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Eine neue Zeitrechnung
Lifestyle 12 2 Min. 08.06.2020

Eine neue Zeitrechnung

Chanel - Cruise 2020/2021

Eine neue Zeitrechnung

Chanel - Cruise 2020/2021
Fotos: Julien Martinez Leclerc
Lifestyle 12 2 Min. 08.06.2020

Eine neue Zeitrechnung

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Große Shows und VIP-Gäste - viele Labels feierten ihre Kollektionen stets mit glamourösen Events. Doch Corona sorgte für den Umbruch. Das zeigt sich jetzt auch bei der neuen Chanel Cruise Collection.

Seit Jahren verwandelt Chanel das Grand Palais in Paris regelmäßig für einen Tag in ein Traumland der Mode - nicht nur für die Präsentation der beiden Hauptkollektionen (Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter), sondern auch für die Cruise Collection, die Zwischenkollektion, die in der Vergangenheit stets Anfang Mai vorgestellt wurde. 2019 etwa, als erstmals nicht Karl Lagerfeld, sondern Virginie Viard die Verantwortung übernahm, ließ das französische Designhaus das Belle-Epoque-Gebäude in einen Bahnhof verwandeln, mit einem Bahnsteig als Laufsteg. 

2020 ist jedoch alles anders: Das Corona-Virus hat die Welt im Griff - und damit auch die Welt der Mode. Die Schauen im Frühjahr konnten noch wie gewohnt stattfinden. Seitdem ist aber Schluss mit den großen Events: Die Cruise Collection von Chanel feiert etwa in diesen Tagen nur online ihren großen Auftritt. Gleiches gilt für die Haute-Couture-Schauen Anfang Juli, teilte der zuständige Pariser Verband mit: Diese werden nur virtuell stattfinden - als Showersatz soll ein Video dienen. 

Das Chanel-Défilée sollte eigentlich in diesem Jahr auf Capri stattfinden, wie Virginie Viard per Mitteilung verrät. Die Insel war auch ursprünglich als Inspirationsquelle für die Kollektion gedacht. "Daher mussten wir uns anpassen: Wir haben uns nicht nur dazu entschieden, Stoffe zu verwenden, die wir bereits vorrätig hatten, sondern auch die Kollektion eher generell zu einem Trip rund um das Mittelmeer werden zu lassen", so die Kreativchefin der Marke. Auch die Stimmung der 1960er-Jahre, in denen viele legendäre Schauspielerinnen an der italienischen und französischen Riviera Entspannung gesucht hätten, habe man versucht aufzugreifen.  

Ganz im ursprünglichen Sinne einer Cruise Collection - eine Kollektion mit sommerlicher Mode für Reisende, die es auch im Winter in den sonnigen Süden zieht -, hat man sich bei Chanel Gedanken um das Thema Funktionalität gemacht: Es sei eine Garderobe, die in einem kleinen Koffer, einem Shopper oder sogar einer Handtasche transportiert werden kann, so Virginie Viard. Zudem seien die einzelnen Stücke recht vielseitig: Ein langer Rock könne etwa zu einem trägerlosen Kleid umfunktioniert werden.

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5/6 • “I believe that we can build our tomorrow also starting from a renewed capacity of denomination. Here comes the desire to baptize our new encounters by naming them after a language that has marvelously ancient roots: classical music language. Accordingly, there will be symphonies, rhapsodies, madrigals, nocturnes, overtures, concerts and minuets in the constellation of my creative path. Music, after all, has the sacred power to produce reverberations and connections. It travels beyond the borders, reconnecting the fragility to the infinity.” A new path in fashion that leaves behind the paraphernalia of leitmotifs that colonized our prior world, according to @alessandro_michele in ‘The Sacred Power of Producing Reverberations’, his diary entry for May 3, 2020. #AlessandroMichele Read his diary through link in bio.

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In diesem Jahr müssen Fotos und Videos ausreichen, um sich ein Bild von den neuen Looks zu machen, die bei Chanel ab November erhältlich sein werden. Und im kommenden Jahr? Wird es da womöglich keine Cruise Collection geben? Bei Chanel ist darüber nichts bekannt - anderes hört man hingegen von Gucci. Chefdesigner Alessandro Michele teilte online mit, dass man auf die Zwischenkollektionen verzichten werde. Zwei Termine pro Jahr seien mehr als genug, um sich Zeit für die Bildung eines kreativen Gedankens und dem System insgesamt mehr Zeit zu geben, so der Italiener.


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Entschleunigung haben auch die Unterzeichner eines offenen Briefes im Sinn, der eine generelle Umstellung des Systems fordert - vor allem im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Themen des Schreibens sind neben einer Anpassung der Saison-Aufteilung - unter anderem "die Herbst/Winter-Saison wieder zurück in den Winter (August/Januar) bringen" - auch die Einsparung von Materialien sowie der Verzicht auf Reisen und eine Neubewertung und Anpassung der Schauen. 

Zu den Unterzeichnern gehören Hunderte Designer und Firmenchefs, darunter Riccardo Bellini (Chloé), Mattias Magnusson (Acne Studios), Angela Missoni (Missoni Group) und Dries van Noten. Ob die angestrebten Änderungen auch durchgesetzt werden - als Startpunkt ist die Herbst/Winter-Saison 2020 angesetzt -, wird sich zeigen. Derzeit bestimmt noch das Corona-Virus die Schlagzeilen. Die Modebranche hat noch das Nachsehen.

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