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"Grün" reisen: Öko-Tourismus in Miami
Lifestyle 7 Min. 25.01.2018

"Grün" reisen: Öko-Tourismus in Miami

Miami ist eine Großstadt mit Strand, der Miami Beach ist weltberühmt - dort sind Plastikbecher aus Umweltschutzgründen verboten.

"Grün" reisen: Öko-Tourismus in Miami

Miami ist eine Großstadt mit Strand, der Miami Beach ist weltberühmt - dort sind Plastikbecher aus Umweltschutzgründen verboten.
Foto: dpa-tmn
Lifestyle 7 Min. 25.01.2018

"Grün" reisen: Öko-Tourismus in Miami

Manon KRAMP
Manon KRAMP
Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit sind nicht gerade die Aushängeschilder der USA. Doch gerade die schillernde Metropole Miami will grüner werden.

VON VERENA WOLFF

Auf dem Ocean Drive in Miami Beach ist die Hölle los, vor allem rund um die 10. Straße. Dort steht der bekannte Uhrenturm mit dem Thermometer, das immer warme Temperaturen anzeigt und darum ein beliebtes Fotomotiv ist. Unaufhörlich röhren die Motoren der Autos, die sich hier langsam über die Straße schieben. Sehen und gesehen werden, das ist das Motto. Wer viele PS unter der Motorhaube hat, drückt besonders gerne aufs Gas. Klar, besonders umweltfreundlich ist das nicht.

Ventilatoren versprühen derweil Wasserdampf über den Bürgersteigen. Es ist heiß in Miami Beach. Im Sommer sowieso, denn da ist das Wetter schwül. Aber auch im Winter ist es angenehm mild. Klimaanlagen laufen, Lichtreklamen erleuchten South Beach, DJs und Bands sorgen für Musik, in den Kneipen, Clubs und Restaurants tobt das Leben. Den ganzen Tag über, von morgens bis in die Nacht.

Ein ganz normaler amerikanischer Ort also, an dem es ohne Auto nicht geht und wo man sorglos mit der Umwelt umgeht? So scheint es zumindest. Ein Stau folgt auf den nächsten. Kräne prägen das Stadtbild, an vielen Stellen entstehen neue Hochhäuser und Hotels. Außerdem hat Miami den größten Kreuzfahrthafen der Welt mit fünf Millionen Passagieren pro Jahr.

Eine grüne Metropole

Doch Miami ist auch die Stadt, die von zwei Nationalparks eingerahmt wird. Den Everglades mit ihrer einzigartigen Sumpflandschaft im Westen und dem Biscayne National Park, der fast noch im Stadtgebiet liegt. Die feinen Strände locken viele Touristen an. Einige Politiker sowie zahlreiche engagierte Einwohner sind sich der Vergänglichkeit dieser Naturschönheiten und des Ökosystems bewusst. Darum sind in Miami Beach sämtliche Plastikbehälter verboten – bei Strafe.

In den USA höchst ungewöhnlich. Kein Getränk im Plastikbecher, kein Essen „to go“ in Styropor. Am Strand und in den Parks von Miami Beach wird ebenfalls darauf geachtet, dass sich jeder an seine gute Kinderstube erinnert. Wer etwas mitbringt ans Meer, der soll es auch wieder mitnehmen. In regelmäßigen Abständen stehen riesige Mülltonnen hinter den Strandhäuschen. Die Strafe für die, die das erste Mal beim „littern“ erwischt werden – also dabei, ihren Müll liegen zu lassen: 1 500 Dollar (rund 1 270 Euro).

Dass auch dieses hohe Bußgeld nicht alle davon abhält, ihren Müll einfach hinzuschmeißen, zeigen die regelmäßigen Strandsäuberungen, die sowohl private Gruppen als auch öffentliche Einrichtungen und Unternehmen organisieren. So wird der Müll nicht ins Meer geweht. Und was der Ozean anspült, wird ebenfalls aufgesammelt.

