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Fahrbericht Volvo XC40 P8 Recharge
Lifestyle 14 2 3 Min. 23.05.2021

Fahrbericht Volvo XC40 P8 Recharge

Lifestyle 14 2 3 Min. 23.05.2021

Fahrbericht Volvo XC40 P8 Recharge

Teddy JAANS
Teddy JAANS
408 Pferdestärken machen den elektrischen Schweden-SUV zum Wolf im Schafspelz. Im Alltag gibt das Auto sich sehr ausgereift.

Rein äußerlich gibt sich der ekektrifizierte XC40 lediglich an dem geschlossenen Kühlergrill – mittlerweile fast schon ein obligates Merkmal der Stromer – zu erkennen. Ansonsten ist er von der unauffälligen – wenn auch markentypischen Sorte. Auch im Innenraum verstömt er markentypisches Flair.

Der Premium-Anspruch ist erkennbar, die Tatsache, dass der Dachhimmel weitgehend aus recycelten Plastikflaschen hergestellt wird tut der Sache keinen Abbruch. Die Anmutung geht in Ordnung, das Interieur ist trotz zahlreicher Features aufgeräumt und Chrom-Zierleisten werten die Optik auf. Ein typischer Schwede neuerer Machart eben. 

Nicht untypisch ist allerdings auch der Preis: Der Testwagen schlägt inklusive einiger technischer Spielereien und einer kompletten Sicherheitsaustattung mit 66.000 Euro zu Buche. In dieser Hinsicht sind die Zeiten passé, als Volvo als günstige – weil weniger aufwendige – Alternative für Lehrer und Architekten galt  

Zwei Neuheiten an Bord

Wer den Schlüssel hat, kann sofort losfahren - einen Anlasserknopf gibt es nicht mehr.
Wer den Schlüssel hat, kann sofort losfahren - einen Anlasserknopf gibt es nicht mehr.
Foto: Guy Jallay

Wer den Schlüssel in der Tasche hat, kann ohne weiteres Zutun losfahren. Einen Anlasserschalter gibt es im Elektro-XC40 nicht mehr. D-Modus über den Wählhebel doppelt antippen reicht. Etwas gewöhnungsbdürftig, aber an und für sich praktisch. Wir ertappten uns beim Abstellen mehrmals bei der Suche nach dem entsprechenden Druckknopf. Einfaches Absperren per Keyless-Go reicht und der P8 schlummert vor sich hin.

Eine weitere Neuheit ist der One-Pedal-Modus. Ist er aktiviert, bremst der Wagen beim Lupfen des Gaspedals über die Rekuperation so stark ab, dass man klassische Bremseingriffe vergessen kann. Selbst im Stop-and-Go auf abschüssiger Bahn funktioniert das System so zuverlässig, dass man das Bremspedal an und für sich vergisst. Wobei man sich daran gewöhnen muss, dass das Loslassen des Gaspedals immer eine starke Verzögerung auslöst. Wer sich genervt fühlt, kann die Elektronik deaktivieren.

Auf Los geht’s los

Was die theoretischen Werte versprechen, hält der P8 Recharge auch in Wirklichkeit. Tritt man das Gaspedal durch, fallen 660 Newtonmeter aus dem Stand über den Asphalt her und katapultieren den Schweden vehement nach vorn. Traktionsprobleme gibt es wegen des Allradantriebs kaum und die Regeleingriffe des ESP gehen so schnell vonstatten, dass man sie kaum wahrnimmt. 100 km/h sind in weniger als fünf Sekunden erreicht und die gefühlte Leichtigkeit – gepaart mit der Laufruhe – lassen komplett vergessen, dass der Volvo mit 2,1 Tonnen an und für sich ein Schwergewicht ist. 

Die Dieselvariante des XC40 wiegt satte 400 Kilogramm weniger. Das liegt naturgemäß an den Litium-Ionen-Speichern, die im Unterboden verbaut sind. Sie fassen 78 Kilowattstunden elektrischer Energie, womit der Volvo bei normalem Fahrstil 350 Kilometer weit kommen sollte. Wer es nicht zu eilig hat, kommt mit einer Ladung auch 400 Kilometer weit.

Unter dem Strich macht der Schwede diebischen Spaß, wenn er wie am Gummiband gezogen selbst gestandenen Sportwagen den – nicht vorhandenen Auspuff – zeigt, während diese noch nach Luft schnappen und Turbolader sich aufplustern. Elektroautos, das beweist der Volvo, machen Spaß und ihr Konzept ist definitiv der modernere Antrieb. Lediglich in Sachen Langstreckentauglichkeit müssen noch Abstriche gemacht werden. 

Hauptsache Strom: Der Volvo ist mit allen Ladesystemen kompatibel.
Hauptsache Strom: Der Volvo ist mit allen Ladesystemen kompatibel.
Foto: Guy Jallay

Beim Nachladen kommt man dem Kunden soweit möglich entgegen: Der in Gent gebaute Stromer zapft an der 220-Volt-Dose ebenso wie an einer Wallbox oder an 150-kW-Gleichstromstationen. Die komplette Ladung dauert zwischen 40 Minuten und 36 Stunden, je nachdem.

Im Alltag

Einmal abgesehen von den gelegentlichen Beschleunigungsorgien, gibt sich der Volvo zahm und besticht durch hohen Komfort. Für die flotte Kurvenhatz könnte die Abstimmung einen Tick straffer sein, bauartbedingt wankt er in Biegungen trotz niedrigen Schwerpunktes dann doch leicht. 

Zahlreiche große Ablagen sorgen dafür, dass dabei nichts umherfliegt. Ein Staufach unter der Motorhaube erinnert an Mittelmotorsportler deutscher Bauart. Volvo hat den hier frei gewordenen Raum geschickt genutzt und sei es nur für die Ladekabel. Erfreulicherweise bleibt der Kofferraum auf Verbrenner-Niveau, selbst ein geräumiges Fach unter dem Laderaumboden ist erhalten geblieben.

Fazit

Ob ein „grünes” Auto wirklich über 400 Pferdestärken haben muss, sei dahingestellt. In der Praxis gewöhnt man sich an Dynamik und Laufruhe. Dass der Schwede sich all die Tugenden seiner „konventionellen” XC40-Brüder erhalten hat, macht ihn zum praktischen Begleiter. Er stellt in der beliebten Klasse der Kompakt-SUV eine echte Alternative mit Spaßfaktor dar. Nur bei der Ablösesumme dürfte der eine oder andere Zeitgenosse etwas schlucken.


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