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Hauskauf: Virtueller Gang durchs Eigenheim
Lifestyle 2 Min. 20.12.2016

Hauskauf: Virtueller Gang durchs Eigenheim

Gaël Constancin vor dem Bildschirm, an dem man mitverfolgen kann, was er im Helm sieht.

Hauskauf: Virtueller Gang durchs Eigenheim

Gaël Constancin vor dem Bildschirm, an dem man mitverfolgen kann, was er im Helm sieht.
Foto: Inna GANSCHOW
Lifestyle 2 Min. 20.12.2016

Hauskauf: Virtueller Gang durchs Eigenheim

Eine neue 3D-Technologie macht Häuser bereits „begehbar“, bevor sie gebaut werden

von Inna Ganschow

Der Helm mit innerem Monitor wird aufgesetzt, in eine Hand kommt der Joystick für die Navigation durch den simulierten Wohnraum und in die andere die Fernbedienung zum Ändern von Wandfarben, Bodenbelag, Kacheln und sogar Möbeln und Lampen. Fertig. Es kann losgehen. Man kann sein Traumappartement in Lebensgröße erleben und nach persönlichen Wünschen modifizieren. Willkommen in der Welt hinter den Monitoren.

Körperlos unterwegs

Das Gefühl ist aus zwei Gründen seltsam und unheimlich. Erstens hat man in diesem Raum keinen eigenen Körper mehr, den man sehen kann. Der Kopf lässt sich in jede Richtung drehen und man hat einen 360-Grad-Rundumblick, aber keine eigenen Hände und Füße. Zweitens kann man nichts anfassen, egal wie naturgetreu es im Helm erscheinen mag. Dafür kann man im virtuellen Raum hinter die Türe schauen, vom Balkon runtergucken und sogar virtuelle Gegenstände wie Tischlampe oder Sessel runter auf den Rasen „schmeißen“. 

Eine Erfahrung, wie man sie sich im Jenseits vorstellt: Man ist zwar körperlos, aber beseelt, und man hört die Stimme des „Schutzengels“ Gaël, des Programmentwicklers, der im wirklichen Präsentationsraum neben einem steht und erklärt, wie es im körperlosen Jenseits funktioniert: „Wenn sie zum Ende des Flurs gelangen wollen, brauchen Sie keine Schritte zu machen. Sie können sich einfach dahin teleportieren lassen...“

Nicht auf Papier übertragbar

Gaël Constancin von Cognityk 360° aus Metz, der Schutzengel der Helmträger, baute in Frankreich acht Jahre lang schöne Holzhäuser. Der studierte Ingenieur machte sie ökologisch und gemütlich. Jedoch gab es immer wieder unzufriedene Kunden: Die einen dachten, dass das fertige Haus geräumiger sein würde, die anderen stellten sich anhand der Zeichnung eine andere Wirkung von Farben vor. 

Das, was Constancin vor seinem „dritten Augen“ visualisieren konnte, ließ sich nicht einfach auf einem Blatt Papier und auch nicht mit der perspektivischen computerangefertigten Zeichnung veranschaulichen. Das menschliche Vorstellungsvermögen, multipliziert um die eigenen Erwartungen, malte den Kunden oft etwas anderes aus, als das fertige Haus schließlich darstellte. 

Constancin wechselte die Beschäftigung und begann, Programme für die 3D-Simulationen von Hotelzimmern, Kaufhäusern und Supermärkten zu schreiben. Bis er im Sommer 2016 bei einer Präsentation auf dem Seed4Start-Forum, wo Erfinder Investoren treffen, Jean Daniel Hamet kennenlernte. In seiner Funktion als Präsident von LBH Immobilier S.A., erkannte dieser das Potenzial des Virtual-Reality-Helms sofort: Er hatte in seinem erfolgreichen Berufsleben im Immobilienbereich auch zahlreiche unzufriedene Kundinnen und Kunden erlebt, deren Erwartungen anhand der Pappmodelle nicht mit den fertigen Ergebnissen übereinstimmten. Nach einem kräftigen Handschlag waren innerhalb von wenigen Monaten virtuelle Räume für den Helm angefertigt.

Das würde man doch gerne mal ausprobieren

Seit einem Monat wird dieser Service kostenlos den Kunden der Agenturen, die mit LBH Immobilier S.A. zusammenarbeiten, angeboten. Er soll den zukünftigen Käuferinnen und Käufern bei der Entscheidung helfen, ob sie in dieses oder jenes Appartement investieren wollen und wie sich die neue Wohnung von innen anfühlen wird, sowohl was die Größe, als auch die Wirkung der Innengestaltung angeht. IG


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(Archivbild vom 17.08.2016/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher im Zusammenhang mit dem genannten Text.)
Foto: Henning Kaiser