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Georgien: Wo Tradition auf Moderne trifft
Lifestyle 7 Min. 22.01.2020

Georgien: Wo Tradition auf Moderne trifft

Wer Tiflis entdecken möchte, muss mit der Seilbahn nach oben.

Georgien: Wo Tradition auf Moderne trifft

Wer Tiflis entdecken möchte, muss mit der Seilbahn nach oben.
Foto: LW
Lifestyle 7 Min. 22.01.2020

Georgien: Wo Tradition auf Moderne trifft

Ob Kulturstätten, Badeorte und Wanderpfade – die Trenddestination Georgien hat für jeden etwas zu bieten.

(LW) -  Ob Kultur-Reise, Gebirgswandern oder Badeurlaub: Georgien bietet unberührte Natur, weite Strände, vielfältiges Essen und kulturelle Höhepunkte am laufenden Band. Das Land an der Grenze Europas zu Asien befindet sich im Wandel und gilt seit Kurzem als der Geheimtipp schlechthin.

Wer sich gleich nach der Ankunft einen Überblick verschaffen möchte, muss in Tiflis ganz nach oben. An diesem herrlichen Herbsttag erstreckt sich die Sicht von der Festung Narikala, die etwa 200 Meter über der verwunschenen Altstadt thront, bis zu den imposanten Gletschern im rund 200 Kilometer entfernten Kaukasus-Gebirge. „Wir fahren auch dorthin“, sagt Kartlos Chabashvili und deutet mit dem Zeigefinger auf den Berg Kazbek, der mit seinen 5 054 Metern alle anderen Gipfel überragt.

Magnet auch für Einheimische

Der junge Reiseführer lächelt und genießt die Aussicht. Wie oft er denn schon hier oben gewesen sei, will die Gruppe von ihm wissen. Er lacht: „Ich kann es nicht sagen. Hunderte Male?“ Auch privat komme er mit der Familie hierhin. Tatsächlich ist die Festung ein Magnet für Touristen und Einheimische zugleich. Mit einer Seilbahn geht es aus dem Stadtpark hoch zu den Ruinen, die seit dem dritten Jahrhundert über die Altstadt wachen. Gleich neben der Burg befindet sich die 20 Meter hohe Statue „Kartlis Deda“, die Mutter Georgiens, eines der Wahrzeichen von Tbilisi, wie die Georgier ihre Hauptstadt nennen. Sie symbolisiert die Stärke des Landes und den Stolz einer Stadt, die in den letzten Jahrhunderten viele Wandlungen mitgemacht hat.

Zu Fuß geht es wieder nach unten, am botanischen Garten vorbei, der sich vor allem bei jungen Georgiern großer Beliebtheit erfreut. Auf 128 Hektar befinden sich hier teils bedrohte Pflanzenarten aus dem Kaukasus, ein Wasserfall sowie viele kleine Wanderpfade. Der Garten befindet sich hinter einer kleinen Anhöhe, abgeschottet vom Rest der Stadt lässt es sich hier im Sommer gut der Hitze entfliehen. Immer wieder fällt der Blick beim Abstieg auf die gegenüberliegende Sameba-Kathedrale. Die größte Kirche im Südkaukasus liegt auf einem kleinen Hügel, eingebettet in eine schmucke Parkanlage und ist von weither sichtbar.

Überall im ganzen Land locken Kirchen und Klöster zu Entdeckungstouren.
Überall im ganzen Land locken Kirchen und Klöster zu Entdeckungstouren.
Foto: LW

Georgien ist ein christlich geprägtes Land, nachdem das Christentum bereits im Jahr 337 zur Staatsreligion erklärt wurde. Seit dem Frühmittelalter ist die Orthodoxie das Symbol der Nation. So gehören inzwischen 84 Prozent der Bevölkerung der autokephalen Orthodoxen Apostelkirche an. Der Glaube spielt seit jeher eine wichtige Rolle in der Geschichte des Landes, und ein Besuch Georgiens ist eng mit Besichtigungen der unzähligen Kirchen, Kathedralen und Klöster verbunden, die einst als Festungen gegen einfallende Räuberbanden dienten.

Am Fuße der Anhöhe schlägt der Gruppe nun der Geruch fauler Eier entgegen. Seit Jahrhunderten kommen die Besucher extra wegen der Schwefelthermen ins Bäderviertel Abanotubani. In dem von schmucken Kuppeln umgebenen Stadtteil fühlt sich der Besucher zurückversetzt in persische Zeiten. Kleine Wellness-Oasen mit Schwefelwasser, Duschen und Massagepritschen buhlen hier um die Gunst der Gäste, die zwischen öffentlichen und privaten Bädern entscheiden können.

Stadt der Gegensätze

Wenn es überhaupt so etwas gibt wie eine „Stadt der Gegensätze“, dann käme Tiflis dem viel zitierten Klischee ganz nah. Hier stößt Geschichte auf Moderne, mittelalterliche Viertel auf Bauten aus Sowjetzeiten, nahöstliches Flair auf europäische Trends. Kein Wunder: An der Grenze zwischen Europa und Asien fiel Tbilisi an der antiken Seidenstraße eine wichtige Rolle als Handelsknoten zu.

In sowjetischen Zeiten dann hatte die Altstadt Glück im Unglück. Während der in Georgien geborene Stalin „seine“ Hauptstadt fast liebevoll sanieren ließ, fehlten später der UdSSR die Gelder, um die traditionellen Häuser abzureißen und mit sowjetischen Kastenbauten zu ersetzen. Übrig geblieben ist eine Altstadt aus dem Bilderbuch. Die bunten, gelegentlich auch etwas windschiefen Häuser mit den von Weinranken überwucherten Balkonen zieren ganze Straßenzüge. Dazwischen finden sich immer wieder kleine Cafés, Boutiquen und Restaurants, die georgische Kunst und Leckerbissen anbieten.

