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„Es hat uns neue Ideen geliefert“
Lifestyle 4 Min. 13.11.2021
Martine Feipel im Gespräch

„Es hat uns neue Ideen geliefert“

Martine Feipel und ihr Partner Jean Bechameil sorgen in der Rue Philippe II für einen Hingucker.
Martine Feipel im Gespräch

„Es hat uns neue Ideen geliefert“

Martine Feipel und ihr Partner Jean Bechameil sorgen in der Rue Philippe II für einen Hingucker.
Foto: Timothee Chambovet
Lifestyle 4 Min. 13.11.2021
Martine Feipel im Gespräch

„Es hat uns neue Ideen geliefert“

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Von der Galerie ins Schaufenster – Künstlerin Martine Feipel spricht im Interview über die ungewöhnliche Kooperation mit der Maison Hermès.

Interview: Michael Juchmes

Das franco-luxemburgische Künstlerduo Jean Bechameil und Martine Feipel hat sich in der nationalen und internationalen Kunstszene einen Namen gemacht – unter anderem durch die Gestaltung des Luxemburger Pavillons der Biennale in Venedig im Jahr 2011. Ein wenig aus dem gängigen Kunstrahmen brechen Sie mit ihrer jüngsten Arbeit aus: der Gestaltung von Schaufenstern und einem Fassadenelement für die Marke Hermès, die dieser Tage das Reopening ihrer Boutique in der Rue Philippe II feiert. Wir trafen Martine Feipel, den luxemburgischen Part des Duos, zum Gespräch. 

Das Künstlerduo Jean Bechameil und Martine Feipel.
Das Künstlerduo Jean Bechameil und Martine Feipel.
Foto: FeipelBechameil

Martine Feipel, die Kollaboration mit Hermès ist nicht die erste Zusammenarbeit dieser Art – warum haben Sie und Ihr Partner sich dazu entschieden, bei diesem Projekt einzusteigen? 

Ja, das stimmt, wir haben bereits einmal für die Maison Hermès ein Projekt in Ginza (ein beliebtes Einkaufsviertel in Tokio, Anm. d. Red.) umgesetzt. Wir sind Künstler und mögen es, Grenzen zu übertreten. Es ist interessant, etwa in die Welt der Mode, des Designs oder anderer angewandter Künste einzutauchen. Einerseits gibt uns dies die Möglichkeit, kreativ zu sein und unserem Arbeitsstil und unserem Ausdruck treu zu bleiben, andererseits ist es ein Weg, neue Dinge auszuprobieren. 

Übergeordnetes Thema der Arbeit ist das Jahressujet des Auftraggebers: „Eine Odyssee“. Wie passt Ihr Werk in dieses Konzept? 

Das Thema ist recht zeitgeistig und auch eines, das uns alle irgendwie betrifft. Die Art, wie wir es interpretieren, ist die Herangehensweise des Menschen an eine neue Form, über die Welt nachzudenken und seine Rolle darin neu auszurichten. Es geht auch darum, den Weg der Begegnung des Menschen mit „dem Anderen“ darzustellen, mit Dingen wie etwa der Natur. Wie der Mensch sich selbst neu erfindet, sich und die Welt hinterfragt. (Martine Feipel präsentiert ein Objekt, das Teil der Fensterdekoration ist) Dieses Element beinhaltet florale Elemente, einen Vogel, eine Libelle, auch bewegliche Teile. Es wirkt ein wenig wie eine Landschaft, verfügt aber auch über ein Auge. Dieses symbolisiert die menschliche Präsenz oder auch die Präsenz eines Tieres, das einen beobachtet. Es geht darum, das Mystische im Leben, in der Natur, in der Welt wiederzuentdecken – und ihm zu begegnen.

Eines der Schaufensterobjekte wird von natürlichen Formen und Motiven dominiert. Dahinter verborgen ist das alles beobachtende Auge.
Eines der Schaufensterobjekte wird von natürlichen Formen und Motiven dominiert. Dahinter verborgen ist das alles beobachtende Auge.
Foto: Timothee Chambovet

Einige von Ihren vergangenen Arbeiten waren monochrom gehalten. Jetzt sparen Sie aber nicht an Farben. Warum? 

