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„Ich führe ein kleines Familienunternehmen“
Übernimmt einer sehr viel mehr Aufgaben als der andere, sollte man darüber reden. Vorwürfe helfen in der Regel aber nicht weiter.

„Ich führe ein kleines Familienunternehmen“

Foto: dpa-tmn
Übernimmt einer sehr viel mehr Aufgaben als der andere, sollte man darüber reden. Vorwürfe helfen in der Regel aber nicht weiter.
Lifestyle 3 Min. 04.09.2018

„Ich führe ein kleines Familienunternehmen“

Oft kümmern sich Frauen neben dem Job noch um viele - für andere unsichtbare - Dinge, die im Alltag anfallen. Das zu ändern, ist nicht leicht - und vor allem unbequem.

(dpa/tmn) - Die fälligen Impfungen der Kinder im Blick behalten und recherchieren, welcher Handwerker sich um die kaputten Rollläden kümmert: In vielen Partnerschaften sind das trotz vermeintlicher Gleichberechtigung Aufgaben, die die Frauen übernehmen. Oft passiert diese Art der Arbeit für den Rest der Familie unsichtbar. „Invisible labor“ heißt das Phänomen deshalb im englischsprachigen Raum - oder auch „emotional labor“, weil Frauen oft die Rolle der Kümmerin innehaben, auch wenn es sicherlich Männer gibt, die es in ihren Beziehungen genau umgekehrt erleben.

Die US-Autorin Gemma Hartley hat ihrem Frust in einem „Harpers Bazaar“-Artikel Luft gemacht. Er wurde tausendfach in sozialen Medien geteilt, daraufhin war Hartley zu Gast im Podcast „Dear Sugars“, der auch über die USA hinaus bekannt ist. Hartley bringt das Problem so auf den Punkt: „Es geht nicht nur darum, irgendeinen Handwerker zu bestellen, der die zerbrochene Scheibe repariert. Es ist die Zeit und Energie, die es kostet, den Handwerker ausfindig zu machen, der die Scheibe repariert.“ 

Dass diese ungleiche Verteilung in vielen Beziehungen nach wie vor besteht, ist ein Problem, das heute gerne abgetan wird: „Vor allem die urbane, gebildete Mittelschicht sagt: „Das Thema Gleichstellung hat sich doch erledigt““, ist Aline Oloffs Erfahrung. Oloff arbeitet am Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der Technischen Universität Berlin. Studien belegen es ganz klar: Frauen übernehmen oft mehr Aufgaben im Haushalt als Männer.

Warum ist das so - immer noch? „Weil es klassische Muster sind, die gut funktionieren“, sagt Oloff. Häufig werde die traditionelle Aufgabenverteilung mit dem Argument begründet, „dass Frauen das eben besser können.“ Das lässt sie aber nicht gelten: „Die Verschiebung in die Natur ist immer eine bequeme Lösung für Widersprüchlichkeiten.“ Frauen managen Familie und Haushalt nicht besser, weil sie Frauen sind - sondern weil sie so sozialisiert werden und in diese Rolle hineinwachsen.

Kinder versorgen, kochen, putzen,  - manchen Frauen fällt es schwer, Arbeiten an den Partner zu delegieren.
Kinder versorgen, kochen, putzen, - manchen Frauen fällt es schwer, Arbeiten an den Partner zu delegieren.
Foto: Shutterstock

Sich einen Überblick verschaffen

Nicht ganz so streng sieht es die Diplom-Psychologin Felicitas Heyne: „Es gibt Frauen, die sagen: „Ich entscheide, welches Sofa wir kaufen und recherchiere das beste Ferienhaus an der Algarve, weil ich das gerne mache““ - und das aufrichtig so meinen. Wenn das der Fall ist, kann man dieses Modell so leben.


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In wem es dabei aber rumort, der muss mit dem Partner reden. Erst einmal sollte sich ein Paar überhaupt einen Überblick verschaffen, um welche Aufgaben es geht. „Und dann verfährt man am besten wie in der Arbeitswelt: Man arbeitet mit Deals. „Ich mache das, dafür machst du das““, rät Heyne. Das lässt Raum, Vorlieben und Stärken individuell in den Ring zu werfen.

Damit eine Umverteilung der Familienarbeit gelingen kann, sind Heyne zufolge mehrere Dinge nötig: die eigenen Ansprüche herunterschrauben. Es aushalten zu können, wenn der Partner den Fußboden erst wischt und dann saugt - und nicht umgekehrt. Sich mit Tipps zurückhalten. Dem anderen eine Lernkurve zugestehen. Die eigene Art, Sachen zu erledigen, nicht zum allgemeingültigen Standard zu erheben.

Darin seien viele Frauen nicht sehr gut, findet Heyne: „Viele reißen Aufgaben nach kurzer Zeit wieder genervt an sich - weil der Mann das angeblich nicht hinkriegt.“ Wer damit leben kann, in Ordnung - ändern wird sich damit aber gar nichts. Oft sei das Problem auch ein tiefenpsychologisches: „Wer entscheidet, hat die Macht.“ Wer emotionale Arbeit bei Kindern und Freunden leistet - nachfragt, viel zuhört, hilft - kriegt dafür auch viel zurück. Die Folgen davon zeigen sich bei manchen Paaren erst spät: „Nach einer Scheidung sind es eher die Männer, die in ein Loch fallen - weil sie keine sozialen Kontakte haben.“ Um die hat sich vorher eben nur die Frau gekümmert.

Neue Modelle suchen

Das Ganze ist kein rein individuelles Problem, sondern ein gesellschaftliches, sagen die Expertinnen. Zwar liegt es zum Großteil an den Paaren selbst, darüber zu verhandeln. Aber es muss sich noch viel mehr ändern, etwa in der Arbeitswelt: Frauen und Männer müssten gleichermaßen die Arbeitszeit reduzieren.

Und nur wer sich bewusst macht, warum er bestimmte Aufgaben stillschweigend übernimmt, kann seinen Kindern vielleicht ein anderes Modell vorleben. Diese Hoffnung hegt auch die Moderatorin des Podcast „Dear Sugars“, Cheryl Strayed: Als sie ihren kleinen Sohn in der Küche dabei beobachtete, wie er den Boden mit einem Spielzeugbesen fegt, fragte sie ihn, was er da macht. Seine Antwort: „Ich spiele gerade, dass ich ein Papa bin.“


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