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Falke: Im Strumpfparadies
Lifestyle 20 3 Min. 11.01.2020

Falke: Im Strumpfparadies

Falke: Im Strumpfparadies

Foto: Falke
Lifestyle 20 3 Min. 11.01.2020

Falke: Im Strumpfparadies

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Zu Gast bei einem deutschen Traditionsunternehmen: Im beschaulichen Schmallenberg im Sauerland entstehen bei Falke modische Exportschlager.

Die Stadt Schmallenberg, rund 1,5 Stunden westlich von Köln gelegen, wirkt selbst im Vergleich zum ländlich geprägten Großherzogtum verschlafen. Insgesamt sechs Kurorte im Stadtgebiet machen die Gemeinde zu einem beliebten Zielort für Touristen auf der Suche nach Ruhe und Abgeschiedenheit.

Für die Bewohner und die Modeindustrie ist die Handelsstadt am Fluss Lenne weit mehr als das: Schmallenberg ist Heimat des Unternehmens Falke, das neben Strumpfwaren auch Bekleidung und Sportswear für Damen und Herren sowie – nach Erwerb der Markenrechte – auch Produkte von Burlington produziert und vertreibt.

Gründung vor 125 Jahren

Das Unternehmen feiert in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag: Franz Falke-Rohen – eigentlich ein Dachdecker – war in den kalten Wintermonaten als Saisonstricker tätig und gründete 1895 schließlich seine eigene Strickerei. 1918 erfolgte mit dem Kauf einer Woll- und Haargarnspinnerei die Grundsteinlegung für die Unternehmensgruppe. 1920 dann der Bau einer neuen Fabrik – in der sich bis heute noch der Hauptsitz der Falke KG befindet, die mittlerweile an sechs Standorten rund 3 300 Mitarbeiter beschäftigt.

Wer nun denkt, dass ein Großteil dieser Arbeitskräfte im Ausland unter Vertrag steht und nur die Führungsetage von Schmallenberg aus die Geschicke des Unternehmens lenkt, der täuscht sich: Am alten Stammsitz rattern die Maschinen noch im Akkord – die Arbeiter überwachen die Strickmaschinen, die Socken, Strümpfe oder Strumpfhosen fertigen. Einige Arbeitsschritte werden noch von Hand übernommen – nicht jede Naht wird hier maschinell erstellt.

Tradition ist für Falke sehr wichtig – wie auch Kommunikationschefin Kristina Falke bestätigt. „Wir haben Mitarbeiter, die seit drei Generationen hier sind.“ Handarbeit wird großgeschrieben und deswegen produziere man auch nicht in Asien. „Das geht zwar dort alles ganz schnell und ist billiger, aber die Qualität leidet. Wir sind stolz auf unsere Qualität – und da machen wir keine Abstriche.“

„Auch bei 35 Grad werden Strümpfe getragen, weil es sich so gehört“, merkt Kristina Falke an – und damit spricht sie das an, was dem Unternehmen zu einem stets gleichbleibenden Absatz verhilft: Socken sind per se kein Trendprodukt, sondern gehören zum Alltag dazu. Was wiederum nicht bedeutet, dass man in Schmallenberg nicht auch auf Design großen Wert legt, was sich nicht zuletzt in ständig wechselnden Kollektionen und Kooperationen – etwa mit Manolo Blahnik oder Phillip Lim – widerspiegelt.

Modisch und qualitativ

„Wir wollen nicht so eine eingestaubte Marke sein, die nur durch ihre Qualität lebt. Das reicht nicht“, so Kristina Falke. „Wir möchten auch als modische Marke gesehen und ernst genommen werden. Das ist auch ein Grund, warum wir unser Designstudio in Italien unterhalten. Wir denken, dass die Italiener doch noch ein besseres Händchen dafür haben.“

Produktion und Qualitätskontrolle laufen in Schmallenberg Hand in Hand. Natürlich hat man dabei auch die Zukunft im Blick – etwa die Nachhaltigkeit, ein Thema, das die gesamte Fashionbranche umtreibt. Momentan laufen in diesem Bereich mehrere Projekte, etwa die Herstellung eines Garns aus Kunststoffflaschen oder der Versuch, Baumwolle innerhalb Europas anzupflanzen, um lange Transportwege zu vermeiden.

„Wir sind da auf jeden Fall dran“, bestätigt Kristina Falke, die weitere Umweltauflagen für die gesamte Branche befürwortet. „Ich hoffe nur, dass dies nicht wieder eine PR-Nummer ist, bei der die Politiker alle Jahre mal wieder merken, dass es Zeit ist, etwas für die Umwelt zu tun – und dann wieder alles vergessen.“

Beim Gang durch die Produktionshallen des Unternehmens laufen die Strickmaschinen in moderater Lautstärke, doch eine von ihnen steht still – und das aus einem guten Grund: Auf dieser Maschine wird einer, wenn nicht sogar der teuerste Strumpf der Welt produziert – aus der seltenen Wolle des Vikunja, einem Verwandten des Alpaka aus der Andenregion. Die in einer Holzbox verpackten Socken (560 Euro) und Strümpfe (860 Euro) werden nur auf Anfrage gefertigt und sind mehr Schau- denn Gebrauchsobjekt, schließlich ist Vikunja-Wolle äußerst fragil.


Farbe des Jahres: In der Ruhe liegt die Kraft
„Classic Blue“, die Farbe des Jahres 2020, steht für eine Rückbesinnung auf vorhandene Stärken. Bereits in der aktuellen Saison wurde der Trendton von vielen Labels in den Kollektionen verarbeitet.

Eine verrückte Idee, die einen viel größeren Erfolg hatte als anfangs gedacht. Von den ersten zehn Paaren sollte unter anderem eines nach Dubai und eines an das Luxuskaufhaus Harrods versandt werden – doch dort kam es erst einmal nicht an. „Am ersten Tag wurden gleich fünf Paar im Berliner KaDeWe verkauft“, berichtet Kristina Falke mit einem Lachen.

Wer diese exklusiven Strumpfwaren erstanden hat, weiß sie nicht – und sie will es womöglich auch gar nicht wissen. „Den Wunschkunden gibt es nicht“, betont Kristina Falke. Schließlich trägt jeder Socken – zumindest zum Anzug selbst bei sommerlichen Temperaturen.


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