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Grün, grüner, Madeira
Lifestyle 5 Min. 19.12.2019

Grün, grüner, Madeira

Porto Moniz – Das Städtchen an der Küste ist für seine natürlichen Schwimmbecken bekannt.

Grün, grüner, Madeira

Porto Moniz – Das Städtchen an der Küste ist für seine natürlichen Schwimmbecken bekannt.
Foto: Jonathan Ponstingl
Lifestyle 5 Min. 19.12.2019

Grün, grüner, Madeira

Das portugiesische Eiland trägt den Spitznamen „Blumeninsel“ – und kann jetzt auch mit dem Elektroauto erkundet werden.

von Jonathan Ponstingl

Als grün galt auf Madeira bisher lediglich die Landschaft. Nun kommt das Auto hinzu. Elektronische Fahrzeuge erobern das zu Portugal gehörende Eiland. Rings um die Insel, entlang den Hauptverkehrsadern und den zentralen touristischen Orten wie der Hauptstadt Funchal, wurden Ladesäulen installiert. Während die gängigen Kleinwagen im ersten Gang und mit krachendem Getriebe die steilen Gässchen hinaufschnaufen, schnurrt der BMW i3 an ihnen vorbei. Gerade im bergigen Terrain ist ein E-Auto Gold wert. Und Madeira hat kaum eine ebene Straße zu bieten.

Um die Insel führt eine hügelige Schnellstraße. Sie verbindet den Flughafen mit Funchal. Ein gut ausgebautes modernes Tunnelsystem bringt Autos auch in das Zentrum Madeiras. Ein steiniger Parkplatz oberhalb der Ortschaft Rabaçal ist Ausgangspunkt der Wanderung bergab zur Levada das 25 Fontes. Madeira ist eine kleine Insel, und doch kann es auf den Straßen Funchals und den Verkehrsachsen laut zugehen.

Wasser aus 25 Quellen

Im Wald ist davon nichts zu hören. Die Moose und Flechtengewächse schlucken jedes Geräusch, Tritte hallen kaum wider. Entlang des Pfades führen die Levadas, künstlich angelegte Bewässerungskanäle, die früher Wasser aus den niederschlagsreichen Gebieten Madeiras in alle Winkel der Insel geleitet haben. Aufgrund ihres geringen Gefälles legen sie beachtliche Entfernungen zurück. Heute werden sie nur noch touristisch genutzt. Große Felsplatten und festgetretene Erde sind hier der Untergrund entlang der schmalen Levadas. Nach eineinhalb Stunden Fußmarsch endet die Wanderung an einem in den Stein geformten Halbrund. Die Felswand erstreckt sich gut 20 Meter nach oben, bewachsen mit Farnen und kleinen Sträuchern. Überall plätschert Wasser. 25 Quellen – hierher stammt der Name.

Wanderungen führen auf Madeira nicht nur über Stock und Stein, sondern auch dadurch.
Wanderungen führen auf Madeira nicht nur über Stock und Stein, sondern auch dadurch.
Foto: Jonathan Ponstingl

Es sind Wege wie dieser, denen Madeira den Spitznamen Blumeninsel zu verdanken hat. Ein Winterzufluchtsort par excellence. Die portugiesische Atlantikinsel gilt Wanderern und entspannungssüchtigen Touristen seit jeher als Domizil für die kalten Monate. Das gesamte Jahr über erfreut sie sich bunter Blumenpracht, tragen die Lorbeerbäume ihr grünes Kleid. Das Klima ist auch in den europäischen Frostmonaten angenehm mild. Und selbst, wenn es in Funchal regnet, herrscht nicht selten nur wenige Kilometer weiter nördlich strahlender Sonnenschein – die bergige Inseltopografie macht's möglich.

Von Rabaçal ist es eine kurze Fahrt bis nach Porto Moniz. Der kleine Ort im Nordwesten ist bekannt für seine natürlichen Schwimmbecken, geformt aus Vulkangestein. Das Meerwasser schwappt in die bizarren Gesteinsformationen und kreiert natürliche Infinity Pools, die den beschwimmbaren Fotomodels der einschlägigen Luxushotels in nichts nachstehen.

Madeira ist grün – kann aber auch anderes. Im äußersten Südosten erhebt sich die Halbinsel Ponta de São Lourenço in einem lang gestrecktem Bogen aus dem Meer. Grün ist hier kaum etwas, dafür rot, braun, schwarz und grau. Die Geröllflächen beiderseits des Weges zeugen von wenig Vegetation, es ist trocken. Hoch aufragende Felstürme offenbaren das Innere der Insel und die Vergangenheit vulkanischer Aktivität. Zwischen den gefärbten Schichten, die wie die Altersringe von Bäumen wirken, durchbrechen schwarze Adern sporadisch das Gestein. Es ist erstarrte Lava. Je weiter der Weg die Halbinsel entlang führt, desto lauter wird die Brandung, die die Felsen unnachgiebig bearbeitet. Gischt spritzt empor.

