Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Herbstzeit ist Teezeit
Lifestyle 4 Min. 22.09.2020

Herbstzeit ist Teezeit

„Abwarten und Tee trinken“, heißt es in einem Sprichwort. Gerade im Herbst und Winter greifen viele Menschen gerne zu dem Heißgetränk.

Herbstzeit ist Teezeit

„Abwarten und Tee trinken“, heißt es in einem Sprichwort. Gerade im Herbst und Winter greifen viele Menschen gerne zu dem Heißgetränk.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 4 Min. 22.09.2020

Herbstzeit ist Teezeit

Wenn die Temperaturen sinken, greift so manch einer gerne zur Teetasse. Teeverkoster Daniel Mack über die Trends 2020.

Kaum, dass die Tage kürzer und die Temperaturen kühler werden, freuen sich viele wieder auf eine gute Tasse Tee. Warum das so ist, wie sich der Teekonsum in den vergangenen Jahren verändert hat und welche Auswirkungen Corona auf die Teebranche hat, erklärt der Meckenheimer Teeverkoster Daniel Mack.

Interview: KNA

Daniel Mack, im Herbst gönnen sich Menschen gerne wieder mehr Tee. Was macht das Getränk so beliebt? 

Das liegt daran, dass wir im Sommer lieber kalte Getränke wie Radler oder Cola zu uns nehmen, auch wenn die uns noch mehr schwitzen lassen. Deshalb hat es sich bei uns nie eingebürgert, auch im Sommer Tee zu trinken. Viele bevorzugen das Heißgetränk lieber im kühlen Herbst und Winter. Sobald die Temperaturen unter 15 Grad sinken, greifen wir vermehrt zur Teetasse. 

Man sagt „Abwarten und Tee trinken“. Warum wird Tee mit Entschleunigung verbunden? 

Tee lässt schon bei seiner Zubereitung gar keine andere Möglichkeit, als abzuwarten. Anders als Kaffee – Espresso braucht nur etwa 30, 40 Sekunden, bis er fertig ist – benötigen viele Tees fünf oder auch mal zehn Minuten Ziehzeit. Die lässt sich selbst mit Technik nicht beschleunigen. Wenn man diese Zeit nicht einhalten kann, schmeckt der Tee nicht. Er braucht einfach seine Zeit – und die muss ich mir bewusst nehmen. Natürlich trinken viele im Büro auch nebenbei ihre Kanne Tee; er kann ein wunderbarer Alltagsbegleiter sein. Das Teetrinken kann aber auch über mehrere Stunden zelebriert werden – beides geht mit dem gleichen Getränk. 

Hat das Teetrinken also auch eine spirituelle Komponente? 

In der Tat. So war Tee in Japan aufgrund des enthaltenen Koffeins ursprünglich vor allem das Getränk von buddhistischen Mönchen. Sie tranken ihn bei einer Teezeremonie, um bei ihrer langen Meditation nicht einzuschlafen. Und irgendwann hat sich das Teetrinken auch in der Bevölkerung durchgesetzt. 

Der Teeverband, dem Sie angeschlossen sind, hat gerade den „Tee-Report 2020“ veröffentlicht. Welche Trends gibt es für diesen Herbst und Winter? 

Tee ist grundsätzlich etwas langlebiger als die Softgetränkeindustrie, wir bringen nicht jedes Jahr 20 neue Sorten heraus. Das liegt auch daran, dass Teetrinker entspannter sind und nicht jedem Trend hinterherjagen. Allerdings beobachten wir, dass Kurkuma in den vergangenen zwei Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Die Nachfrage hat uns selbst überrascht, aber sie hängt wohl mit dem gesundheitlichen Nutzen zusammen, der Kurkuma zugeschrieben wird. Kräuter-, Gewürz- und Wellnesstees liegen im Trend, gerne in Bioqualität. 

Tee kann man sehr gut vergleichen mit Wein, auch er ist mit jeder Ernte wieder anders.

Hat sich der Teekonsum in den letzten Jahren verändert? 

Auf jeden Fall! Zum einen ist der Qualitätsanspruch der Teetrinker deutlich gestiegen. Das zeigt sich auch daran, auf welche Schadstoffe wir heute den Tee untersuchen, die man vor 20 Jahren noch gar nicht gekannt hat. Der Teetrinker von heute hat einen ganz anderen Anspruch. Er möchte wissen, wo sein Tee herkommt, ob er biologisch und nachhaltig angebaut wird oder aus dem fairen Handel stammt. Solche Qualität kann ich natürlich nicht erwarten, wenn ich 20 Teebeutel für 80 Cent kaufe ... 

Der Tee scheint eine Welt für sich zu sein: Was sind die ungewöhnlichsten Sorten? 

In Asien, aber auch Lateinamerika werden „Tees“ aus Kräutern oder Früchten getrunken, die hierzulande gar nicht als Lebensmittel bekannt oder zugelassen sind. In der 5.000-jährigen Kulturgeschichte des Tees begegnen einem immer wieder kuriose Sachen. So gibt es einen Tee, der über Jahrzehnte – ähnlich wie ein Wein – nachfermentiert wird; je älter er wird, desto teurer und unbezahlbarer wird er auch. Es gibt Tees, die gezielt mit Mikroorganismen oder mit Milchsäure behandelt werden. Aber letzten Endes kommt es nur auf eines an: dass der Tee schmeckt. Dieses Kriterium kann schon ein einfacher Früchtetee oder ein komplexer chinesischer Grüntee erfüllen. 

