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Erholung im Wüstensand
Große weiße Zelte in der tunesischen Wüste: Camp Mars bietet seinen Gästen eine Urlaubsidylle der anderen Art. Musik- und Tanz-Events locken zusätzlich als besondere Erlebnisse.

Erholung im Wüstensand

Foto: Booking.com
Große weiße Zelte in der tunesischen Wüste: Camp Mars bietet seinen Gästen eine Urlaubsidylle der anderen Art. Musik- und Tanz-Events locken zusätzlich als besondere Erlebnisse.
Lifestyle 4 Min. 22.11.2018

Erholung im Wüstensand

Im Süden Tunesiens kann jeder die Freiheit der unendlichen Weiten auf seine eigene Art erleben.

von Heidrun Lange

Wer abseits von Hotelanlagen und Animationsprogrammen auf der Suche nach Rückzug und wahrem „Digital detox“ ist, der findet in Tunesien beste Voraussetzungen, um sich ganz auf sich selbst zu besinnen und zur Ruhe zu kommen.

Wenn die Feuerglut der Mittagssonne vorüber ist, sieht der Sand der Wüste weicher aus, die gelben Töne werden zu Gold. Die tief stehende Sonne lässt die Farben leuchten und zaubert lange Schatten, Strukturen und Konturen auf die Abhänge der Dünen.

Die alte Berberstadt Tozeur, einst Zwischenstation für die Karawanen der Beduinen auf ihrer Reise an die Mittelmeerküste, ist ein idealer Ausgangspunkt für geführte Wander- und Tagestouren nach Süden ins Sandmeer oder Richtung Westen in die Berge an der Grenze Tunesiens zu Algerien.

Das Camp Mars unter einem klaren Sternenhimmel.
Das Camp Mars unter einem klaren Sternenhimmel.
Foto: Riadh Mnif

Filmreife Szenerie

Nur einen Steinwurf entfernt beginnen die Bergoasen Chebika, Tamerza und Mides. Die gewaltigen Canyons, die bizarren Felsformationen und die scheinbar endlose Weite werden immer wieder gerne von Regisseuren als Drehort gewählt. Um den spektakulären Canyon von Mides wurden viele bekannte Filme gedreht, wie Verfolgungsjagden in „Star Wars“ und der Flugzeugabsturz in „The English Patient.“

Am Rande des Grand Erg Oriental, der großen Sandwüste in Südtunesien, liegt die Berberstadt Douz. Ein Puzzle aus schmalen Gassen und ockerfarbenen Häusern. Die Fenster sind klein wie Schießscharten, damit der Sand der Sahara nicht in ihr Inneres dringt. Esel, Kamele und Menschen hört man hinter den dicken Mauern.

Die Medina ist geschäftig. Hutmacher, Schneider und Schmiede zeigen ihr Handwerk. Belghas-Bambuschen mit feinen Dekorationen, flauschige Burnusse aus demselben Material, Schuhe aus Kamelhaar sowie bestickte Saharakleider entstehen in den kleinen Werkstätten.

Wie im Beduinendorf

In den Dattelpalmenhainen soll es die süßesten Datteln geben, die im Fruchtfleisch das Sonnenlicht eingespeichert haben. Die Straßen enden im Sand der offenen Wüste. Nur ein erfahrener Wüstenfahrer kann die Besucher sicher an ihr Ziel bringen, zum Beispiel zum Camp Mars, am Fuße des Berges Tembain.

Beim ersten Zwischenstopp wartet Abdullah vor seiner Hütte bereits mit einem süßen Pfefferminztee. Biker, Wanderer, alle halten hier, bevor es noch weiter in die Sandwüste im Jbil Nationalpark geht. Wie ein Wachposten ragt der Berg über die Umgebung. In den Senken der rotgelben Sanddünen ist das Mars-Lager gelandet. Weiße Zelte, in deren Innenraum violette Seidenstoffe sich bei jedem Windhauch bewegen, nostalgische Betten mit dicken Decken auf bunt gestreiften Berberteppichen. Strom gibt es nur für die Köche. „Wir lernen die einfachen Dinge des Lebens wieder schätzen“, resümiert Camp-Gründer Riadh Mnif, während er am Lagerfeuer sitzt und den Sand durch die Finger rieseln lässt.

2008 eröffneten Riadh Mnif und seine Frau Célia dieses Kleinod unterm Sternenhimmel. Luxuriös und ökologisch zugleich. Eine Welt, in der man die Gedanken verlieren kann, sich der Zeit der Erde hingibt und sich so von der besonderen Atmosphäre verwöhnen lässt.

Der Innenraum eines Zeltes wird durch einige farbige Akzente aufgefrischt.
Der Innenraum eines Zeltes wird durch einige farbige Akzente aufgefrischt.
Foto: Riadh Mhnif

Musik unterm Wüstenhimmel

In der kleinen Küche werden feine Gerichte kreiert. Und Mnif organisiert verschiedene Events. Jedes Jahr im November findet das Musikevent „Musique & Silence“ statt. Mal lauschen die Gäste einem Pianospieler in den Höhen des Tafelberges, mal einem Saxofonisten in den Dünen. Sobald die Sonne wie ein roter Ball im Sand untertaucht, schauen die Sterne dem Treiben zu. Sie leuchten klar und hell. Nun möchte jeder im Freien auf dem Rücken liegen und stundenlang nichts weiter tun, als unablässig den Himmel und die ganze Pracht der Milchstraße zu bestaunen.

Die Hektik vergessen

Sobald es Tag wird, erwacht das Leben. Es riecht nach Briks – gefüllten Teigtaschen mit Lamm. Mohamed, ein kleiner drahtiger Mann, stapft durch den warmen Sand zu seinem Café. Der Wüstensohn ist Koch, Barmann und Helfer in der Not. Bei ihm kann man mitten im tunesischen Nirgendwo sein Handy aufladen und hat sogar Mobilfunkempfang.

Eine Trekking-Gruppe mit Dromedaren hat sich bei ihm für den weiteren Weg gestärkt. Er schaut der Karawane hinterher und meint: „Nach einer Woche wandern wird es denen schwerfallen, wieder in ihre tosende Heimat zurückzukehren. Die Wüste reinigt die Sinne und pflegt die Seele. Sie ist frei von jeder Hektik.“

Mohamed geht in die Küche. Auf dem Boden knetet er Teig. Er muss sich beeilen, denn gleich kommen die Musiker zu ihm, deren Lieder in sein Café wehen. Ein Saxofon, eine Geige und ab und zu eine Flöte. Und das alles nur 200 Kilometer vom Mittelmeer entfernt. In Djerba, da wo es auch das Meer gibt und Hotels, die sicherlich mehr Komfort bieten, aber Wichtiges dann doch vermissen lassen.


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