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Fahrradreifen: Dünnhäutig bis hart im Nehmen
Lifestyle 4 Min. 24.03.2019

Fahrradreifen: Dünnhäutig bis hart im Nehmen

 Ein schlauchloser Reifen wird mit einem Kompressor aufgepumpt.

Fahrradreifen: Dünnhäutig bis hart im Nehmen

Ein schlauchloser Reifen wird mit einem Kompressor aufgepumpt.
Foto: dpa
Lifestyle 4 Min. 24.03.2019

Fahrradreifen: Dünnhäutig bis hart im Nehmen

Rollwiderstand, Luftdruck, Profil: Beim Reifen für Radler gibt es viel zu beachten. Je nach Einsatzzweck sind die Unterschiede groß. Neuartige Produkte versprechen sogar komplett wartungsfreies Radfahren.

(dpa) - Er zählt zu den wichtigsten Komponenten am Fahrrad: der Reifen. Als einziges Teil stellt er Kontakt zum Untergrund her und hat damit großen Anteil daran, wie sich ein Fahrrad fährt. Je nach Breite des Pneus oder seinem Luftdruck variieren zum Beispiel Komforteigenschaften und Rollwiderstand. Will man es bequem haben im Sattel oder stehen Effizienz und Tempo im Vordergrund. Eine neue Generation Fahrradreifen verspricht sogar den totalen Pannenschutz. Eine Übersicht:

Von Stollen bis Slicks - das Profil

Grobe Stollenreifen gehören wie die glatten Slicks zu den Spezialisten. „Stollenreifen finden sich bevorzugt am Mountainbike. Sie greifen tiefer in den Boden, um dem Rad zum Beispiel auf Waldböden mehr Halt am Untergrund zu geben“, sagt Thomas Geisler vom Pressedienst-Fahrrad (pd-f).

Profillose Slicks an Rennrädern bieten auf trockener Fahrbahn ein Maximum an Haftung. Eine Mischform stellen Pneus für Reiseräder dar: Für Asphalt weisen sie eine recht glatte Lauffläche auf, für besseren Halt auf Passagen mit weicherem Grund seitlich kleine Stollen. Eine Mindestprofiltiefe wie beim Auto gibt es für Fahrräder nicht. Vorschriften gibt es nur für S-Pedelecs sowie E-Bikes, die auch ohne Tretbewegung fahren. Die Norm ECE-R 75 sieht mindestens einen Millimeter vor.

Schlauchlos glücklich: In einem Tubelessreifen kann ein Dichtmittel für zusätzlichen Pannenschutz sorgen.
Schlauchlos glücklich: In einem Tubelessreifen kann ein Dichtmittel für zusätzlichen Pannenschutz sorgen.
Foto: dpa

Pumpen und variieren - der Luftdruck

Auf den Reifenflanken ist eine Spanne angegeben, meist in bar, seltener in psi. So können die meisten Reifen mit zwei bis sechs bar befüllt werden, während Rennradreifen teils bis zu zwölf bar vertragen. Hauptsächlich dient der Luftdruck dazu, den Fahrkomfort zu regeln. Je härter der Reifen aufgepumpt ist, desto geringer ist seine dämpfende Wirkung. Die Aufstandsfläche ist geringer - dafür rollt er aber auch besser.

Breitreifen bieten beim komfortsteigernden Spiel mit dem Luftdruck grundsätzlich mehr Möglichkeiten. In den letzten Jahren seien genau aus diesem Grund Ballonreifen, bis zu 52 Millimeter breit, in Mode gekommen. Allerdings erschwert das höhere Reifengewicht das Beschleunigen.

Dabei werden aber auch die Slicks für Rennräder ausladender, früher 19 oder 20 Millimeter breit, seien jetzt 25 Millimeter oder mehr angesagt. Würden diese mit nur leicht niedrigerem Luftdruck gefahren, erhöhe sich der Rollwiderstand nicht merklich.

Eine Sache für Profis - der Rollwiderstand

Der Rollwiderstand hat Einfluss darauf, wie schnell der Radler bei gleichem Kraftaufwand fahren kann. Jedoch müssen sich nur sportlich ambitionierte Fahrer oder Rennradpiloten mit variierendem Rollwiderstand innerhalb eines Reifentyps auseinandersetzen. „Für normale Radfahrer sind die Differenzen kaum relevant“, sagt Geisler. Gegenwind oder Bergauffahren machten sich weit stärker bemerkbar.