Teetrinker sind entspannter und jagen nicht jedem Trend hinterher.

Hat Corona die Teebranche verändert? 

Man muss unterscheiden zwischen dem, was hier und was in den Anbauregionen passiert. In den asiatischen Teeregionen war während der vergangenen Monate Erntezeit. Teilweise konnte wegen des Lockdowns nicht gepflückt werden, oder wegen des gebotenen Mindestabstands wurden Arbeitsplätze reduziert. In China und Japan gab es kaum Probleme, Indien und Nepal sind dagegen stark durch Corona beeinträchtigt. Teehändler müssen nun sehen, wo sie ihren Tee herbekommen und ob es ihn noch in den nötigen Mengen gibt. Darüber hinaus haben sich Transportwege verteuert, weil nur noch eingeschränkter Lieferverkehr möglich ist. In einigen Bereichen müssen wir also mit Preisanstiegen rechnen. Hierzulande hat der Teehandel durch Corona eher profitiert. Denn die Leute haben sich im Homeoffice gerne auch mal eine Kanne gemacht, vor allem Schwarz- und Grüntee. 


ILLUSTRATION - Zum Themendienst-Bericht von Evelyn Steinbach vom 14. September 2020: Vor allem Filterkaffee schmeckt den Deutschen. Sobald das Wasser durch den Filter geflossen ist, sollte der Kaffee getrunken werden - sonst entstehen Bitterstoffe. Foto: Christin Klose/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Kaffeemaschinen für jeden Bedarf
Kapsel, Filter, Vollautomat: Auf der Suche nach der passenden Kaffeemaschine gibt es unzählige Möglichkeiten. Welches Gerät ist für wen das passende? Hier ein Überblick.

Sie sind Teeverkoster, was fasziniert Sie am Tee? 

Auch nach 15 Jahren wird es mir nicht langweilig. Das Schöne am Tee ist, dass er sich eigentlich jedes Jahr verändert. Tee kann man sehr gut vergleichen mit Wein, auch er ist mit jeder Ernte wieder anders. 

Haben Sie einen Lieblingstee? 

Mir fällt es schwer, mich auf eine einzige Sorte festzulegen. Ich versuche, immer das zuzubereiten, was gerade Saison hat. Im Frühjahr sind das leichte Tees, ob ein Grüntee oder ein Darjeeling First Flush. Und in den Herbst hinein wird der Tee dann wieder etwas kräftiger, ein Second Flush oder auch mal ein Kräutertee. Wenn ich mich auf einen Tee festlegen müsste – meine Wahl für die einsame Insel wäre vermutlich ein japanischer Grüntee. Er ist sehr vielseitig, und ich mag Grüntee. 

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Superfood: Hanf in Speisen
Hanf steht bei Lebensmitteln zunehmend auf der Zutatenliste. Verbraucher sollten beim Kauf aber sorgsam sein, raten Experten.
ARCHIV - Zum Themendienst-Bericht vom 16. September 2020: Hanfsamen enthalten gesunde Fette und Vitamine. Beim Kauf hanfhaltiger Lebensmittel sollten Verbraucher aber auf eine Herkunft aus Europa achten, sagen Experten des Tüv. Foto: Matthias Bein/dpa-Zentralbild/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Grillkunst auf Japanisch
Hähnchenspieße, gegrilltes Wagyu-Rind oder kleine Fleischstücke mariniert mit Birnen. Die japanische Art zu grillen verbindet Bewährtes mit neuen Aromen.
Das kleine Bier-ABC
Von A wie Auswahl bis Z wie Zapfen - zum internationalen Tag des Bieres: alles rund um den auch in Luxemburg so beliebten Gerstensaft.
Der perfekte Tee : Heißer Genuss für kalte Tage
Eine heiße Tasse Tee, die schön wärmt - was könnte in der kalten Jahreszeit verlockender sein? Viel falsch machen kann bei der Zubereitung zwar nicht. Mit ein paar Kniffen lässt sich der Genuss aber noch ein bisschen steigern.
Zum Themendienst-Bericht von Julia Kirchner vom 18. Oktober 2017: Guten Tee, gutes Wasser, eine gute Kanne: Mehr braucht es nicht für die perfekte Teezeremonie. 
(Archivbild vom 11.10.2017/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Kaffee und Tee in einem: Der spritzige Koffein-Kick Cascara
Nicht Kaffee und auch nicht Tee: Cascara heißt das neue Mode-Getränk, das aus Kaffeekirschen-Schalen aufgegossen wird. Was die Einheimischen in den Kaffee-Anbauländern schon seit Jahrhunderten trinken, erobert nun immer mehr Bars und Coffeeshops.
Online-Anbieter wie Green Cup Coffee aus Passau haben die getrockneten Kaffeeschalen im Programm.