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Urlaub mit gutem Gewissen
Lifestyle 7 Min. 25.08.2021
Hochschwarzwald

Urlaub mit gutem Gewissen

Der Titisee im Schwarzwald zählt sicherlich zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Region.
Hochschwarzwald

Urlaub mit gutem Gewissen

Der Titisee im Schwarzwald zählt sicherlich zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Region.
Foto: Birgit-Cathrin Duval
Lifestyle 7 Min. 25.08.2021
Hochschwarzwald

Urlaub mit gutem Gewissen

Im Schwarzwald gibt es zahlreiche Angebote, die Mensch und Natur im Blick haben.

Von Birgit-Cathrin Duval 

Ein azurblauer See, umkränzt von hohen Bergen, auf denen sich dunkle Nadelwälder in den Himmel recken. Der Titisee im südlichen Schwarzwald ist eines der bekanntesten Reiseziele in Deutschland. Wer vom Ufer auf den spiegelglatten See blickt, kann sich einer gewissen Magie nicht entziehen, die diesen Ort umgibt. In Titisee, dem gleichnamigen kleinen Städtchen, reihen sich Geschäfte und Restaurants aneinander, schwarzwaldtypische Souvenirs wie Kuckucksuhren und Schwarzwälder Schinken buhlen um die Gunst der Touristen. Nur wenige Meter weiter, am Ende der Uferpromenade, verliert sich das geschäftige Treiben. Ich miete mir dort eines der E-Bikes und radle los. 

Erholung in der klaren Schwarzwaldluft 

Bald bin ich umgeben vom üppigen Grün, Weiden mit bunten Blumen und Kräutern, auf denen Kühe grasen und alten Schwarzwaldhöfen, als wäre die Zeit stehengeblieben. Während ich auf das Seeufer blicke, umgibt mich eine wohltuende Stille. Auf Forst- und Waldwegen radle ich zum Windgfällweiher, ein ebenso mystischer wie zauberhafter Ort tief verborgen in den dichten Wäldern. Liegt es an den Nebelschwaden, die zwischen den Tannen und über dem See wabern als würden Elfen tanzen? 

Wer sich bewegen will, ist im Schwarzwald genau richtig. Neben dem Wandern steht auch E-Bike-Fahren hoch im Kurs.
Wer sich bewegen will, ist im Schwarzwald genau richtig. Neben dem Wandern steht auch E-Bike-Fahren hoch im Kurs.
Foto: Birgit-Cathrin Duval

Der Schwarzwald ist durchdrungen von Sagen und Geschichten, der Black Forest ist längst zu einem Mythos geworden, hier in den dichten Wäldern ist er greifbar. Urlauber sollen sich in der Region Hochschwarzwald auf über 1.000 Metern in der klaren Schwarzwaldluft erholen. Und das sollen sie auch mit gutem Gewissen tun. Dafür setzt sich der Tourismusverband Hochschwarzwald seit vielen Jahren ein. Seit 2016 ist die Ferienregion von „TourCert“ als nachhaltiges Reiseziel zertifiziert. Hierbei fungiert der Tourismusverband als Impulsgeber, um nachhaltige Prozesse sowohl ökologisch wie auch ökonomisch anzustoßen. Dazu wurde eigens die Stelle eines Nachhaltigkeitsbeauftragten geschaffen. Doch wie wird diese Nachhaltigkeit praktisch gelebt und in welcher Weise wirkt sich das für mich als Urlauberin aus? 

Am bequemsten reist es sich per Zug in den Schwarzwald. Überhaupt ist Zugfahren dort ein Erlebnis. Von Freiburg nach Hinterzarten fährt die Höllentalbahn auf Deutschlands steilster Eisenbahnstrecke. Zwischen Himmelreich und Hinterzarten überwindet die Bahn eine Steigung von 400 Höhenmetern. Die Fahrt durch Tunnel und Felsenschluchten ist schlichtweg spektakulär. Ohne Stau und mit gutem Gewissen gelangt man entspannt an sein Reiseziel. Denn den höchsten CO2 Abdruck verursacht eine Anreise mit dem eigenen Auto. Und auf das kann im Schwarzwald gut verzichtet werden – dank „Konus“. Mit der „Konus“-Karte kann während des gesamten Urlaubsaufenthaltes kostenlos der öffentliche Nahverkehr in der gesamten Schwarzwaldregion genutzt werden. 

