Extrem seltene Mini-Sonnenfinsternis

Erst 2117 wird die Menschheit wieder Zeuge dieses kosmischen Schauspiels

Bei Sonnenaufgang wird das Spektakel zu beobachten sein.
Bei Sonnenaufgang wird das Spektakel zu beobachten sein.
Grafik: Sabina Palanca

(LW/AFP) - Eines der seltensten Ereignisse im Sonnensystem wirft seine Schatten voraus: Am Mittwoch haben Astronomie-Fans letztmals in ihrem Leben die Chance, die „schwarze Venus“ vor der Sonne zu erleben. Bei wolkenfreiem Wetter können Himmelsgucker beobachten, wie unser Nachbarplanet Venus von der Erde aus gesehen als kleiner schwarzer Punkt westwärts über die Sonnenscheibe wandert.

Astronomen bezeichnen diese Mini-Sonnenfinsternis als Venustransit oder Venusdurchgang. Erst im Dezember 2117 wird die Menschheit wieder Zeuge dieses kosmischen Schauspiels werden. Dieses sehr seltene Ereignis ist in Luxemburg bei Sonnenaufgang morgen Mittwoch, den 6. Juni, zwischen 5.40 Uhr und 6.40 Uhr sichtbar, wenn die Sonne am Horizont (etwa 60° Nord-Ost) aufgeht. Wenn das Wetter mitspielt, ist der Venustransit ein einmaliges Ereignis, denn die nächste Gelegenheit kommt erst im Jahre 2117.

Vom Gebrauch diverser „Hausmittel“ bei der Beobachtung dieses Spektakels, wie rußgeschwärztem Glas, Röntgenbilder, Rettungsfolien, geschwärztem Dia- oder Negativfilm u.s.w. raten die „Astronomes amateurs du Luxembourg“ jedoch dringend ab! Augenschäden bis zur Erblindung können die sofortige Folge sein. In die Sonne darf man nur mit entsprechendem Schutz blicken, z. B. einer Sonnenfinsternisbrille. Die Venus ist jedoch so klein (scheinbarer Durchmesser knapp eine Bogenminute), dass man sie während ihres Transits nur mit Mühe im oberen Teil der Sonne und nahe am Rande als winzigen dunklen runden Fleck ausmachen kann. 

Auf keinen Fall mit Fernglas

Ist man im Besitz einer solchen Sonnenfinsternisbrille, darf man jedoch in keinem Fall ein Fernglas vor diese Brille setzen. Ein Fernglas oder Teleskop liefert sicherlich viel mehr Details. Doch man muss aufpassen, denn ein geeigneter Filter aus Glas oder Sonnenfilterfolie muss vor den Objektiven angebracht werden, damit das intensive Sonnenlicht erst gar nicht in das Instrument gelangt. Billigteleskope liefern oft einen kleinen Okularfilter mit. Die „Astronomes amateurs du Luxembourg“ raten, diesen auf keinen Fall zu benutzen, denn er kann sich derart aufheizen, dass er platzt.

Man soll sich einen geeigneten Filter kaufen und diesen immer vor dem optischen Instrument anbringen. Der Filterfaktor bei Sonnenfilterfolie muss 1:100 000 sein, und seine optische Dichte über 5, um die Stärke des Sonnenlichts um 99,99 Prozent reduzieren zu können. Im Fachhandel kann man z. B. ein Din-A4-Blatt einer solchen Sonnenfilterfolie für etwa 20 Euro beziehen.