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New Renault Captur: Gelungenes Remake

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New Renault Captur: Gelungenes Remake

New Renault Captur: Gelungenes Remake
Fahrbericht

New Renault Captur: Gelungenes Remake


von Teddy JAANS/ 16.10.2020

Foto: Guy Jallay

Mit dem Captur hat Renault einen Treffer gelandet. Halb Kompaktwagen, halb SUV entspricht der Wagen dem aktuellen Trend zum so genannten B-Segment-SUV. Die zweite Generation – auch noch New Captur" genannt, baut auf den Stärken des Vorgängers auf, ist aber in allen Hinsichten erwachsener geworden.

Der Druck auf die Entwickler war angesichts 1,5 Millionen verkaufter Exemplare nicht gering und es wundert nicht, dass man den Grundcharakter des Wagens nicht antasten wollte und so bleibt der Captur sich in zweiter Generation treu. Gut so. Dennoch hat man das Fahrzeug um immerhin elf Zentimeter gestreckt. Rein optisch wirkt der „Neue“ kräftiger und liegt satter auf der Straße, als sein Vorgänger.

Foto: Guy Jallay

In der von uns getesteten Topversion "Initiale Paris" wartete er zudem mit einer guten Portion Luxus auf, die bis hin zu Assistenzsystemen und Bose-Soundsystem nichts vermissen lässt. Zudem kam das Testfahrzeug – ganz trendy – in Zweifarb-Lackierung daher.

Auch in der zweiten Reihe resit es sich im Captur bequem.
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Auch in der zweiten Reihe resit es sich im Captur bequem.
Foto: Guy Jallay

Der Zustieg in den 4,22 Meter langen Wagen – elf Zentimeter mehr als beim Captur der ersten Generation - fällt leicht, ein Keyless-Go-Schlüssel aktiviert die Zentralverriegelung ohne Zutun des Fahrers beim Herantreten an das Auto. Weil das Fahrzeug sich auch selbsttätig verriegelt, braucht der Schlüssel an und für sich zu keinem Moment in die Hand genommen zu werden. Da der Captur kein "wirkliches SUV" ist, entfällt das oftmals lästige "in den Wagen hinaufsteigen". Dennoch bietet er die bei vielen Käufern geschätzte, leicht erhöhte Sitzposition, wenn auch in abgemilderter Form.

Auffallend ist das, um die Passagiere herumgezogene „freischwebende“ Mittelteil des Cockpits, auf dem sich der Bedienhebel für das Doppelkupplungsgetriebe befindet. Es ragt über die Mittelkonsole in den Innenraum hinein. Unter ihm hat man clevererweise ein beleuchtetes Ablagefach untergebracht. 


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Den Tastschalter für die Handbremse vergisst man nach einigen Tagen, auch sie agiert völlig automatisch. Geschmacksache ist das große Display, über das sich alle relevanten Funktionen das Fahrzeugs abrufen und bedienen lassen. Es ist ebenso zeitgemäß wie auch manchmal in seiner Menüführung verwirrend – auch wenn man sich in Sachen Grafik und Aufbau Mühe gegeben hat. 

Die Zweifarb-Lackierung des Testwagens wertet den Franzosen optisch auf.
Die Zweifarb-Lackierung des Testwagens wertet den Franzosen optisch auf.
Foto: Guy Jallay

Anfangs sollte der Besitzer sich etwas Zeit zum Kennenlernen nehmen, besonders dann, wenn die zahlreiche Gimmicks bedient werden wollen. Einmal mit allem vertraut gemacht, kann der Fahrer sich entspannt zurücklehnen und den gebotenen Fahrkomfort genießen. Ein Spurhalteassistent, ein Notbremssystem und Verkehrszeicherkennung sorgen unterwegs für Sicherheit.

Chromzierleisten werten das Cockpit auf.
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Chromzierleisten werten das Cockpit auf.
Foto: Guy Kallay

Der Captur verwöhnt in der Topversion Auge und Gesäß mit schickem Ledergestühl, Chromeinlagen, Lederbezug auf dem Armaturenträger und LED-Leuchtstreifen in den Türen. Unter der Haube geht ein Vierzylinder-Turbobenziner zu Werke, der aus „nur“ 1,3 Litern Hubraum immerhin 155 Pferdestärken und ein ansehnliches Drehmoment von 270 Nm bei 1.800 Umdrehungen presst. 

Foto: Guy Jallay

Dies entspricht der Renault-Philosophie, laut derer man in Zeiten von Downsizing konsequent auf kleine Hubräume setzt. Wie fast alle kleinhubigen Ottomotoren, besticht er durch eine hohe Laufruhe. Beim Cruisen bleibt er akustisch stets dezent im Hintergrund. Soll es mal flott zur Sache gehen, hört man die Anstrengung etwas deutlicher heraus, wobei er nie wirklich laut wird. 

Richtig Leistung bringt er im oberen Drehzahlbereich. Im Stadtverkehr lässt sich der Turbolader einen winzigen Moment Zeit, bevor er die Vier Brennkammern unter Druck gesetzt hat, von einem Turboloch zu sprechen wäre jedoch vermessen. Wer das Gaspedal etwas beherzter tritt, wird bisweilen vom brüsk einsetzenden Drehmoment in Form von durchdrehenden Antriebsreifen überrascht.

