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Franziska Rubin: „Ich plädiere für ein Miteinander“
Lifestyle 3 Min. 04.05.2021

Franziska Rubin: „Ich plädiere für ein Miteinander“

Die verschiedenen Kräuter, die Franziska Rubin in ihrem Buch erwähnt, lassen sich ganz leicht auch im heimischen Garten anbauen.

Franziska Rubin: „Ich plädiere für ein Miteinander“

Die verschiedenen Kräuter, die Franziska Rubin in ihrem Buch erwähnt, lassen sich ganz leicht auch im heimischen Garten anbauen.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 3 Min. 04.05.2021

Franziska Rubin: „Ich plädiere für ein Miteinander“

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
Franziska Rubin spricht im Interview über die Kraft der Kräuter und deren Kombination mit der „klassischen“ Medizin.

Franziska Rubin ist vielen Fernsehzuschauern aus der Sendung „Hauptsache Gesund“ des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) ein Begriff. Die Ärztin, Moderatorin und Medizinjournalistin hat daneben aber auch mehrere Bücher veröffentlicht. In ihrem neuesten Werk beschäftigt sie sich mit zehn altbekannten Kräutern, wie etwa Lavendel, Salbei und Rosmarin, und lässt den Leser nicht nur kulinarische Besonderheiten entdecken. Franziska Rubin zeigt, dass die Kräuter noch viel mehr können, als die Küche aufpeppen – mit ihnen kann man Krankheiten vorbeugen, lindern oder zur Heilung beitragen. 

Franziska Rubin, Sie gehen in ihrem Buch auf zehn Kräuter ein. Wenn Sie eine Pflanze unter den zehn auswählen und ihr eine besondere Stellung geben müssten, welche wäre es und warum? 

Da bringen Sie mich in eine schwierige Lage. Ich finde alle diese Kräuter toll. Was den Duft angeht, bin ich ein Fan von Lavendel. Der würzige Rosmarin ist mein Favorit für Kartoffeln und frischer Koriander ist geschmacklich einfach unschlagbar. So könnte ich jetzt alle aufzählen, denn jedes Kraut ist ein kulinarisches und aromatisches Erlebnis. Am meisten beeindruckt mich aber das große gesundheitliche Potenzial. Von Arthrose über Gedächtnissteigerung bis hin zur Wundheilung. Unglaublich! 

Dr. med. Franziska Rubin
Dr. med. Franziska Rubin
Foto: Judith Büthe

Wie kam es dazu, dass Sie sich mit Kräuterkunde beschäftigen?

Wir sind ja alle gerade wieder im „näher an der Natur sein“-Modus und entdecken unsere unmittelbare Umgebung neu. Viele ziehen aufs Land oder freuen sich über einen Schrebergarten oder auch nur einen Balkon. Für mich als leidenschaftliche Verfechterin der Naturheilkunde war es logisch, da mal buchstäblich einen Blick über den Gartenzaun zu werfen und Tipps zu geben, welche Küchenkräuter aus gesundheitlicher Sicht besonders empfehlenswert sind. 

Die schnelle Tablette gegen alles – das schien für einige Zeit die bessere Lösung.

Geht das Wissen um die Kräuter und ihre Wirkung in der heutigen Zeit zurück?

Noch bis ins frühe 20. Jahrhundert waren Kräuter aus dem Garten, vom Feld oder aus dem Wald die wichtigste Quelle für Heilmittel – ganz besonders für all diejenigen, die sich keinen Arzt leisten konnten. Mit dem Siegeszug der synthetischen Präparate gerieten Heilkräuter etwas in Vergessenheit. Die schnelle Tablette gegen alles – das schien für einige Zeit die bessere Lösung. Heute wissen wir: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung und viele Bakterienstämme sind unterdessen resistent gegen Antibiotika. Pflanzliche Mittel könnten in Zukunft sogar ganz neue Perspektiven eröffnen. So haben die Senföle in der Kapuzinerkresse in Studien eine antidiabetische Wirkung gezeigt. Im frischen Koriander fanden Wissenschaftler einen Stoff, der um das Zweifache wirksamer gegen Salmonellen war als das üblicherweise eingesetzte starke Antibiotikum Gentamicin. Melisse wirkt nicht nur beruhigend und ist eines der wichtigsten Mittel gegen Herpes, sondern erhöht auch die Denkleistung. Das sind doch fantastische Aussichten! 



Dr. med. Franziska Rubin: „10 Kräuter
gegen 100 Krankheiten“, Becker Joest Volk Verlag, 320 Seiten, ISBN: 978-3-95453-200-1, € 29,95.
Dr. med. Franziska Rubin: „10 Kräuter gegen 100 Krankheiten“, Becker Joest Volk Verlag, 320 Seiten, ISBN: 978-3-95453-200-1, € 29,95.
Foto: Verlag

Was muss man tun, um dieses Wissen zu erhalten? 

Da ist zum einen eine Art Basisbewegung. Kräuterwanderungen sind seit Jahren eine besonders beliebte Form, sich dieses Wissen anzueignen beziehungsweise weiterzugeben, es gibt Kräuterseminare und auch Onlinekurse verschiedener Anbieter. Wer sich dafür interessiert, findet überall Angebote. Und es gibt unterdessen weltweit hochinteressante Forschungen zur pharmazeutischen Wirkung von Pflanzen, gerade auch im Hinblick auf Antibiotikaresistenzen, Krebsprävention oder Demenzerkrankungen. 


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Wie reagiert man, wenn man von anderen Medizinern oder Skeptikern für die Beschäftigung mit „alternativen Methoden“ wie der Naturheil- und Pflanzenheilkunde belächelt wird? 

Zurücklächeln. Denn Heilmittel wie Wasser, Gewürze oder Pflanzen sind so alt wie die Menschheit. Ihre Heilwirkung zu entdecken, gehört zu den großen Kulturleistungen und ist ein immerwährender Prozess. Wie wurde beispielsweise Kneipp beschimpft und sogar verklagt! Unterdessen sind seine Methoden anerkannte Verfahren. Auch die Pflanzenheilkunde ist heute fester Bestandteil universitärer Lehre und gehört zum Fachgebiet der Pharmazeutischen Biologie. Das verdanken wir übrigens dem unermüdlichen Einsatz für moderne, wissenschaftlich begründete Pflanzenheilkunde durch den Arzt und Professor für Phytotherapie Rudolf Fritz Weiss (1895–1991, Anm. d. Red.), der den ersten Lehrstuhl begründete und Gründungspräsident der Gesellschaft für Phytotherapie e.V. war. 

Sind pflanzliche Mittel für Sie eine Alternative oder eine Ergänzung zur „klassischen“ Medizin? 

Weder noch. Bei leichten Beschwerden reichen pflanzliche Mittel oft aus, um die Symptome zu lindern und den Körper beim Heilungsprozess zu unterstützen. In solchen Fällen verordnen auch Ärzte oft pflanzliche Mittel. Bei chronischen Erkrankungen können Phytotherapeutika dazu beitragen, die Medikamentendosis eventuell zu reduzieren oder Nebenwirkungen zu minimieren. Ich plädiere für ein gutes Miteinander von bewährten Methoden der „klassischen“ Medizin und den besten Therapien aus der Naturheilkunde.

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