Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Frühlingserwachen am Großglockner
Lifestyle 4 Min. 25.04.2019

Frühlingserwachen am Großglockner

Wanderer kommen rund um den Großglockner auf ihre Kosten. Belohnt werden sie etwa mit einem Blick auf das Habachtal.

Frühlingserwachen am Großglockner

Wanderer kommen rund um den Großglockner auf ihre Kosten. Belohnt werden sie etwa mit einem Blick auf das Habachtal.
Foto: Heidrun Lange
Lifestyle 4 Min. 25.04.2019

Frühlingserwachen am Großglockner

Die steigenden Temperaturen lassen nicht nur den Alpensalamander in Österreichs Bergen munter werden.

von Heidrun Lange  

Der Enzian streckt seine blauen Blüten empor. Der schwarze Alpensalamander liegt faul in der Sonne. Schrille Pfiffe der Murmeltiere unterbrechen die Stille. Aufi und obe – oben und unten – sind die wichtigsten Begriffe für die kommende Saison im Nationalpark Hohe Tauern in Österreich. Vor allem wenn man mit dem Ranger große und kleine Tiere beobachten will.


Schloss Hohenschwangau
Die Schlösser des Märchenkönigs
Die Schlösser von König Ludwig II. (1845-1886) locken jedes Jahr bis zu 1,5 Millionen Menschen ins Ostallgäu. In der Region freut man sich aber auch über andere Touristen.

Start im Habachtal

Doch zunächst einmal ist nichts mit aufi. Gewitter am vergangenen Abend, Regen am Tag, aber auch Sonne. Also erst mal kein Aufstieg zur Kaiser-Franz-Josephs-Höhe mit der Aussicht auf den Großglockner. „Da oben kommt nicht mal die Schneemaus aus ihrem Bau“, sagt der Ranger. Der Frühling ist gerade erst in den Hohen Tauern angekommen. Ranger Herbert führt seine Gäste bei Regen zunächst auf eine Waldlichtung im Habachtal, das sich wie ein sattgrüner Gürtel an den Berg schmiegt. Der 44-Jährige ist Wildhüter und sorgt dafür, dass die Wege begehbar sind, beobachtet das Wild und führt Touristen.

Diese folgen ihm auf einem kleinen Pfad, der am Flusslauf entlangführt, sich zwischen dunklen Fichten hindurchschlängelt und auf dick bemoostem Waldboden fast ganz verloren geht. Dicke Baumstämme haben sich über reißende Bäche gelegt. Die Sonne zwängt sich durch die Wolken, der Waldboden dampft. Gräser, Blumen, Triebe, alle scheinen nur darauf gewartet zu haben, endlich wieder ans Licht zu kommen, raus aus der Erde, der Schale, dem Zweig. Kleine Rinnsale suchen sich ihren Weg zum Bach, stauen sich an Steinen, umfließen morsche Äste, treiben Sand voran.

Auch der seltene Alpensalamander ist ab und an anzutreffen.
Auch der seltene Alpensalamander ist ab und an anzutreffen.
Foto: Heidrun Lange

Herbert rennt in den Wald und hebt jeden Stein auf. „Der müsste doch bei diesem Wetter zu finden sein“, murmelt er vor sich hin. Eine halbe Stunde sucht der Wildhüter. Am Waldrand bleibt er stehen und zeigt auf die Wiese, wo reglos etwas Schwarzes liegt. Da ist er: Der Alpensalamander. Faul liegt er in der Sonne auf einem grünen Moosbüschel. Der kohlrabenschwarze Kopf reckt sich in die Höhe – und schon ist das Tier wieder verschwunden. „Wir nennen es pechschwarzes Regenmännchen, weil es nur aus seinem Versteck herauskommt, wenn es feucht und warm ist“ erklärt Herbert den putzigen Namen.

Wir nennen es pechschwarzes Regenmännchen, weil es nur aus seinem Versteck herauskommt, wenn es feucht und warm ist. 