Das zerklüftete Gestein bricht immer wieder ab und sorgt für scharfe, steil abfallende Felskanten. In der blau schimmernden Bucht umkurvt ein kleines Boot eine Fischzuchtanlage. Die Wanderung endet am Casa do Sardinha, einem kleinen Café zwischen künstlich angepflanzten Palmen. Von hier aus lässt sich das beeindruckende Schauspiel der landenden Flugzeuge beobachten. Die Landebahn auf Madeira gilt als eine der anspruchsvollsten der Erde und die Piloten gehen direkt über Ponta de São Lourenço in eine enge Kurve. Dahinter ist der Gipfel des Pico Ruivo auszumachen.

Gemeinsam mit dem Pico do Arieiro und dem Pico das Torres bildet er den Kern des Gebirgsmassivs mitten auf der Insel. Die ebenso spektakuläre wie beliebte Wanderung entlang des Weges PR1 beginnt am Parkplatz unterhalb des Pico do Arieiro. Auch wenn das Auto weiter schnurrt, ist dem Ladestand der Batterie die steile Anfahrt voller Serpentinen deutlich anzumerken. Es ist noch früh am Morgen, die Sonne geht irgendwo hinter Funchal auf und der Morgendunst beginnt gerade, sich zu verziehen.

E-Auto am Parkplatz zur Ponta de São Lourenço.
E-Auto am Parkplatz zur Ponta de São Lourenço.
Foto: Jonathan Ponstingl.

Hier oben ist die Landschaft ähnlich graubraun wie auf der Halbinsel Ponta de São Lourenço, allerdings durchzogen von allerlei Vegetation. Der dreistündige Weg zum Pico Ruivo führt über einen schmalen Grat, auf in den Stein gehauenen Treppenstufen und Metallleitern. Er ist erstaunlich gut ausgebaut. Unumgehbare Felsen durchquert er mit Tunneln. Vor dem finalen Anstieg zeugen weiße abgestorbene Bäume vermutlich von einem Jahre zurückliegenden Waldbrand. Sie tauchen das Blickfeld gemeinsam mit den nun an den hinteren Gipfel vereinzelt aufziehenden Wolken in eine mythische Szenerie, die an einen Zauberwald aus einer Märchenverfilmung erinnert. Ein Kontrast zu den schroffen Berglandschaften dahinter.

Kreationen aus Esskastanien

Vom Gipfel des Pico Ruivo schweift der Blick ins Curral das Freiras, das sogenannte Nonnental. Der Talkessel, bis vor einigen Jahren nur über komplizierte Bergstraßen erreichbar, ist berühmt für seine Esskastanien. Während es in Funchal an der Strandpromenade aus den fahrbaren Wagen nach gerösteten Esskastanien riecht, haben sich die Küchenchefs im Nonnental allerlei Gerichte aus den braunen Maronen einfallen lassen, etwa Kastaniensuppe oder gegrillte Maronen mit Honig.


SRT-Bild Archivnummer: 1221101030, INNSBRUCK+UMG, SRT-Archivbild, Beschreibung: Die Nordkette, mit Skifahrer Foto Innsbruck Tourismus/Klaus Polzer
Honorarpflichtiges Motiv, www.srt-bild.de, Tel. 08171/4186-6, Fax 4186-85, Konto Postbank München IBAN DE73700100800384573808, BIC PBNKDEFF. Orig.-Name: INNSBRUCK_NORDKETTE_2.JPG, Motiv max. verfügbar in 2500 x 1668 px.
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Das gesamte Tal ist durchzogen vom grünbraunen Blattwerk der Esskastanienbäume. Auf der Fahrt hinab lädt sich die Batterie wieder auf und nimmt Anlauf für die erneute Auffahrt. Auf Madeira ist es nie weit bis zum nächsten Ziel. Die Topologie ist wie geschaffen für kleine Elektroautos.

Madeira ist ein paradiesisches Kleinod zwischen Europa und Afrika. Trotz täglich anlegender Kreuzfahrtschiffe konnte es sich seine grünen Klischees bislang bewahren. Durch den Ausbau der Elektromobilität wird die Insel sogar noch ein Stück ruhiger.


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