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"Ich bin ein guter Verkäufer"
Lifestyle 6 5 Min. 16.10.2018 Aus unserem online-Archiv

"Ich bin ein guter Verkäufer"

Lifestyle 6 5 Min. 16.10.2018 Aus unserem online-Archiv

"Ich bin ein guter Verkäufer"

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Ein Schicksalsschlag führte Designer Marcel Ostertag zur Mode. Im Interview spricht er über seinen Weg dorthin, die Zusammenarbeit mit Tamaris und über seine Kollektion "Opium".


Der gebürtige Berchtesgadener Marcel Ostertag zeigt seine Kollektionen nicht nur in Berlin, sondern auch in New York.
Der gebürtige Berchtesgadener Marcel Ostertag zeigt seine Kollektionen nicht nur in Berlin, sondern auch in New York.
Foto: PR

Marcel Ostertag war auf dem besten Weg, ein großer Tänzer zu werden. Dann stoppte ihn eine Verletzung: Dieser Schicksalsschlag führte den gebürtigen Bayern, der heute in Berlin lebt und arbeitet und auch durch die Zusammenarbeit mit der Schuhmarke Tamaris von sich reden macht, noch näher an die Mode heran.

Marcel Ostertag, ist eine Tanzausbildung nicht die perfekte Voraussetzung, um Schuhe zu designen?

Diese Verbindung habe ich bisher noch nicht hergestellt. (lacht) Tänzer sind generell sehr kreative Menschen, jedoch ist nicht jeder dazu geboren, eine Schuhkollektion zu kreieren. Ich habe mir einen Schuhpartner ausgesucht, weil Mode nicht ohne Schuhe funktionieren kann und umgekehrt. Wichtig war mir natürlich auch, ein internationales Unternehmen zu finden, das Expertise darin hat. Und wir harmonieren einfach gut. Ich kann mich ausleben, meine Designs so ausarbeiten, wie ich es möchte.

Eine Verletzung beendete Ihre Tanzkarriere unerwartet. Warum dann der Wechsel in die Mode?

Ich habe schon lange in der Branche gearbeitet. Mit 14 wurde ich bereits von einem Fotografen entdeckt und konnte viele Shootings und Modenschauen mitmachen. Später war ich dann Assistent für Stylisten. Als ich dann nicht mehr tanzen konnte, habe ich mich immer weiter mit dem Thema beschäftigt und festgestellt, dass ich mehr machen möchte als Styling. Ich wollte Mode machen.

Sie haben Ihren Studienabschluss am Central Saint Martins College in London gemacht. Warum dort?

Die ersten zwei Jahre Studium in Deutschland haben mir eine gewisse Sicherheit und auch einen Vorsprung gegeben, der mir wirklich gutgetan hat. In London war das Studium breiter gefächert. Dort habe ich mich auf Menswear spezialisiert. In diesem Sommer habe ich auch erstmals wieder Männermode bei meiner Show gezeigt. Die findet man im Januar in den Stores.

Ein wenig Glamour, ein wenig 70er-Jahre - das ist die neue Kollektion "Opium".
Ein wenig Glamour, ein wenig 70er-Jahre - das ist die neue Kollektion "Opium".
Foto: PR

Warum haben Sie sich nach dem Studium zunächst auf Damenmode fokussiert?

Ich wollte herausfinden, was Frauen gerne tragen, was gute Damenmode ausmacht. Meine Entwürfe waren schon immer recht feminin und ich mag es, Frauen anzuziehen. Das habe ich jetzt 23 Saisons erfolgreich getan – jetzt kann ich mich auch auf andere Bereiche konzentrieren, wie aktuell Männermode und in Zukunft Kindermode.

Sie haben vor einigen Jahren an der TV-Show "Fashion Hero" teilgenommen und sind daraus als Sieger hervorgegangen. Hat das Ihrer Karriere nochmals Auftrieb gegeben?

Glücklicherweise habe ich schon seit der ersten Saison Preise gewonnen und die Möglichkeit gehabt, in tollen Stores vertreten zu sein. Medial hatte ich durch diese Show eine enorme Reichweite. Für mich steht aber hauptsächlich das Produkt im Fokus. Jedes TV-Format und alle Preise, die ich gewonnen habe, haben mich in meiner Karriere immer ein großes Stück vorangebracht. Ich verstecke mich bewusst nicht hinter meiner Marke, sondern zeige mich gerne mit all meinen Emotionen und Inspirationen. Somit ist aus der Person und dem Label eine Marke geworden – und das macht den Unterschied.