Wir haben in jüngster Zeit häufig Weiß oder monochrome Töne verwendet, sind in den Jahren zuvor aber auch anders vorgegangen, haben auch Bewegung, Sound und natürlich Farbe eingesetzt. In diesem Jahr hatten wir auch eine Ausstellung in der Galerie Zidoun-Bossuyt in Luxemburg, in der wir Vogelhäuser aus Keramik in sehr knalligen Tönen präsentiert haben. In der Arbeit für Hermès ist auch einiges in natürlichen Farben gehalten, denn es ist uns wichtig, dass das Volumen durch das Material zutage tritt. Das von uns verwendete Acrylharz wird an manchen Stellen daher unbehandelt bleiben, dann erinnert es mit diesem gebrochenen Weiß an einen Stein, an etwas Mineralisches. Andere Partien sind wiederum sehr farbenfroh, etwa die lebendigen Elemente und die floralen Partien. So kann es dem Zuschauer gelingen, in das Fenster einzutauchen – was hierbei natürlich ein wenig schwieriger ist, da man sich, anders als bei unseren bisherigen Kunstwerken, nicht von allen Seiten nähern kann.

Ist es schwer für Sie, bei dieser Art der Zusammenarbeit Ihrem Stil und Ihrem Anspruch treu zu bleiben und trotzdem alle Kundenwünsche zu erfüllen?

Natürlich gibt es da Dinge, die man beachten muss. Man geht anders vor, als wenn man eine Installation für ein Museum, eine Galerie oder für den öffentlichen Raum vorbereitet. Wir lieben es aber, uns in andere Bereiche zu bewegen, wir wollen nicht immer auf die gleiche Weise vorgehen. Selbst wenn wir eine Arbeit ein zweites Mal an einem anderen Ort zeigen, gehen wir das Ganze gedanklich nochmals an und arrangieren das Objekt neu. Im Fall der Kollaboration mit Hermès sehe ich die Schaufenster als kleine Theater an, in denen sich eine eigene Geschichte entwickelt. Ich glaube, dass wir uns damit nicht von unseren bisherigen Arbeiten entfernt haben. 

Das zweite große Objekt enthält grafische Elemente. Auch hier ist ein Auge zu erkennen, das den Betrachter fixiert.
Das zweite große Objekt enthält grafische Elemente. Auch hier ist ein Auge zu erkennen, das den Betrachter fixiert.
Foto: Timothee Chambovet

Sie folgen also einer Linie, dem Konzept der vorherigen Arbeiten? 

Ja und nein. Einige Künstler entwickeln ein Vokabular, das sich in ihren Werken ständig wiederholt. Auch wir haben eine Form von künstlerischer Sprache entwickelt, die sich jedoch immer wieder verändert, denn jedes Objekt, jede Installation ist einzigartig. Das Projekt für Hermès liegt auf einer Linie mit den vorherigen Arbeiten, etwa auch mit dem Schmuckstück, das derzeit in der Galerie des Cercle Cité zu sehen ist (Ausstellung „Bijoux d'artistes, de Picasso à Koons. La collection idéale de Diane Venet“, Anm. d. Red.). Es hat uns auch neue Impulse geliefert, uns Ideen für neue Formen und Ausdrucksweisen angenähert. Es hilft uns dabei, uns weiterzuentwickeln.

Dieses Oeuvre ist nicht in einem Museum oder einer Galerie – dem berühmten „White Cube“ – verortet, sondern mitten in einer belebten Einkaufsstraße. Freut es Sie, dass damit auch kunstferne Personengruppen in den Genuss Ihrer Arbeit kommen? 

Ja natürlich, wir erreichen damit ein anderes Publikum. Nicht jeder, der durch diese Straße geht, ist auch ein Museums- oder Galeriebesucher. Es freut uns, dass wir damit ein größeres Publikum, also alle, die daran vorbeigehen, an Kunst heranführen können – und womöglich auf unsere Arbeiten neugierig machen. Ich mag es, dass wir damit aus dem üblichen Kunstrahmen heraustreten konnten. Wir sind schließlich immer auf der Suche nach einem Weg, uns auszudrücken und Neues zu schaffen.  

Ein kleineres Objekt, das Themen eines anderen Fensters aufgreift.
Ein kleineres Objekt, das Themen eines anderen Fensters aufgreift.
Foto: Timothee Chambovet


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