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Kommentar: Warum ich mich nicht abmelde. Noch nicht
Lifestyle 2 Min. 30.01.2015 Aus unserem online-Archiv
Facebooks neue Nutzerbedingungen

Kommentar: Warum ich mich nicht abmelde. Noch nicht

Lifestyle 2 Min. 30.01.2015 Aus unserem online-Archiv
Facebooks neue Nutzerbedingungen

Kommentar: Warum ich mich nicht abmelde. Noch nicht

Ja, ich habe mich heute morgen bei Facebook angemeldet und damit den neuen Vertragsbedingungen zugestimmt. Die Schmerzgrenze bis zum Abmelden rückt näher. Ein Kommentar von Roland Arens.

Von Roland Arens

Ja, ich habe mich heute morgen bei Facebook angemeldet. Damit habe ich implizit den Vertragsbedingungen zugestimmt, die das blaue Netzwerk ab sofort anwendet. Es dürfte sich ja mittlerweile herumgesprochen haben, dass es rechtlich wirkungslos ist, Bilder oder Texte mit angeblichen Widerspruchserklärungen auf seiner Facebook-Seite zu veröffentlichen, um sich vor dem Datensaugen zu schützen.

Um es klar zu sagen: Wir sind nicht Facebooks Freunde, obwohl man uns allenthalben mit "Du" anredet. Diese Art der Anbiederung hat allerdings nur noch entfernt etwas zu tun mit den Anfängen von Facebook als Studentennetzwerk.

Aber es ist ja noch schlimmer: Wir sind nicht einmal Facebooks Kunden, denn als solche müssten wir ja, wenn schon nicht als Könige, so doch mit Respekt behandelt werden. Das ist aber gerade nicht der Fall, wenn Facebook immer wieder einseitig die "Spielregeln" ändert.

Mit den Daten, die Facebook sammelt, soll Werbung noch genauer auf die Nutzer zugeschnitten werden. Vorteil für mich, sagt Facebook: Ich bekomme angeblich nur noch Werbung angezeigt, die meinen Interessen entspricht.

Wir sind nicht Facebooks Freunde, ja noch nicht einmal seine Kunden. Wir sind das Produkt.

Klingt gut, ist aber noch nicht einmal die halbe Wahrheit. Tatsächlich bin ich es, der den Nutzen mehrt, den Facebook von mir hat, indem es sein Wissen an Werbetreibende verkaufen kann - je mehr, desto teurer. Sie sind die wahren Kunden von Facebook. Getreu dem Spruch: "Wenn du nicht für das Produkt zahlst, dann bist du das Produkt."

Warum also melde ich mich nicht einfach ab von dem Dienst, dessen Wissen über mich der Rohstoff seines Geschäfts darstellt?

Richtig ist: Facebook hat für mich einen Nutzen. Die Plattform, die der Dienst entwickelt hat und kostenfrei zur Verfügung stellt, erlaubt es mir, mit Bekannten in Kontakt zu bleiben, Nachrichten zu empfangen und selber Informationen zu veröffentlichen. Auf diese Möglichkeiten möchte ich, trotz allem, nicht gerne verzichten.

Doch jetzt, wo Facebook sich ganz offiziell das Recht herausnimmt, auch im Detail aufzuzeichnen, welche anderen Webseiten ich besuche, ist für mich eine neue Qualität erreicht. Selbstverständlich werde ich meine Datenschutzeinstellungen nochmals genau überprüfen und möglichst restriktiv einstellen.

Bisher ist Facebook sehr geschickt darin gewesen, den Bogen nicht zu überspannen, während es gleichzeitig seinen Nutzern immer mehr Informationen abverlangt. Doch irgendwann könnte die Schmerzgrenze erreicht sein, der Punkt, wo der Nutzen in keinem gesunden oder annehmbaren Verhältnis mehr zu den Kosten steht. Wo diese Grenze liegt, muss jeder für sich entscheiden.

Bei mir ist der Punkt nicht mehr fern.


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