Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Großer Hype um ein kleines Stück Silikon
Lifestyle 2 3 Min. 03.11.2021
Pop its

Großer Hype um ein kleines Stück Silikon

Die Idee zu den Pop its stammt aus den 1970er-Jahren. Die serielle Produktion begann 2009, ein Jahrzehnt später erfolgte dann der Vertrieb durch die US-Kette Target, durch die der Trend schließlich auch zur Videoplattform TikTok gelangte – und damit einen Hype auslöste.
Pop its

Großer Hype um ein kleines Stück Silikon

Die Idee zu den Pop its stammt aus den 1970er-Jahren. Die serielle Produktion begann 2009, ein Jahrzehnt später erfolgte dann der Vertrieb durch die US-Kette Target, durch die der Trend schließlich auch zur Videoplattform TikTok gelangte – und damit einen Hype auslöste.
Foto: Guido Kirchner/dpa
Lifestyle 2 3 Min. 03.11.2021
Pop its

Großer Hype um ein kleines Stück Silikon

Das Trendspielzeug Pop it wird mittlerweile auch von Lehrkräften im Unterricht eingesetzt. Doch dies stößt auf Skepsis – auch in Luxemburg.

(dpa/LW) - Sie kommen als Dinos, Herzen, Ananas oder als Auto daher, mal knallbunt, mal einfarbig. Die Silikonformen mit kleinen Noppen lassen sich mit den Fingern umstülpen und machen dabei ein Plopp-Geräusch. Pop its – auch Plopper genannt – sind seit Monaten angesagte Spielzeuge, tauchen auf TikTok oder Instagram auf, werden auf Schulhöfen getauscht und haben besonders unter jungen Schülern einen Hype ausgelöst. Rund um das Trendspielzeug wird inzwischen auch heiß diskutiert, ob sie im Schulalltag förderlich sein können und als Motivationskick oder belohnender Faktor Sinn machen.

Eine Pädagogin, die die Plopper im Unterricht nutzt, ist die Bielefelder Grundschullehrerin Viktoria Gerber. Im Fach Deutsch setzt sie die Pop its in ihrer dritten Klasse ein, unterstützend und in dosiertem Umfang. Sie hat eigens Lesekarten angefertigt. Über eine Plattform – den Marktplatz Eduki, auf dem Lehrkräfte „selbst erstellte und erprobte Unterrichtsmaterialien“ teilen – werden Pop its auch fürs Rechnen und jüngere Klassen angeboten.

„Mit einem spielerischen Ansatz lässt sich Leselust wecken“, schildert Viktoria Gerber. Lese- und Textverständnis seien zentral für die Entwicklung, Geschichten brauche es für die kindliche Fantasie. „Wenn Schüler auf diese Art mit den Pop its an kurze Texte herangeführt werden, trauen sie sich später auch längere Texte und richtige Bücher zu“, beschreibt sie das Ziel. Vor allem Schülern mit Leseschwächen gilt ihr Augenmerk. „Die Frage war, wie kann man ein Instrument, das unter den Kindern so hip ist, im Deutschunterricht motivierend und sinnvoll einsetzen – unter Einbinden vieler Sinne, auch dem Hören und der Haptik.“

Auch Sarah Scholtes, Lehrerin einer zweiten Klasse an der Nelly-Stein-Schule in Schifflingen, hält die Pop its für durchaus einsetzbar im Unterricht. „Ob sie – wie vom Hersteller angegeben – Stress-reduzierend wirken, bezweifle ich allerdings“, so die luxemburgische Pädagogin. „Sie liegen im Trend und steigern somit – zumindest bei manchen Schülern – die Motivation. Ideen und Einsatzmöglichkeiten findet man im Internet jedenfalls eine Menge.“

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Dass der Hype um die Silikonspielzeuge auch Nachteile haben kann, denkt Hanna Christiansen von der Universität Marburg, Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie: Bei leicht ablenkbaren Kinder könnten Pop its kontraproduktiv sein. „Und sie bergen Konfliktpotenzial, wenn Kinder sie trotz Aufforderung der Lehrkraft nicht weglegen.“

Die „pädagogisch-psychologischen Baukästen“ halten nach ihrer Einschätzung schon genügend Maßnahmen vor, um Kinder zu fördern. Das gelte auch bei speziellem Unterstützungsbedarf, Verhaltensauffälligkeiten oder Konzentrationsproblemen.