Auf Umweltschutz umgestellt

Auch die Belegschaft des Hotels „The Palms“ macht alle drei Monate mit, als Teil ihres eigens aufgelegten grünen Programms. Das beinhaltet noch anderes: die Klimaanlage läuft nicht auf Hochtouren, sondern mit angenehmen Temperaturen. Müll wird, wenn möglich, vermieden oder recycled, Bettwäsche und Handtücher nur auf Wunsch ausgewechselt. Es gibt Bewegungsmelder und Energiesparlampen. Das Schlüsselsystem wurde umgestellt auf Karten ohne Magnetstreifen – denn die lassen sich besser recyclen.

Der Metromover in Miami ist eine ferngesteuerte, elektrische Hochbahn und ist für die Mitfahrer kostenlos.
Der Metromover in Miami ist eine ferngesteuerte, elektrische Hochbahn und ist für die Mitfahrer kostenlos.
Foto: dpa-tmn

Das Küchenteam des hoteleigenen Restaurants „Essenzia“ bewirtschaftet einen eigenen Garten, in dem tropische Früchte und Kräuter wachsen, die aus der Region kommen – und in den Gerichten und Drinks von der Bar landen. Zudem ist das Restaurant ein sogenannter Farm-to-table-Betrieb: Die verwendeten Produkte kommen frisch vom Bauernhof.

Es sind Dinge, die in Europa oft selbstverständlich sind – in den USA aber nicht. Warum keine Solarpanels auf dem Dach? In Miami scheint an mehr als 300 Tagen im Jahr die Sonne. „Wir prüfen das immer wieder“, sagt Tanja Morariu, die Chefin des Green Program. Allerdings: In der Hurrikan-Saison von Juni bis November können Wirbelstürme die Panels vom Dach reißen. Das ist nicht nur ein teurer Verlust, sondern auch gefährlich. „Darum haben wir uns bislang dagegen entschieden.“ Morariu ist mit anderen Hoteliers im Greater Miami and the Beaches Hotel Association's Sustainable Hospitality Council organisiert. In diesem Gremium werden immer wieder neue Ideen für Projekte zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit entwickelt.

Die USA sind zwar das Land der Autofahrer - doch im Miami können Touristen auch Leihfahrräder nutzen.
Die USA sind zwar das Land der Autofahrer - doch im Miami können Touristen auch Leihfahrräder nutzen.
Foto: dpa-tmn

Mit Rad auf Stadttour

Ein wichtiger Faktor ist der Nahverkehr. Miami hat einen Metromover, eine ferngesteuerte, elektrische Bahn auf Stelzen, die durch die Innenstadt fährt. Auf vorgegebenen Linien, regelmäßig hin und her, umsonst für die Nutzer. Außerdem gibt es Busse und Trolleys, die Haltestellen bedienen, an denen die Busse nicht halten. Und Mietfahrräder. Kreditkarte in die solarbetriebene Station, Rad entnehmen, fertig. 6,50 Dollar (rund 5,50 Euro) kostet das pro Stunde, 24 Dollar (rund 20,30 Euro) pro Tag.

Anfangs hat man die Gründer des Gremiums um Colby Reese für verrückt erklärt. Es gab nicht mal Radwege in Miami und Miami Beach. Doch inzwischen sind fast 2 000 Räder im Umlauf. „Wir haben dafür gesorgt, dass Miami zu einer radfahrerfreundlichen Stadt geworden ist“, sagt Reese. Vor einigen Jahren hat eine große Bank das Sponsoring für Räder und Stationen übernommen, seither sind die Räder blau, und ihre Zahl ist deutlich gewachsen.

Mit dem Fahrrad kann man vor allem zwei Problemen entgehen: den horrenden Parkgebühren für Autos und der Schwierigkeit, über die Brücke von Downtown Miami nach Miami Beach zu kommen.

