Hospital statt Haute Couture
Hospital statt Haute Couture
„Corona-Virus beendet goldenes Zeitalter der Luxusindustrie“ – mit dieser Überschrift fasst das deutsche Branchenmagazin „Textilwirtschaft“ die Auswirkungen der derzeitig grassierenden Pandemie auf einen Industriezweig zusammen, der in den vergangenen Jahren große Gewinne verbuchen konnte. In vielen Unternehmen stehen die Produktionsbänder derzeit still. Auch die Textilfabriken und Schneiderateliers sind häufig verwaist. Ganz zu schweigen von den Einkaufszentren und Boutiquen, die in vielen Ländern nach wie vor geschlossen sind. Experten rechnen mit einem Umsatzminus von bis zu 25 Prozent.
Viele der Luxusbrands haben mit Problemen zu kämpfen. Der Onlinehandel kann die Verluste nicht komplett kompensieren. Den Kopf in den Sand will jedoch niemand stecken – ganz im Gegenteil. Solidarität ist derzeit das Stichwort, wie mehrere Marken beweisen. Ein Überblick über einige Aktionen:
Chanel
Das französische Traditionshaus möchte von staatlicher Hilfe absehen: Das Unternehmen entschied sich dazu, von Mitte März bis Anfang Mai den 8 500 Mitarbeitern in Frankreich das volle Gehalt zu zahlen – und auf die Inanspruchnahme der Kurzarbeit-Lösung zu verzichten. Des Weiteren unterstützt die bekannte Marke den französischen Gesundheitsbereich durch die Herstellung von Schutzmasken und -kitteln.
Louis Vuitton
Auch im Hause Louis Vuitton ist man sich der Krise bewusst: In den Ready-to-wear-Ateliers in der Nähe der Pariser Pont Neuf waren noch in der vergangenen Woche 20 Freiwillige damit beschäftigt, Schutzkleidung per Hand herzustellen, die sechs Krankenhäusern in der französischen Hauptstadt zur Verfügung gestellt wird. Seit dieser Woche können die Zuschnitte auch maschinell erfolgen – die Zahl der gespendeten Schutzkittel wird also weiter steigen.
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Dior
Die Luxusmarke Dior öffnete eines der Ateliers, in denen zuvor die Arbeit eingestellt wurde, um zu helfen. In Redon, nördlich von Nantes, wo eigentlich Produkte der Linie Baby Dior gefertigt werden, kümmern sich Schneiderinnen um die Produktion von Schutzmasken. Jede der Frauen, die an der Fertigung beteiligt ist, meldete sich freiwillig. „Wir danken den wundervollen fleißigen Händen, die in einem außergewöhnlichen Akt der Solidarität unermüdlich arbeiten, um die zu schützen, die tagtäglich ganz vorne mitarbeiten“, so das Unternehmen.
Bvlgari
Eigentlich ist das römische Luxuslabel Bvlgari bekannt für Schmuck, Accessoires und Parfums – nun macht es sich einen Namen mit Desinfektionsmitteln: Hunderttausende von Flaschen sollen nicht nur in Italien, sondern auch in der Schweiz, wo das Unternehmen rund 600 Mitarbeiter beschäftigt, verteilt werden – vor allem natürlich an Krankenhäuser.
„Ich glaube, dass Bvlgari als großer wirtschaftlicher Akteur und als Symbolunternehmen Italiens die Verantwortung hat, zu den nationalen Bemühungen beizutragen, Covid-19 vorzubeugen, zu bekämpfen und auszulöschen“, sagt Bvlgari-CEO Jean-Christophe Babin. Zuvor hatte das Unternehmen bereits mit einer Spende zur Anschaffung eines 3D-High-Definition-Mikroskops der Lazzaro-Spallanzani-Klinik in Rom beigetragen, die zu den führenden Forschungsstätten des Landes zählt.
Coty
Auch beim internationalen Kosmetikkonzern Coty, der unter anderem Parfums der Marken Bottega Veneta, Chloé und Marc Jacobs vertreibt, wurde die Produktion in einigen Werken umgestellt, unter anderem in den USA und Monaco: Dort laufen statt Parfums und Cremes nun Handdesinfektionsmittel über das Band, die nicht nur an Krankenhäuser, sondern auch an Apotheken und den Einzelhandel ausgeliefert werden.
CEO Pierre Laubies erklärt: „Wir stellen unsere Ressourcen und Produktionsstätten zur Verfügung, um den Gebieten, in denen wir operieren, in diesen außergewöhnlich herausfordernden Zeiten zu helfen.“
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