In der Altstadt von Tiflis bezaubern bunte Fassaden mit windschiefen Balkonen.
In der Altstadt von Tiflis bezaubern bunte Fassaden mit windschiefen Balkonen.
Foto: LW

Allein die Küche ist einen Besuch wert im 3,7-Millionen-Einwohner-Staat. In der Altstadt Tbilisis etwa buhlen unzählige erstklassige Restaurants mit einer eurasischen Mischung aus Teigwaren, Fleisch- und Gemüsegerichten um die Gunst der Besucher. Dabei gilt: Augen offen halten! Manche windschiefe Fassade verdeckt einen märchenhaften Innenhof, in dem die jungen Köche des Landes ihre Gäste mit modernen Variationen georgischer Leibgerichte verwöhnen.

Süße Versuchungen an jeder Ecke

Zu den Höhepunkten gehören das Chatschapuri (frisch gebackenes Fladenbrot mit Käsefüllung und Ei, das sich wie ein Käsefondue verzehren lässt), Chinkali (handtellergroße Teigtaschen, die man am Stumpf mit den Fingern hält, während man die Füllung aus Fleisch oder Gemüse verzehrt), Badrijani Nigvzit (Auberginenröllchen mit Nussfüllung) und zum Nachtisch die farbigen Tschurtschchela. Den Nüssen am Bindfaden in eingedicktem Traubensaft kann man nicht entgehen: Die moderat süße Versuchung findet man an fast jeder Straßenecke.


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„Am besten aber sind die Tschurtschchela in Kachetien“, betont Kartlos. Dort werde die Delikatesse noch mit echtem Weinteig hergestellt, unverdünnt und natürlich gesüßt. Er selbst wurde in der Weinregion geboren, habe als Kind seinem Großvater oft bei der Weinlese geholfen. Ein Besuch in dem rund zwei Stunden von Tiflis entfernten Tal lohnt sich allemal: Die Jahrhunderte alte Kwewri-Methode der Weinherstellung ist eine von nur drei weltweit anerkannten Herstellungsmethoden.

Vor 8 000 Jahren soll in Kachetien die erste Flasche georgischen Weins abgefüllt worden sein. Auch heute noch lassen die Winzer die mit nackten Füßen zerquetschten Trauben in unterirdischen Amphoren aus Ton, den sogenannten Kwewri, vergären. „Durch die bauchige Form findet eine natürliche Zirkulation statt, sodass keine weiteren Gärzusätze benötigt werden“, erklärt Kartlos. Die einzigartige Methode ist 2013 sogar in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.

Ein Highlight jagt das nächste

Kachetien ist aber nicht der einzige Ausflug, den es sich in Georgien zu unternehmen lohnt. Für einen Tagesausflug bietet sich auch ein Besuch in der Nachbarstadt Mzcheta an. Die antike Hauptstadt Georgiens bietet mit ihren fast 8 000 Einwohnern gleich zwei wichtige Sehenswürdigkeiten: das Kloster Dschwari aus dem sechsten Jahrhundert und die Swetizchoweli-Kathedrale – beides Unesco-Weltkulturerbestätten.

Vom Dschwari-Kloster öffnet sich ein atemberaubender Blick auf die antike Hauptstadt Georgiens: Mzcheta.
Vom Dschwari-Kloster öffnet sich ein atemberaubender Blick auf die antike Hauptstadt Georgiens: Mzcheta.
Foto: LW

Im Norden des Landes warten hingegen die atemberaubenden Kaukasus-Gipfel darauf, erstürmt zu werden. Wer dort auf den Wanderwegen unterwegs ist, wird feststellen, dass die Uhren oft um Jahre, wenn nicht sogar um einige Jahrzehnte zurückgedreht sind. Die Gergetier-Dreifaltigkeitskirche am Fuße des Mount Kazbeg wird regelmäßig als eine der schönsten Kirchen der Welt bezeichnet. Auf dem Weg zum Gergeti-Gletscher fährt der Besucher indessen durch das Ski-Resort Gudauri, das jährlich um mehrere Hotels zu wachsen scheint.

Denn: Georgien boomt, und das nur elf Jahre nach einem bewaffneten Konflikt mit Russland. Heute kommt ein Großteil der Touristen aus dem nördlichen Nachbarstaat – trotz Reiseembargo. Doch auch Türken, Armenier und vor allem Europäer haben das Land östlich des Schwarzen Meeres zum Geheimtipp schlechthin erkoren. Mehr als 400 000 Touristen aus EU-Staaten wurden bereits 2018 gezählt. Tendenz steigend.

Natur und Kultur

Denn das kleine Land zwischen Europa und Asien hat für Reisende eine Menge zu bieten, und zwar in landschaftlicher und kultureller Hinsicht. Diese Vielfalt offenbart sich den Besuchern in den Bergriesen des Großen Kaukasus und den palmengesäumten Kieselstränden von Kobuleti am Schwarzen Meer. Zu alledem gesellen sich eine einzigartige Geschichte, unbezahlbare Kulturstätten und das mysteriöse Alphabet, dessen Buchstaben zu den ältesten Schriftzeichen der Welt gezählt werden. Und nicht zu vergessen: Eine Reise nach Georgien ist derzeit noch bezahlbar. 


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