnitt 26 Grad.

Gesundheit: Dringend empfohlen ist eine weltweit gültige Krankenversicherung. Es gibt keine Impfpflicht.

Währung: Die Landeswährung ist der US-Dollar. Für 1 Euro gibt es 1,13 Dollar (Stand: 2. Februar 2015). Auf Santa Cruz und San Cristóbal befinden sich etliche Geldautomaten.