Mit Tamaris haben Sie zur aktuellen Saison die Kollektion "Opium" auf den Markt gebracht – passend zu Ihrer Bekleidungskollektion, die den gleichen Namen trägt. Welche Idee steckt dahinter?

Mir war es wichtig, dass die Winterkollektion etwas sehr Greifbares hat. Ich nehme mir persönlich viel Zeit für jedes einzelne Kleidungsstück und jeden Schuh, den ich designe und ich wünsche mir, dass auch der Kunde wieder mehr Wertschätzung für Qualität und ein Produkt mit besonderem Design entwickelt. "Opium" steht dabei für das Suchtpotenzial der Mode. Und ich bin wirklich süchtig danach, das ist meine Leidenschaft. „Muse“, meine Frühjahr-Sommer-Kollektion für 2019, führt das ganze Konzept dann weiter.

Dank der Zusammenarbeit mit Tamaris gibt's zur Kollektion die passenden Schuhe. Hat Ihnen diese Kooperation neue Käufer beschert?

Durch diese Kooperation erreiche ich jetzt auch Kunden, die ich vorher nicht erreicht habe. Auch wenn meine Kollektion vor allem aufgrund unserer Ideologie „Made in Germany“ natürlich preislich anders angesiedelt ist als die Schuhkollektion, gewinne ich durch Tamaris weitere tolle Frauen als neue Kundinnen dazu, von welchen ich viel positives Feedback erhalte.

Die kommende Kollektion "Muse" ist recht bunt geraten – auch die Männerlinie. Sie tragen selbst eher Schwarz. Wieso?

Das ist für viele ein wenig unverständlich, aber wenn man mal im Körper eines Tänzers gesteckt hat und man dann – zumindest aus eigener Sicht – ein wenig aus der Form geraten ist, wird Schwarz zur Uniform.

Und wie sieht es mit Ihrer Mode aus? Sind die Kleidungsstücke nur etwas für schlanke Frauen?

Nein, ganz und gar nicht. Am besten verkaufen sich die Größen 40/42 und 44. Das, was zum Schluss der Saison übrig bleibt, ist meist die Größe 34.

Sie lassen Ihre Mode in Deutschland anfertigen. Honorieren Ihre Kundinnen diese Investition?

Ja, für unsere Kunden sind unsere Werte sehr wichtig. Ich kenne alle Schneiderinnen persönlich und weiß, wer welches Stück gefertigt hat. 80 Prozent aller Kleider sind limitiert auf unter zehn Stück, daraus entwickelt sich auch ein entsprechender Preis – und diesen bezahlen meine Kundinnen gerne. Viele Luxusbrands lassen in China oder Fernost fertigen, was für mich schon zur Gründung meines Labels 2006 nicht in Frage kam. Deshalb produziere ich seither alles vom ersten Design bis zum letzten Knopfloch in Deutschland.

Sie leben und arbeiten seit einigen Jahren in Berlin. Zuvor war München Ihre Heimat. Fiel es Ihnen leicht, sich von der Stadt zu trennen?

Ja, definitiv. München ist eine tolle Stadt und ich habe wunderbare Freunde dort. Aber Berlin hat für mich etwas Neues gebracht: neue Inspiration und eine noch größere Dynamik. So ist Berlin zu meiner neuen Heimat geworden.

Vermissen Sie Bayern nicht?

Doch, ich vermisse zum Beispiel die Isar. Im Sommer einfach nach der Arbeit aufs Rad und zack, liegst du nach ein paar Minuten am Wasser. Aber ich muss gestehen, dass ich sehr wenig Freizeit habe.

Ihr Atelier und auch Ihre Wohnung liegen im eher beschaulichen Stadtteil Charlottenburg. Wieso nicht im hippen Mitte?

Für mich ist Charlottenburg einer der aktuell spannendsten Stadteile in Berlin. Hier passiert sehr viel fernab von den typischen Berlin-Touristen und Kurzzeitaufenthalten. Hier ist nicht nur meine Wohnung und mein Zuhause, sondern auch mein Store mit Atelier um die Ecke. Ich finde, dass mein Label in Charlottenburg besser aufgehoben ist als in Mitte.


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