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Hausmittel: Unbekannte Wohltäter
Lifestyle 5 Min. 10.01.2020

Hausmittel: Unbekannte Wohltäter

Honig und heiße Milch gegen Halsschmerzen: Altbewährte Hausmittel sind immer noch beliebt. Jeder Zweite greift regelmäßig darauf zurück.

Hausmittel: Unbekannte Wohltäter

Honig und heiße Milch gegen Halsschmerzen: Altbewährte Hausmittel sind immer noch beliebt. Jeder Zweite greift regelmäßig darauf zurück.
Foto: dpa
Lifestyle 5 Min. 10.01.2020

Hausmittel: Unbekannte Wohltäter

Honig, Zwiebeln und Co. sorgen bei Erkältung und anderen Wehwehchen oft für Abhilfe, erforscht sind sie jedoch meist nicht.

(dpa) - Wenn der Hals kratzt, hilft eine heiße Milch mit Honig – das wusste bereits die Oma. Bei einer Erkältung tut eine Tasse heiße Zitrone gut, bei Ohrenschmerzen können Säckchen mit gehackten Zwiebeln Abhilfe schaffen.

Das Wissen über Hausmittel wird von Generation zu Generation weitergegeben. Und sie werden auch im Jahr 2020 noch häufig angewandt. Doch helfen Honig, Zwiebel und Zitrone wirklich? Ganz sicher ist das nicht. Denn: Hausmittel und ihre Wirksamkeit sind weitgehend unerforscht. „Hausmittel wurden eigentlich nie richtig untersucht“, sagt Stefanie Joos, Allgemeinmedizinerin und Leiterin des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Tübingen. Das sei sehr schade, denn „es sind ja Mittel, die teilweise wirklich sehr lange Tradition haben.“

Es gebe nur wenige gut gemachte Studien, in denen die Wirksamkeit von Hausmitteln geprüft wurde. „Wenn Pharmafirmen Forschung finanzieren, dann sind die nicht an Hausmitteln interessiert. Dafür bräuchte es dann eine öffentliche Forschungsförderung“, erklärt Stefanie Joos. Dazu seien Hausmittel aber nicht innovativ genug. Und: Hausmittel werden oft bei einfacheren, selbstlimitierenden Erkrankungen angewendet. Da sagt der Fördergeber – „na ja, so eine Erkältung ist ja jetzt nicht so wichtig.“ Jörg Meerpohl, Leiter des Instituts für Evidenz in der Medizin am Uniklinikum Freiburg, bestätigt das. Die Industrie habe selten Interesse daran, in Hausmittelforschung zu investieren. Die Mittel müssten aus öffentlicher Hand kommen.

Dass nicht zu Hausmitteln geforscht wird, findet der Kinderarzt Meerpohl schade. „Aus akademisch-wissenschaftlicher Sicht würde ich mir wünschen, dass man Menschen klar sagen kann, ob ein Hausmittel zum Beispiel bei Erkältung wirkt oder nicht.“ Aus medizinischer Sicht, denkt er, ist es vielleicht weniger wichtig. Viele Leute wendeten Hausmittel an und fühlten sich damit subjektiv besser. „Ob das Hausmittel dann viel geholfen hat, nur ein bisschen oder lediglich ein Placebo-Effekt vorliegt, ist vielleicht nicht entscheidend zu wissen.“

Zu Unrecht belächelt

Stefanie Joos bedauert die fehlende Forschung. „Hausmittel werden immer ein bisschen belächelt – undankbarerweise, denn das Zwiebelsäckchen kann in Einzelfällen besser wirken als die Schmerztablette. Um hier verlässliche Empfehlungen zu geben, brauchen wir eigentlich Studien.“


28.8. Wi / ITv Mme Haufroid , Pharmacie de Steinfort / Online Apotheke Foto:Guy Jallay
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Hausmittel einzusetzen sei aus verschiedenen Gründen sinnvoll, sagt die Medizinerin. Neben der tatsächlichen Wirkung sei es gut, dass der Patient selber etwas macht: „Diese Überzeugung, ich kann auch selbst etwas für mich tun, ich muss nicht immer gleich zum Arzt gehen.“ Wenn man Hausmittel zu- und vorbereite, zum Beispiel Zwiebelsäckchen gegen Ohrenschmerzen bei Kindern, komme der Aspekt hinzu, dass man jemandem Zuwendung und Zeit schenke. Das sei ein wichtiger Punkt bei einem Hausmittel. Auch Berührungen etwa bei Wadenwickeln zum Fiebersenken lösten „mit Sicherheit“ etwas aus.

Von ihr selbst durchgeführte Studien hätten ergeben, dass vor allem ältere Menschen und auch eher Frauen Hausmittel anwenden. Das liege auch daran, dass das Wissen in den älteren Generationen noch stärker vorhanden sei als in den jüngeren. Hier gehe den Umfragen zufolge das Wissen eher verloren. Die beliebtesten Hausmittel sind der Erhebung zufolge Hühnersuppe, heiße Milch mit Honig, das Inhalieren von etwa Salzwasser oder heiße Zitrone.

Ingwer statt Honig

Dass noch einmal „neue“ Hausmittel entdeckt werden, hält die Ärztin für unwahrscheinlich. „Ich glaube eher, dass durch Globalisierung und Migration Hausmittel aus anderen Kulturen dazukommen.“ In anderen Ländern gebe es andere Hausmittel. So spiele die Kartoffel in den Hausapotheken Russlands eine große Rolle. Ingwer sei ebenfalls ein Beispiel. Vor 15 Jahren hätte niemand Ingwertee für die Gesundheit getrunken – heute sehe das anders aus.

Auch wenn es nicht viele Studien zu Hausmitteln gibt – einige helfen erwiesenermaßen. „Nasenspülungen sind relativ gut untersucht, die helfen definitiv“, sagt Stefanie Joos. Ebenso Wadenwickel zum Fiebersenken und Honig als Hustenstiller. „Man muss ganz klar sagen: Hausmittel sind eine symptomorientierte Behandlung. Sie lindern etwa Schmerz oder Husten, tragen aber wahrscheinlich nicht dazu bei, eine Krankheit zu verkürzen.“


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