Das Siebengang-Doppelschaltgetriebe harmoniert gut mit dem Motor und nervt nicht mit nervöser Schalterei. Beschleunigungsvorgänge lassen sich niedertourig hinlegen, wer es sportlicher mag, kann die Schaltbox über Schaltpaddel bedienen. Sie sind ein „Nice to have“, aber in der Praxis meist unbenutzt.

Beim Anfahren nervt manchmal die Feststellbremse: Sie immobilisiert das Fahrzeug quasi bei jedem Stillstand und gibt es erst nach Antippen des Gaspedals wieder frei. Bei Einparkmanövern ist dies bisweilen störend.

Das Heck wirkt bullig - die SUV-Verwandschaft läßt grüßen
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Das Heck wirkt bullig - die SUV-Verwandschaft läßt grüßen
Foto: Guy Jallay

Auch wenn er seine wahren Stärken beim entspannten Cruisen ausspielt, so kann der Captur auch anders: Kurvige Landstraßen nimmt er ausgewogen unter die Räder, schiebt dezent über die Vorderräder und lässt eine Menge Eifer zu, bevor das ESP ihn einbremst. 

Etwas mehr Rückmeldung in der Lenkung würde den Spaß zusätzlich steigern, dafür ist sie von der leichtgängigen Sorte. Im Gegensatz zum angenehm straff abgestimmten Fahrwerk haben die Franzosen in dieser Hinsicht auf Komfort gesetzt.

Foto: Guy Jallay

Fahrer und Beifahrer finden dank zahlreicher – im Fall des Testwagens elektrischer – Einstellmöglichkeiten eine entspannte Position und dürfen auch Langstrecken gelassen entgegensehen. Auf der Autobahn spielt der 155-PS-Antrieb munter mit. Bis 150 km/h beschleunigt er zügig und kommt auch längere Steigungen im siebten Gang locker hoch. 

Wer es richtig schnell mag, muss sich damit abfinden, dass die hoch bauende Karrosserieform ihren Tribut fordert. In diesem Fall steigt auch der Durst des Renault auf Werte knapp unter zehn Liter pro hundert Kilometer an. Im Test genehmigte der Captur sich 6,6 Liter, was durchaus vertretbar ist.

Variabler Kofferraum


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Dass sich hinter der Heckklappe eines Kompaktwagens nicht der Gepäckraum eines ausgewachsenen SUV verbirgt, scheint logisch. Renault gibt dem Captur aber dafür mit einem höhenverstellbaren Boden und der in der Länge verschiebbaren hinteren Rückbank zwei praktische Feinheiten mit auf den Weg. Somit können zwei Erwachsene durchaus mit umfangreichem Gepäck auf Fahrt gehen, ohne dafür die Rückenlehne vorklappen zu müssen. In anderen Worten: Das Gepäck bleibt vor neugierigen Blicken unerhrlicher Zeitgenossen geschützt.

Der Captur schluckt bis zu 1.334 Liter Gepäck
Der Captur schluckt bis zu 1.334 Liter Gepäck
Foto: Guy Jallay

 Kommt es auf maximale Zuladung an, stehen 1.334 Liter Fassungsvermögen bereit – mehr als in manchem Konkurrenten. Beim Rückbau muss darauf geachtet werden, dass die Gurte nicht hinter der Rücksitzlehne eingeklemmt werden – da hätte eine kleine Führung für den Riemen Abhilfe geschaffen.

Nervig ist, dass eine auf dem Rücksitz abgestellte Tragetasche bisweilen den Belegungssensor auslöst, was sich mit einem akustischen Warnsignal bemerkbar macht, das sich nicht abstellen lässt. Da hilft nur, den Gurt in die Peitsche zu stecken. Oder die Einkäufe im Kofferraum unterzubringen.

Dass das Handschuhfach 11,5 Liter fasst, ist in Zeiten miniaturisierter Ablagen, in die oftmals nicht viel mehr als die Autopapiere und die sprichwörtlichen Handschuhe passen, ist löblich. Positiv ist auch, dass dieses wie eine Schublade ausgezogen wird und somit nicht beim Betätigen des Öffnungsknopfes hemmungslos mitsamt Inhalt nach unten fällt.

Die Zweifarb-Lackierung des Testwagens wertet den Franzosen optisch auf.
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Fazit
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Die Zweifarb-Lackierung des Testwagens wertet den Franzosen optisch auf.
Foto: Guy Jallay

Renault hat mit der Neuauflage des Bestsellers die sprichwörtliche Latte noch ein gutes Stück höher gelegt. Der Captur ist ein Auto für Menschen, die eine leicht erhöhte Sitzposition schätzen, denen ein „richtiges“ SUV jedoch zu klobig oder unhandlich ist. 

Ein Lob gebührt dem Hersteller für seine Preispolitik in Sachen Ausstattung. So schlägt der radarbasierte Tempomat etwa mit sehr vertretbaren 241 Euro zu Buche. Dass der Testwagen mit fast 31.000 Euro verrechnet würde, liegt daran, dass es sich um ein „all inclusive“-Paket handelte, das zudem mit der stärksten Motorisierung gekoppelt war. Im Vergleich zu seinen Mitbewerbern braucht der Franzose sich nicht zu schämen – er bietet sehr viel Auto und Zubehör fürs Geld. Immerhin kann man auch schon für weniger als 18.000 Euro mit dem Captur vom Hof fahren – nur eben etwas weniger schick.  

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