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Haute-Couture: Neues aus Paris
Lifestyle 114 3 Min. 25.01.2019 Aus unserem online-Archiv

Haute-Couture: Neues aus Paris

Lifestyle 114 3 Min. 25.01.2019 Aus unserem online-Archiv

Haute-Couture: Neues aus Paris

Nathalie RODEN
Nathalie RODEN
In den vergangenen Tagen präsentierten die großen Designhäuser ihre aufwendigen Haute-Couture-Kreationen für das kommende Frühjahr. Neben den französischen Traditionslabels durften auch einige andere beweisen, welch großes Potenzial in ihnen steckt.

Viktorianischer Punk bei Chanel

Das Modehaus Chanel, das für seine spektakulären Inszenierungen bekannt ist, ließ seine Models in dieser Woche vor der Kulisse einer mediterranen Villa mit Pool defilieren. Bei den Cocktailkleidern und Abendroben trafen Schnitte des viktorianischen Zeitalters auf Stilelemente der 1980er-Jahre; eine Kombination, die an Fürstin Gloria von Thurn und Taxis in jungen Jahren erinnert. Den berühmten Chanel-Tweed kombinierte Modezar Karl Lagerfeld, der laut offiziellen Angaben zu müde war, um den Applaus persönlich entgegenzunehmen, mit Blütenapplikationen in zartem Pastell und luftigen Federn.

Manege frei für Dior

Sowohl die Kreationen selbst als auch das Setting, in dem Maria Grazia Chiuri ihre Haute-Couture-Kollektion für das Modehaus Dior präsentierte, ließen keinen Zweifel an der Inspirationsquelle der Chefdesignerin. In einem Zirkuszelt bahnten sich die Models ihren Weg an einer Gruppe von Akrobatinnen vorbei. Muster, Schnitte und Details wie ausladende Halskrausen, bunte Paspeln, Pailletten und Schulterklappen erinnerten unweigerlich an Harlekins, Dompteure und Trapezkünstler. Stilecht abgerundet wurden die Looks von eng anliegenden Glitzerkappen, die unterm Kinn geschnürt werden.

Starke Kontraste bei Givenchy

Givenchy lud die Zuschauer ins City of Paris Museum of Modern Art. Vor reinweißem Hintergrund kamen die abwechslungsreichen Designs in auffallend kräftigen, klaren Farben wie Gelb, Rot und Violett als Kontrast zu strengem Schwarz besonders gut zur Geltung. Kreativchefin Clare Waight Keller, die 2018 für das Hochzeitskleid von Herzogin Meghan verantwortlich war, scheute nicht vor der Gegenüberstellung von gegensätzlichen Materialien wie Latex – dem aktuellen Lieblingsmaterial der Designerin – und Spitze zurück. Gleichzeitig erfand sie die Schleife in Form überdimensionaler Rucksäcke quasi neu.

Sprücheklopfen à la Viktor & Rolf

Statement-Shirts dürften selbst Menschen, die sich nicht für Mode begeistern, ein Begriff sein, nachdem sie einem im vergangenen Jahr regelrecht in den Shops hinterhergeworfen wurden. Nun haben Viktor & Rolf den Trend zum Spruch auf der Brust in die Welt der hohen Schneiderkunst übertragen. Mit Sätzen wie „I'm not shy I just don't like you“ („Ich bin nicht schüchtern, ich mag dich bloß nicht“) machen die Trägerinnen der rüschenlastigen Haute-Couture-Roben klare Ansagen an ihr Gegenüber. Daneben wirkten die US-Biker-Shirt-Motive, die ebenfalls in der Kollektion Platz fanden, fast schon brav.

Meeresgöttinnen bei Elie Saab


Der Name Elie Saab ist wie kein anderer mit eleganten Luxusroben verknüpft. Auch in dieser Woche blieb der libanesische Designer der klassischen A-Linie in fließenden Stoffen treu und streute hier und da einige elegante Anzüge dazwischen. Er präsentierte eine Kollektion, deren Drapierungen und Rüschen von sanft wogenden Wellen und Korallenriffen inspiriert wurden, während die Pailletten das Glitzern der Meeresoberfläche widerspiegelten. Überraschendes, aber thematisch nicht unpassendes Accessoire: Der Modeschöpfer schickte die Models mit XXL-Sonnenbrillen auf den Laufsteg.

Wallekleider von Giambattista Valli


Im Fokus der Haute-Couture-Show von Giambattista Valli standen – wenig überraschend – überbordende Taftkreationen, die ob ihres luftigen Volumens Ähnlichkeit mit Wolken aufwiesen. Ebenso war eine Vielzahl an ultrakurzen Cocktailkleidern zu sehen. Sikke-Hüte – eine Reverenz an Vallis Vorbild Yves Saint Laurent, der zwischen Paris und Marrakesch zu pendeln pflegte – und Mosaikperlen verliehen manch gezähmteren Rüschenlook einen orientalischen Touch, während handgemalte Darstellungen flämischer Kunst aus dem 15. Jahrhundert auf ästhetische Weise für Stilbrüche sorgten.

Iris van Herpen ganz zahm

Bislang fiel Iris van Herpen mit futuristischen 3D-Druck-Kreationen auf, die zwar stets aufsehenerregend, aber gleichzeitig relativ untragbar waren. Dieses Mal hat sich die niederländische Designerin ein wenig zurückgenommen und der 3D-Technik den Rücken gekehrt. Die meisten Looks aus der aktuellen Kollektion schienen dann auch trotz spannender Konstruktionen mit zahlreichen Schichten und Plissees deutlich natürlicher, auch wenn die Idee dahinter – der wissenschaftliche Fortschritt und die dadurch mögliche Schöpfung von Mensch-Tier-Hybriden – nach wie vor ziemlich ausgefallen klingt.


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