Die Karte erhalte ich beim Einchecken ins Hotel. Wer dennoch ein Auto benötigt, weil die Ausflugsziele abseits von Bus und Bahn liegen, kann mit dem E-Carsharing Programm an sechs Orten der Hochschwarzwaldregion einen Mini Cooper SE ausleihen. Um das Elektroauto zu buchen, ist eine Prüfung des Führerscheins in einem der Tourist-Büros erforderlich, danach kann das Auto mittels App freigeschaltet werden. Mit der Hochschwarzwald-Card sind täglich drei Stunden gratis, jede weitere Stunde kostet 6,90 Euro. Die Hochschwarzwald Card gibt es ab zwei Übernachtungen und sie gewährt viele weitere Gratisangebote und Vergünstigungen. Drei Stunden E-Bike fahren oder mit dem Stand-up-Paddle-Board auf den Titisee und vieles mehr. Ebenfalls kostenfrei: eine Schiffsrundfahrt über den See. 

Wasserfälle gibt es im Schwarzwald so einige zu finden.
Wasserfälle gibt es im Schwarzwald so einige zu finden.
Foto: Birgit-Cathrin Duval

Auf meiner E-Bike-Tour radle ich am Wiesler Moor vorbei. Eine Hinweistafel erklärt, dass hier der größte CO2 Speicher der Welt wächst. Moore sind natürliche Kohlenstoffspeicher. Jährlich bindet das Moor rund 500 Kilogramm Kohlenstoff pro Hektar. Das Moor gehört zum Seehotel Wiesler, das eine der idyllischen Lagen am Titisee besitzt. Für die Hoteliers Eva und Klaus-Günther Wiesler ist Nachhaltigkeit kein Modewort, sondern Herzensengagement. Seit den 1980er-Jahren wurde stetig investiert, den Anfang machte eine Stückholzheizung. Das eingesparte Geld wurde stets in neue Projekte gesteckt, berichtet Klaus-Günther Wiesler, ein Pionier der Nachhaltigkeit im Hochschwarzwald.

Pflanzaktionen im heimischen Wald

Ende vergangenen Jahres war der Betrieb nahezu CO2-frei. Und ganz nebenbei entwickelte Wiesler Konzepte wie einen warmwasserbetriebenen Wäschetrockner, der die Wärme nicht aus Strom, sondern über die Hackschnitzelheizung bezieht. Sogar die Badelatschen entsprechen der Firmenphilosophie. Sie sind plastikfrei, ohne Chemikalien in Baden-Württemberg hergestellt und nach gründlicher Reinigung und Desinfektion wiederverwertbar.

Die Kosmetik im hauseigenen Beauty-Spa wurde von Eva Wiesler entwickelt – vegan und plastikfrei. Anstelle von CO2-Kompensationen setzt Wiesler auf Pflanzaktionen im heimischen Wald. 100 Weißtannen, der typische Urbaum des Schwarzwaldes, wurden im vergangenen Jahr gepflanzt. Insektenhotels und Blumenwiesen bieten Nahrung und Unterschlupf für Wildbienen, als Nährboden dient der organische Abfall aus der Küche, der durch eine Kompostiermaschine läuft. Sogar an das Brachsenkraut wurde gedacht: Ein Steg schützt die gefährdete Wasserpflanze vor Beeinträchtigung durch Badegäste. 

Beim Essen wird das Thema ebenfalls aufgegriffen. Dezent bietet die Speisekarte einen vegetarischen Klimateller an mit geringem CO2-Abdruck. Gäste erhalten beim Einchecken ein Nachhaltigkeitszertifikat. Mit einer Übernachtung im Seehotel spare ich 20 kg/CO2 ein im Vergleich zu einem Wellnesshotel ohne Nachhaltigkeitsmanagement – so steht es auf meinem Zertifikat. 