Ist der Pedaltreter mit lasch aufgepumpten Reifen unterwegs, meldet sich der Rollwiderstand sehr wohl: „Dann braucht man merklich mehr Kraft.“ Unterschiede sind auch im direkten Vergleich von Rennrad- und den bis zu 100 Millimeter und mehr breiten Fatbike-Reifen spürbar. Neben Reifenbreite und Luftdruck hat auch das Profil Einfluss auf den Rollwiderstand.

Volle Breitseite: Besonders breite Fatbike-Reifen.
Volle Breitseite: Besonders breite Fatbike-Reifen.
Foto: dpa

Nie wieder zzzzzzisch - der Pannenschutz

Eine andere Frage ist, wie viel Gummi der Pneu bietet, um einen Platten zu vermeiden. Slicks haben hier schlechtere Karten als Profilreifen. Mit „unplattbar“ oder ähnlichen Slogans werden Trekkingreifen mit spezieller Pannenschutzeinlage beworben. Sie ist so dick, dass Scherben und kleine spitze Gegenstände nicht mehr bis zum Schlauch vordringen können. Allerdings bedeutet mehr Pannenschutz im komplexen Zusammenspiel mit Luftdruck, Gummidicke und Reifenbreite sowie Kontaktfläche auch einen höheren Rollwiderstand.

Daneben gibt es sogenannte „Tubeless“-Reifen für Mountainbikes und Rennräder. Sie benötigen passende Felgen und eine Kompressor-Luftpumpe und kommen ohne Schläuche aus. Platte sind seltener: „Das enthaltene Dichtmittel verschließt kleinste Löcher während der Fahrt“, sagt Geisler. Allerdings muss das Dichtmittel zweimal jährlich gewechselt werden.


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Nie mehr pumpen - der luftlose Fahrradreifen

Die vielleicht bessere Lösung sind luftlose Reifen, wie sie Bridgestone angekündigt und Schwalbe bereits auf den Markt gebracht hat. Der Hersteller verspricht mit seinem Airless-System komplett wartungsfreies Radfahren. Bei üblicher Nutzung könne der Reifen ohne jegliche Wartung bis zu 10.000 Kilometer fahren.

Gefüllt ist der Pneu mit elastischem Polyurethan. Das ist ein Material, das auch in Laufschuhen zum Einsatz kommt. Der gefühlte Luftdruck entspricht 3,5 bar, variieren lässt er sich allerdings nicht. Die technischen Vorteile haben Nachteile: So seien Rollwiderstand und Gewicht leicht höher als bei Luftschläuchen. Für Alltagsradler dürfte die Wartungsfreiheit ein schlagendes Argument sein. Das Airless-System muss von geschulten Fachhändlern mit speziellen Maschinen montiert werden.

Gummi unter Strom - Spezialreifen für Pedelecs

Auch für Elektroräder wächst das Angebot an Spezialreifen. Hier gibt es gesetzliche Vorgaben. Manche Hersteller werben lauf ADFC mit einer weicheren Gummimischung. Sie sorge bei höherem Tempo für besseren Kurvenhalt. „Für E-Mountainbikes gibt es Reifen mit speziellem Pannenschutz, die allerdings schwerer sind“, sagt pd-f-Experte Geisler. Im Mehrgewicht sieht er jedoch angesichts des Motorantriebs keinen Nachteil.

Bei gut 20 Euro geht es los - der Preis: Auf Billigware sollte man auch beim Fahrradreifen verzichten. Nach Auskunft der Experten fallen für einen qualitativ hochwertigen Trekkingreifen mindestens 25 bis 30 Euro an, für einen Rennrad-Pneu 40 bis 50 Euro, beim Mountainbike-Reifen geht es ab rund 50 Euro los. Die teuersten Luftreifen sind die breiten Gummis für Fatbikes ab rund 70 Euro. Schwalbes Airless-System steht mit 85 Euro pro Rad in der Preisliste - hinzu kommt die Montage.    


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