Ein vollkommen verrücktes Spiel
Auf geht's ins Getümmel! Ubisoft begrüßt in der Fun-Sport-Simulation „Riders Republic“ Adrenalinjunkies jeder Art.

Pop its als Belohnung

Im Rahmen einer pädagogischen Verhaltensmotivation würden Schüler belohnt, die sich an einen bestimmten Plan gehalten und gut gearbeitet haben, erklärt Christiansen. Dafür setzten Lehrkräfte bestimmte Techniken ein. „Es spricht nichts dagegen, auch Pop its als Belohnung einzusetzen, also etwa zwei Minuten Spielzeit am Ende des Unterrichts zu erlauben.“ Dies bestätigt den Eindruck, den auch Lehrerin Sarah Scholtes hat.

Sabine Martschinke vom deutschen Grundschulverband betont, es gebe bislang keine Studien zu positiven oder negativen Effekten von Pop its. Im schulischen Kontext seien es die Lehrkräfte, „die durch einen reflektierten Einsatz sinnvolle Varianten für den Umgang mit Pop its suchen und finden.“ Eingesetzt würden sie als Zähl- und Rechenhilfe oder es würden auch mal Silben „geploppt“, sagt die Bildungsforscherin.

Eine Aufmerksamkeitssteigerung ist Martschinke zufolge aber nicht zu erwarten. Und: „Pop its als Lösung für Hyperaktivität und Verhaltensprobleme und auch die angestrebte Entwicklung hin zu einer Finger-Ruhighaltung anzusehen, kann zu einem problematischen Einsatz führen.“ In puncto Fingerbeweglichkeit spricht sie von Chancen, da motorische Übungen möglich seien. Grundsätzlich gelte: Es komme auf Art und Häufigkeit der Nutzung an.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Die Nachfrage nach den Ploppern ist jedenfalls enorm, bestätigt auch Hermann Hutter vom Branchenverband Spieleverlage. „Manche Variationen haben einfache Spielregeln, oft geht es aber nur um das Drücken.“ Der deutsche Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels ergänzt: „Kinder verbringen heutzutage zu viel Zeit vor digitalen Bildschirmen, da sind haptische Spielzeuge wie die Pop its eine willkommene Abwechslung.“

Kurzlebiger Hype

Sarah Scholtes glaubt, dass die Pop its – ähnlich wie die Fidget Spinner vor einigen Jahren – wohl nicht mehr allzu lange ein großes Thema sein werden – und sich die Diskussion darum womöglich bald erübrigt hat. „Wie viele Trend-Spielwaren zuvor sind Pop its wohl ebenso schnell wieder von der Bildfläche verschwunden, wie sie aufgetaucht sind“, sagt die Lehrerin, die selbst Mutter einer siebenjährigen Tochter ist. 

„Musste das Plastikspielzeug vor den Sommerferien in allen möglichen Formen und Farben gekauft werden, so sind die meisten mittlerweile bereits wieder in einer Schublade verschwunden.“ 

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Spaß immer und überall: Immer häufiger greifen Spielefans nicht mehr auf herkömmliche Konsolen, sondern auf mobile Endgeräte zurück.
Als fliegender Steinzeitmensch, tapferer Unglücksrabe oder schiffbrüchiger Schatzjäger knobeln und hüpfen Anhänger kurzweiliger Abenteuer durch den Februar.