Rückkehr zum elterlichen Hof 

Ortswechsel. Ich besuche den Bergbauernhof Till in Äule, einem Weiler in dem die Zeit stehengeblieben scheint. Ein typischer Schwarzwaldhof, umgeben von grünen Wiesen und steilen Hängen, auf denen sich dunkle Fichten himmelwärts ins Blaue recken. Johannes Till, 33 Jahre alt, lernte Koch in einem Sternerestaurant, hätte sich in Frankreich, wo er in der Haut Cuisine arbeitete, einen Namen erkochen können. Oder als studierter Hotelbetriebswirt ein internationales Hotel managen. Stattdessen kehrte er in den elterlichen Hof zurück, gründete sein Biofastfood-Start-up „Tills tolle Rolle“ und entschied sich im Sommer 2021, den Hof seiner Eltern gemeinsam mit seiner Frau Anne-Kathrin zu übernehmen. 

Johannes Till hat sich nach seiner Ausbildung für eine Rückkehr in den Schwarzwald entschieden.
Johannes Till hat sich nach seiner Ausbildung für eine Rückkehr in den Schwarzwald entschieden.
Foto: Birgit-Cathrin Duval

„Mit unserem Betrieb wollen wir den Bedürfnissen von Mensch, Tier und Umwelt gerecht werden“, erklärt Johannes Till seine Philosophie. Die Hinterwälder Rinder werden als Mutterkuhherde auf der Weide gehalten, im Winter verbleiben sie im großen Laufstall. Mit Schweinen und der Thüringer Waldziegenherde trägt der Hof zum Erhalt der Kulturlandschaft bei. Die Tiere werden in unmittelbarer Nähe geschlachtet, auf dem eigenen Hof verwertet.

Mit unserem Betrieb wollen wir den Bedürfnissen von Mensch, Tier und Umwelt gerecht werden.

Johannes Till, Hofbesitzer

Anne-Kathrin Till-Spatz erlernte das Sennerhandwerk auf einer Graubündner Alm. Auf dem Hof ist sie für die Milchverarbeitung zuständig, der Ziegen- und Kuhkäse wird im Hofladen und auf Märkten als Berg-, Schnitt-, Frischkäse, Feta und Mozzarella verkauft. Die beiden sprühen vor Begeisterung für ihren Hof, die Tiere und ihre Produkte. Bei einer Kostprobe schmeckt man die Qualität der Erzeugnisse. 


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Und auch das schmeckt: Ein kühles, erfrischendes Bier. Natürlich ein Tannenzäpfle von Rothaus, der wohl bekanntesten Biermarke des Schwarzwalds. Die Flasche mit der goldenen Manschette und dem Etikett mit Schwarzwaldmädel und Fichtenzapfen besitzen Kultstatus in aller Welt. Die Badische Staatsbrauerei liegt auf 1.000 Höhenmetern, gebraut wird mit eigenem Quellwasser, das Abwasser wird in der eigenen biologischen Kläranlage geklärt und gleichzeitig für die Stromerzeugung genutzt. Bei einer Nachhaltigkeitsführung erfährt der Besucher, dass das Bier mit der größten Biomasseheizung gebraut wird. Weitere Energie, mit der die Flaschenwaschmaschine betrieben wird, stammt von den Solarthermie-Dächern. 

Urlaub mit gutem Gewissen, im Schwarzwald ist das möglich. Außerdem tue ich nicht nur der Umwelt, sondern vor allem mir selbst etwas Gutes. Denn hier zwischen Feldberg, Titisee und Schluchsee ist alles auf Bewegung an der frischen Luft ausgelegt. Zum Sonnenaufgang mit dem Stand-up-Paddle-Board auf den See, mittags E-Biken und abends auf den höchsten Berg Deutschlands außerhalb der Alpen, den Feldberg, wandern und auf 1.493 Meter den Sonnenuntergang genießen. So kann ein Urlaub mit Gewinn aussehen – für mich und meine Umwelt.

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