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Eine Piste, zwei Preise
Lifestyle 3 Min. 30.11.2018

Eine Piste, zwei Preise

Werbebanner in Innsbruck: Fremde müssen für die Tageskarte im Skigebiet Obergurgl/Hochgurgl 53 Euro 
zahlen, Einheimische nur 35 beziehungsweise 25 Euro.

Eine Piste, zwei Preise

Werbebanner in Innsbruck: Fremde müssen für die Tageskarte im Skigebiet Obergurgl/Hochgurgl 53 Euro 
zahlen, Einheimische nur 35 beziehungsweise 25 Euro.
Foto: Stefan Herbke
Lifestyle 3 Min. 30.11.2018

Eine Piste, zwei Preise

Eigentlich sollten in der EU alle gleich behandelt werden. Doch die Realität schaut anders aus: Einheimische erhalten in Tirol den Tagesskipass für im Schnitt 20 Euro, alle anderen zahlen bis zu 57 Euro.

(srt) - "Skifahren wird immer teurer“, so das Ergebnis eines aktuellen Vergleichs des österreichischen Vereins für Konsumenteninformation (VKI) von mehr als 100 Wintersportgebieten in Österreich. Dabei stiegen die Preise der Tageskarten für Erwachsene im Durchschnitt um 2,8 und der Sechstagestickets um 3,4 Prozent – und damit stärker als die Inflationsrate. Mit 53 Euro für den Tagesskipass in der Hochsaison rangiert etwa Obergurgl/Hochgurgl unter den Top 10 der teuersten Skigebiete Österreichs. Der eine oder andere hat für den Preis vielleicht Verständnis, immerhin fährt man hier in der „schneesichersten Region der Alpen“, genießt den Komfort moderner Bahnen und darf sich über die Fertigstellung des 23 Millionen Euro teuren Großprojekts Kirchenkarbahn samt Top Mountain Crosspoint freuen. Ins Grübeln kommt man allerdings, wenn man erfährt, dass alle Tiroler hier für 35 und samstags sogar für günstige 25 Euro Ski fahren.

Eine Zweiklassengesellschaft

„Die EU-Dienstleistungsrichtlinie, die Österreich 2011 in nationales Recht umgesetzt hat, formuliert ein Gleichbehandlungsgebot, womit nach verbreiteter Rechtsmeinung unterschiedliche Tarife für Einheimische und nicht Ortsansässige nicht zulässig sind“, erklärt Unternehmenssprecherin Claudia Riebler, „nach unserem Wissen hat die überwiegende Mehrheit der Skigebiete zeitnah reagiert und bietet schon seit Jahren keine sogenannten Einheimischentarife mehr an.“ Doch die Realität sieht anders aus, in vielen Skigebieten gibt es unverändert eine Zweiklassengesellschaft. „Wir gehen davon aus, dass für privat geführte Seilbahnunternehmen Unterscheidungen bei den Tarifen zulässig sind“, schreibt der Österreichische Fachverband der Seilbahnen. „Seilbahnen fallen unter die Verkehrsausnahme des Dienstleistungsgesetzes.“

„Seilbahnen, die ausschließlich dem Transport von Personen zum Zwecke einer Freizeitbeschäftigung dienen“, gehörten allerdings nicht dazu, meint dagegen Professor Walter Obwexer. „Selbst wenn das nicht zutreffen sollte, fallen Einheimischentarife unter die Dienstleistungsfreiheit, beziehungsweise unter das allgemeine Diskriminierungsverbot aus Gründen der Staatsangehörigkeit“, erklärt der Europa-Rechtsexperte an der Universität Innsbruck. „Diese primärrechtlichen Vorgaben untersagen Einheimischentarife – ganz unabhängig von der Dienstleistungsrichtlinie.“

Dennoch bieten viele Skigebiete ermäßigte Tarife für Einheimische an. Die werden selten offensiv kommuniziert – Ober-/Hochgurgl mit seinen großflächigen Plakaten in Innsbruck ist eine Ausnahme –, sondern in der Regel verheimlicht. Umso erstaunlicher, dass Österreichs Seilbahner-Obmann Franz Hörl in einem Bericht der Tiroler Tageszeitung erklärt, dass ein Skitag in Tirol für Einheimische im Schnitt nicht mehr als 20 Euro kostet. Dabei verlangen viele Skigebiete für einen Tagesskipass schon mehr als 50 Euro. Spitzenreiter sind die Kitzbüheler Bergbahnen mit 57 Euro.

Dabei geht es auch anders. Trotz deutlich größerem Pistenangebot kostet der Skipass in der SkiWelt faire 51 Euro – für alle. „Wir stehen für ein Top-Produkt mit einer ehrlichen Preisgestaltung zum besten Preis-Leistungs-Verhältnis“, erklärt Walter Eisenmann, Sprecher der SkiWelt, „und das schätzen unsere Gäste.“ Rund zehn Euro günstiger ist ab Januar das Ticket immer dienstags und mittwochs (Ladys beziehungsweise Mens Day) – aber auch hier gilt der Preis für Einheimische und Gäste. In den Skigebieten des Montafon wurde die Praxis der Einheimischentickets schon vor einigen Jahren abgeschafft. Und die Bayerischen Zugspitzbahnen bieten wie viele andere Gebiete günstige Saisonpässe an, die für Vielfahrer sehr attraktiv sind und von jedem Gast gekauft werden können – spezielle Vergünstigungen nur für Einheimische gibt es laut Bergbahn nicht.

Keine Vorzugsbehandlung: In Südtirol – hier eine Aufnahme aus Corvara, nahe Cortina d'Ampezzo - gibt es lediglich einen Einheitstarif.
Keine Vorzugsbehandlung: In Südtirol – hier eine Aufnahme aus Corvara, nahe Cortina d'Ampezzo - gibt es lediglich einen Einheitstarif.
Foto: Stefan Herbke

Keine Rabatte in Italien

Auf der Alpen-Südseite, in Italien, verzichtet auch Dolomiti Superski auf Einheimischentarife. „Wir wissen offiziell nicht, ob einzelne Skigebiete Vergünstigungen anbieten“, erklärt Diego Clara, Pressereferent von Dolomiti Superski, „aber wir halten uns an die europäische Gesetzgebung.“ Am Kronplatz, einem der zwölf zu Dolomiti Superski gehörenden Skigebiete, gibt es jedenfalls Ermäßigungen für alle, die rund um den Kronplatz einen ständigen Wohnsitz haben. „Wir möchten, dass alle Menschen rund um den Skiberg das Skifahren lernen und jedes Wochenende auf den Skiern sind“, begründet Direktor Andrea Del Frari das Angebot. Dabei liegen die Rabatte in der Nebensaison mit drei Euro im Rahmen, in der Hochsaison sind es 15 Euro.

In der Schweiz sind Einheimischentarife eher die Regel als die Ausnahme. In Zermatt und vielen Orten im Oberwallis gibt es sogar einen Einheimischenausweis, mit dem man auch in einigen Geschäften Rabatte erhält. Wie hoch die Ermäßigungen beim Skipass ausfallen, darüber möchten die Zermatt Bergbahnen aber keine Auskunft geben. Doch die Schweizer gehören nicht zur EU und sind daher auch nicht an das Gleichbehandlungsgebot gebunden. Und in den anderen Regionen hofft man auf den Fortbestand der Privilegien, die es offiziell nicht gibt – inoffiziell aber sehr wohl. Oder wie es die Pitztaler Gletscherbahnen ausdrücken: „Der Einheimischentarif ist schon seit vielen Jahren gelebte Praxis.“


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