Später geht es den Berg hinauf. Auf der Hochalpenstraße erklimmen Mountainbiker die Serpentinen. Ab und zu überholt ein Auto. Bäume werden zu Büschen. Es wird bunt. Aus dicken, moosähnlichen Polstern sprießt ein Meer von rosa, weißen, gelben und blauen Blüten. Es ist eine Farbenpracht, die man hier oben nicht erwartet hätte. Wanderer sind hier auf dem Gamsweg unterwegs. Als Kulisse dienen mehrere Dreitausender. Und da ist er, der Großglockner. Mitten in den Hohen Tauern ragt er mit 3 798 Metern weit über alle anderen Gipfel hinaus. Für einen kurzen Moment geben Nebelschwaden die Sicht frei. Wie schwierig wird es sein, seinen Gipfel zu erklimmen? Als könnte Herbert Gedanken lesen, sagt er: „Viele haben es schon versucht, auch geschafft, aber auch ihr Leben verloren.“ Man müsse warten, bis der Riese die Erlaubnis gibt, sein Reich zu betreten. Selbst für Tiere sind Geröllfelder und Lawinen die größten Feinde.

Belohnt wird man auch mit rustikalen Wegpunkten, wie etwa hier auf dem Gamsweg.
Belohnt wird man auch mit rustikalen Wegpunkten, wie etwa hier auf dem Gamsweg.
Foto: Heidrun Lange

Gämsen und Murmeltiere

Der Ranger hat sein Beobachtungsfernglas aufgebaut und sucht die Felswände ab, als hätte er mit den Tieren eine Verabredung. Doch seine guten Bekannten lassen sich erst mal nicht blicken. „Da oben, da oben sind sie! Eins, zwei, ein ganzes Rudel Gämsen“, ruft Herbert und reicht den Gästen das Fernglas. Die Gämsen springen galant weiter über die Felsspalten. Über der Gruppe kreist ein Steinadler. Von hinten pfeift es laut und eindringlich. Nichts ist zu sehen.

Die Murmeltiere wittern Gefahr und verschwinden.  

„Die Murmeltiere wittern Gefahr und verschwinden“, sagt der Ranger. Herbert beobachtet den Vogel durch das Fernglas. Es ist ein Jungtier, denn es hat weiße Flecken unter den Flügeln. Der Adler zieht weiter. Auf der Wiese steckt als erster der Murmeltierwächter seinen Kopf aus dem Loch und huscht heraus. Die anderen tun es ihm gleich. Sie räkeln sich auf den warmen Steinen oder mümmeln würzige Alpenkräuter. Ein Murmeltierparadies, in dem die putzigen Tiere ungestört ihr Leben genießen? Nicht ganz, denn der Mensch dringt immer weiter zu ihnen vor. Herbert stellt sein großes Beobachtungsfernglas auf, späht hinauf auf die Felshänge. Einige Gämsen sind in der Dämmerung noch unterwegs. Zu einer Tierbeobachtung gehört eine richtige Jause. Herbert denkt sofort an die Fuschl-Wirtschaft, die sich etwas unterhalb der Passhöhe befindet. Der Wirt ist ein echtes Original. Seine Spezialität: das Zähmen von Murmeltieren. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Oase im Kanal
Auf der kleinen Insel Herm, einer Nachbarinsel von Guernsey, unterliegt nicht nur das Wetter großen Schwankungen.
Fisherman's Beach auf Herm
Die grünen Alpen im Nordmeer
Die Vesterålen hoch im Norden Norwegens sind längst nicht so bekannt wie die Lofoten. Die Inseln locken Wanderer in nordische Landschaften. Und werben mit 100 Prozent Walgarantie.
ARCHIV - Zum Themendienst-Bericht von Bernd F. Meier vom 26. März 2019: Der enge Trollfjord gehört ebenfalls zur Inselgruppe der Vesterålen. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Als die Abende lang waren
Einst als kreativer Zeitvertreib entstanden, erlebt der Scherenschnitt im schweizerischen Pays-d'Enhaut ein Comeback.
Corinne Karnstadt Scherenschnitt