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Fernseher einer neuen Generation: Kurven und ultraviele Pixel
Lifestyle 3 Min. 25.08.2015

Fernseher einer neuen Generation: Kurven und ultraviele Pixel

Wer einen TV mit Kurve wählt, muss mit hartnäckigeren Reflexionen rechnen, sagen Experten.

Fernseher einer neuen Generation: Kurven und ultraviele Pixel

Wer einen TV mit Kurve wählt, muss mit hartnäckigeren Reflexionen rechnen, sagen Experten.
Foto: dpa-tmn
Lifestyle 3 Min. 25.08.2015

Fernseher einer neuen Generation: Kurven und ultraviele Pixel

Flachbildfernseher mit HD-Auflösung gelten fast schon wieder als Auslaufmodell. Die Werbung preist Ultra-HD-Geräte mit gekrümmten Bildschirmen an. Doch noch fehlt nennenswertes Filmmaterial. Also nur eine Spielerei oder bereits eine lohnende Investition?

(dpa/tmn) - 80 Jahre nach der Geburtsstunde des Fernsehens stehen wieder einmal die TV-Geräte im Fokus der Elektronikmesse IFA. Sogenannte Ultra-HD- und Curved- Fernseher mit ultrahoher Auflösung und gekrümmtem Display sollen neue Impulse setzen.

Nach Angaben der GfK wurden im vierten Quartal des vergangenen Jahres bereits 17 Prozent des Umsatzes im TV-Markt mit Ultra-HD-Geräten erzielt - Tendenz steigend. Für Verbraucher stellt sich die Frage: Schon jetzt in Ultra HD (UHD) investieren, oder reicht noch Full-HD-Auflösung?

„Wer ein großes TV-Gerät in ein kleines Zimmer stellen will, sollte UHD nehmen“, rät Peter Knaak von der „Stiftung Warentest“. Der Grund: „Auf kurze Distanz kann ein normalsichtiger Mensch oder Brillenträger die Pixelstruktur des HD-Displays sehen, nicht aber die feinere Struktur eines UHD-TVs.“ Denn der bietet mit 3840 mal 2160 Pixeln ein Vielfaches der Bildpunkte eines Full-HD-TVs. Das feinere UHD-Raster sehe bei größeren TVs in kleinen Zimmern einfach besser aus.

Qual der Wahl: TVs werden nicht nur immer größer, sondern stellen Käufer auch vor grundlegende Technologiefragen.
Qual der Wahl: TVs werden nicht nur immer größer, sondern stellen Käufer auch vor grundlegende Technologiefragen.
Foto: dpa-tmn

„Abgesehen von diesem Effekt ist UHD unsinnig, wird sich auf Dauer aber nicht vermeiden lassen“, sagt Knaak. „Salopp gesagt: Die Anbieter bauen diese Fernseher, damit der Absatz großer Modelle steigt.“ Die UHD-Auflösung sei nur bei einem ungewohnt kurzen Sehabstand sichtbar, bei dem der Zuschauer jedoch - wie in der ersten Reihe mancher Kinos - ständig den Kopf drehen müsse, wenn außerhalb der Bildmitte etwas passiert.

Bei einem 65-Zöller mit einer Diagonalen von 165 Zentimetern sei die volle Auflösung nur bis zu einem Sehabstand von 1,25 Metern sichtbar. Alles im Blick hat der Zuschauer Knaak zufolge jedoch nur, wenn er zwei Meter vom Gerät entfernt sitzt. Doch aus dieser Distanz sei UHD nicht mehr erkennbar.

Florian Friedrich vom Heimkino-Magazin „audiovision“ plädiert dagegen für den Kauf eines Fernsehers mit der neuen Technik: „Wir befinden uns mittlerweile schon in der zweiten bis dritten Generation der UHD-Fernseher. Die Hersteller richten inzwischen viele Neuentwicklungen auf UHD aus.“ Bei Full-HD-Fernsehern bekomme man deshalb immer seltener das beste Preis-Leistungsverhältnis. Oft handele es sich bei UHD-Einstiegsmodellen schon um wirklich gute Geräte.

Die Stärken dieser Displays könne man mit Bildern der Digitalkamera testen, die fast alle die zwei Megapixel eines Full-HD-Fernsehers um ein Vielfaches überbieten. „Die Wiedergabe von Digitalfotos mit acht Megapixeln auf dem UHD-Fernseher ist ein Vorteil, den jeder sofort erkennen kann.“ Gute 55-Zoll-Geräte von Markenherstellern gebe es bereits für weniger als 1.000 Euro. Die noch größeren UHD-Topmodelle kosteten aber auch schnell 5.000 Euro

Ob sich ultrahochauflösende Fernseher wirklich sichtbar lohnen, hängt vor allem vom Sehabstand ab.
Ob sich ultrahochauflösende Fernseher wirklich sichtbar lohnen, hängt vor allem vom Sehabstand ab.
Foto: dpa-tmn

Man sollte darauf achten, dass der UHD-Fernseher die Schnittstelle HDMI 2.0 und den Kompressionsstandard HEVC (H.265) an Bord hat, rät Knaak. „Erste UHD-TVs waren diesbezüglich eine Mogelpackung, was den Käufern wegen damals fehlender UHD-Quellen nicht auffiel.“ Restbestände dieser „Prototypen“ seien noch im Verkauf.

Curved-TVs hält Florian Friedrich bis zu einem gewissen Grad für reine Geschmacksache. „Bei Curved-Modellen müssen Radius der Kurve und Betrachtungsabstand in einem sinnvollen Verhältnis stehen.“ Die gekrümmten Displays sollten mindestens eine Diagonale von 65 Zoll aufweisen, „damit die geometrischen Verzerrungen nicht komisch wirken und das Seherlebnis trotzdem einhüllend ist“.

Achtung vor Lichtreflexen

Als großes Problem gekrümmter TVs stuft Knaak Spiegelungen von Lampen oder Fenstern ein, die hier deutlich präsenter seien als auf flachen Displays. „Reflexionen von Lichtquellen scheinen bei Bewegungen des Zuschauers auf der Mattscheibe mitzuwandern“, erklärt der Warentester. Das sei bei flachen TVs kein Problem, weil sich hier der Reflex genauso schnell und so weit bewegt wie der Kopf des Zuschauers.

Das Gehirn erkenne die „Bewegung“ des Reflexes als selbstverursacht und könne diese ausblenden. Anders bei Curved-TVs: „Auf der gebogenen Mattscheibe läuft der Reflex schneller als die eigene Kopfbewegung“, so der Experte weiter. „Das löst einen Alarm im Gehirn aus und lenkt die Aufmerksamkeit auf den Reflex.“ Als Ausweg empfiehlt er gedimmtes Licht oder den Ausschluss von Lichtquellen.

Mit den ersten Ultra-HD-Blu-rays und Abspielgeräten rechnet Florian Friedrich zum Weihnachtsgeschäft. Als nächste Entwicklungen prognostiziert er Fernseher mit bisher ungesehen hohen Spitzenhelligkeiten, die auch in hellen Räumen ein enormes Kontrastverhältnis erlauben, sowie erweiterte Farbräume und High Dynamic Range (HDR), also ein Bild mit extrem hohem Dynamikumfang.


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Foto: Florian Schuh
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