Das supermoderne Brickell City Center im Finanzdistrikt Miamis ist ein echter Ökobau: Die Architektur hat sich an das Klima angepasst.
Das supermoderne Brickell City Center im Finanzdistrikt Miamis ist ein echter Ökobau: Die Architektur hat sich an das Klima angepasst.
Foto: dpa-tmn

Auf erneuerbare Energien setzen

In Miami werden außerdem alte Gebäude nachgerüstet, neue umweltfreundlich gebaut. So hat die riesige American Airlines Arena mitten in Downtown Miami ein mehr als 2 000 Quadratmeter großes Vordach mit integrierten Sonnenkollektoren aufgestellt. Das erst jüngst eröffnete Phillip and Patricia Frost Museum of Science hat schon bei der Architektur auf Nachhaltigkeit gesetzt: Der Wind, der vom Meer her weht, kann jederzeit durch die teils offenen Gebäude wehen. Vor dem Eingang stehen Solarbäume, über deren Panels die Sonnenenergie aufgefangen wird.

Natürlich brauchen das Museum, das Wissenschaftszentrum, Aquarium und Zoo zugleich ist, viel Wasser und Energie. Doch einiges wird selbst hergestellt. „Und das Wasser für die Aquarien bekommen wir direkt aus der Bucht vor unserer Nase“, sagt Chefingenieur Trevor Powers. Im Keller gibt es große Filteranlagen dafür.

Nachhaltiges Wohnen

Auch das Brickell City Center (BCC) im Finanzdistrikt Miamis zeigt Architektur, die sich dem Klima angepasst hat. Ein Hotel, zwei Wohntürme sowie eine Mall mit zahlreichen Restaurants sind dort entstanden, wo man früher nur arbeitete. Damit die Architektur der Türme ein unvergleichliches Gesicht bekommt, haben die Planer den Architekten Hugh Dutton damit beauftragt, die Gebäude durch ein Klimaband zu verbinden. Diese Schattierungen, die an eine liegende Jalousie erinnern, sorgen nicht nur dafür, dass keine direkte Sonneneinstrahlung auf die Geschäfte fällt. „Er hat es geschafft, die Brise vom Meer einzufangen und dafür zu sorgen, dass hier immer ein leichter Wind weht“, sagt Regina Lacayo, Sprecherin des Immobilienentwicklers Swire.

Und mit der Entwicklung der Gebäude und Verkaufsflächen ist noch nicht Schluss, sagt Lacayo. „Wir wollen, dass hier ein richtiger Stadtteil entsteht, in dem die Menschen gut und möglichst umweltfreundlich leben können.“ Darum ist hier jeden Samstag Markttag unter den Stelzen der Bahn. Für nachhaltiges Einkaufen, farm-to-table – und das sogar in der Großstadt Miami. dpa

Reiseinformationen

  • Das Ziel: Miami ist die südlichste Millionenstadt der USA. Miami Beach gilt als eigener Ort, der mit mehreren Brücken an Downtown Miami angeschlossen ist. Die beliebte Strand-Stadt ist vor allem bekannt für ihre leuchtend bunten Design-Strandhäuschen und das Art-Déco-Viertel. Miami ist Ausgangspunkt für Reisen auf die Florida Keys und in die Everglades.
  • Klima und Reisezeit: In Miami ist es das gesamte Jahr über warm. In den Wintermonaten ist es nicht so schwül wie im Sommer. Die Hurrikan-Saison dauert gewöhnlich von Ende Juni bis November.
  • Anreise: Lufthansa fliegt von Deutschland aus direkt nach Miami, ebenso Air France ab Paris. Mit United und Delta kommt man per Zwischenstopp in die Stadt an der Südspitze Floridas.
  • Übernachtung: Miami und vor allem Miami Beach sind hip und teuer. Von der Jugendherberge bis zum Luxushotel gibt es alles. In der Innenstadt sind die Hotels günstiger als am Strand. In Miami Beach bieten viele Hotels auch Liegen sowie Service am Strand an. Das kostet zwischen 20 und 30 Dollar (17 bis 25 Euro) pro Nacht und Zimmer, unabhängig davon, ob genutzt oder nicht. Parkgebühren im Hotel von 40 bis 50 Dollar (34 bis 42 Euro) sind keine Seltenheit.

Infos: miamiandbeaches.de


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