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Viel Farbe, wenig Kritik
Lifestyle 18 4 Min. 24.01.2015 Aus unserem online-Archiv
Fashion Week Berlin

Viel Farbe, wenig Kritik

Lifestyle 18 4 Min. 24.01.2015 Aus unserem online-Archiv
Fashion Week Berlin

Viel Farbe, wenig Kritik

Keine Spur von trüber Stimmung in der deutschen Hauptstadt. Trotz einiger Absagen hat die Fashion Week in Berlin auch für den Winter 2015/16 wieder mit viel Farbe und Enthusiasmus ihren Platz unter den Modemetropolen verteidigt.

(bem) - Eine Woche im Zeichen der Mode geht gerade zu Ende und Berlin konnte in diesem Januar zeigen, dass die Fashion Week in der Hauptstadt auch mit großen Absagen umgehen kann. Bereits in den letzten Jahren verabschiedeten sich einige namhafte Modelabels, wie zum Beispiel Hugo Boss nach New York, Achtland nach London oder Kaviar Gauche nach Paris. Viel Kritik musste Berlin daraufhin einstecken und seinen Standort als relevanten Branchenmotor verteidigen.

In dieser Saison standen die Zeichen vorab sogar noch schlechter. Die Leitmesse Bread & Butter musste Insolvenz anmelden und Modeliebling Michael Michalsky sagte schon vor Wochen seine Show ab, die jedes Mal den Höhepunkt der Modewoche darstellte. Er spendete das Geld der Ebola-Hilfe und verzichtete auf sein Spektakel zugunsten des Weltgeschehens fernab von Glanz und Glamour.

Zurück am Brandenburger Tor

Aber Berlin wäre nicht Berlin, wenn die Stadt die Modeszene damit nicht umso mehr anheizen würde. Mehr als zehn Messen und fast 100 Schauen unterstrichen, wie wichtig Berlin als Modemessen-Standort ist. Die Messe Premium breitete sich mit mehr Ausstellern denn je weiter aus und bleibt damit für die internationalen Einkäufer wichtigste Anlaufstelle im gehobenen Segment. Zum ersten Mal fand im Kronprinzenpalais der „Berliner Mode Salon“ statt. Dort zeigten auf Initiative von Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp die 18 besten deutschen Designer ihre Kollektionen für den kommenden Winter. Für viele junge Modelabels ein Ritterschlag und ein hervorragendes Sprungbrett, das den weiteren Weg durch die hart umkämpfte Berliner Modebranche ebnen kann.

Im letzten Jahr musste das Fashion-Week-Zelt noch der WM-Fanmeile weichen, stand in dieser Saison jedoch wieder an seinem angestammten Platz vor dem Brandenburger Tor. Hier bestritt am Montagmorgen zum ersten Mal Charlotte Ronson als internationales Modelabel die Auftakt-Show.

Die Schwester des Londoner Star-Produzenten und Musikers Mark Ronson startete ausnahmsweise mit luftigen, frühlingshaften Kreationen in die Modenschauen für den Winter 2015/16. Da ihre neue Kollektion nicht rechtzeitig nach Berlin geliefert werden konnte, zeigte die Designerin noch einmal ihre Modelle für den Sommer 2015 – ein erfrischender Start in die Woche.

Auch Stammgäste wie Guido Maria Kretschmer, Lena Hoschek, Anja Gockel, Marc Cain oder Dorothee Schumacher blieben der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin treu und zogen nationale wie internationale Prominenz an. Topmodel Liz Hurley und Schauspielerin Katie Holmes gehörten jenseits des Laufstegs zu den Lieblingsmotiven der versammelten Modepresse. Und auch auf dem Laufsteg sorgte ein ganz bestimmtes Model für Gesprächsstoff.

Anna Ermakova, die 14-jährige Tochter von Boris Becker, ist mittlerweile den Kinderschuhen entwachsen und tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter. Für das schwäbische Modelabel Riani sorgte sie samt XXL-Pudel für Trubel während der Modenschau. Die Newcomerin machte in Glitzer-Look und Lack High-Heels gar keine schlechte Figur zwischen den ganzen Profimodels.

Farbe ist ein Muss

Die neuen Modetrends für die nächste Wintersaison bleiben in Berlin eine Mischung aus kühlem Understatement und einer gehörigen Portion Spaß, für den die Hauptstadt natürlich bekannt ist. In keiner Kollektion wurde deshalb mit Farbe gegeizt. Allein die Wahl der Farbpalette unterschied sich von Modelabel zu Modelabel.

So ist die Mannheimer Designerin Dorothee Schumacher bekannt für ihr gutes Händchen, in jeder Saison die schönsten Farbzusammenstellungen der Branche zu kreieren. Für den kommenden Winter stellte sie Himbeere, leuchtendes Orange und Cyclam zusammen, nicht ohne das Ganze Schumacher-typisch und ganz harmonisch mit Nachtblau und Schwarz zu verbinden.

Jungdesigner Hien Le entschied sich für ein kräftiges Yves-Klein-Blau zusammen mit zartem Nude. Und auch das Designerduo Perret Schaad mixte einen Cocktail aus monochromen Grautönen mit frischen Farbakzenten in leuchtendem Rot, Marsala und glänzendem Satin in Curry.

Worauf wir uns bereits jetzt einstellen können: Im nächsten Winter zeigt Frau in jedem Fall Knie. Dimitri, der in jeder Saison mit seiner Abendmode auf Haut und Sexiness setzt, ließ das Bein von zartem Chiffon umspielen. Kilian Kerner schickte seine Models im Kontrast dazu mit lässigen Slip-On-Sneakern zu knielangem Rock auf den Laufsteg und beim Modelabel Marc Cain schlossen zumindest graue Strumpfhosen und Wildleder-Overknees die Lücke zwischen Saum und Schuh.

In Berlin geht also auf ein Neues eine Modewoche zu Ende, die viel verkäufliche und tragbare Mode zeigte, sich dadurch aber immer realer am Markt platziert und auch durch Rückschläge so schnell nicht unterzukriegen ist. Etablierte Marken und viele Design-Newcomer machen auch weiterhin das Gesicht einer Stadt aus, die ohne die ständige Kritik vielleicht nicht diese konstante Leistung erbringen könnte.


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