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E-Mobility: Freiheit auf Knopfdruck
Lifestyle 7 Min. 23.11.2020

E-Mobility: Freiheit auf Knopfdruck

Pendeln mit dem Fahrrad geht das ganze Jahr über - solange nicht gerade ein Schneesturm oder ein sonstiges Unwetter über das Land zieht. Ein E-Bike macht den Umstieg auf sanfte Mobilität leicht.

E-Mobility: Freiheit auf Knopfdruck

Pendeln mit dem Fahrrad geht das ganze Jahr über - solange nicht gerade ein Schneesturm oder ein sonstiges Unwetter über das Land zieht. Ein E-Bike macht den Umstieg auf sanfte Mobilität leicht.
Foto: Steve Remesch
Lifestyle 7 Min. 23.11.2020

E-Mobility: Freiheit auf Knopfdruck

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Ganzjährig bei Wind und Wetter mit dem E-Bike unterwegs – ein Erfahrungsbericht.

„Du warst schon wieder nur im Turbo-Modus unterwegs“, stichelt Fred, der Mechaniker meines Vertrauens und auch sein Chef, Didier, grinst mich über die Schulter an. Ja, das tue ich. Denn wenn ich in der Stadt mit meinem E-Bike unterwegs bin, dann will ich nicht nur gut vorankommen, sondern mich auch vor anderen Verkehrsteilnehmern schützen. Und dann ist es durchaus von Nutzen, mit wenigen Pedaltritten 25 km/h zu erreichen.

Seit knapp vier Jahren ist das Fahrrad – für Pedanten, ein Pedelec – das Fortbewegungsmittel meiner Wahl. Rund 4.000 Kilometer pro Jahr, zwischen 15 und 30 Kilometer pro Tag, vorrangig in der Hauptstadt und deren Peripherie, das zu jeder Tages- und Jahreszeit und auch bei Wind und Wetter. 


ARCHIV - 12.08.2016, Sachsen, Leipzig: Ein Elektroauto steht an einer Elektroladestation. (zu dpa "In Kiel wird das Stromnetz der Zukunft für E-Mobilität entwickelt") Foto: Hendrik Schmidt/ZB/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Erfahrungsberichte und Neuigkeiten rund um das Thema Elektromobilität.

Ich hatte damals bereits länger mit der Idee gespielt, mal öfters auf das Auto zu verzichten und mir so den alltäglichen Frust zu ersparen, mit anderen Schlechtgelaunten im Stau zu stehen. Wohlgemerkt, ich bin nicht wirklich ein Sportler und schon gar kein Leichtgewicht. Und zwischen meinem Wohnort und meiner Arbeitsstelle liegt eine elfprozentige Steigung, die für mich lange Zeit ein schweißtreibendes Hindernis war.

Wenn die Steigung kein Hindernis mehr ist

Ein Arbeitskollege verleitete mich aber dazu, sein E-Bike in der Rue Tubis am Cessinger Kuelebierg – mit einer vergleichbaren Steigung – auszuprobieren. Und ich war überrascht, wie gut das klappte. Kräftig in die Pedale treten musste ich dennoch. Mir war aber weder die Puste weggeblieben, noch war ich schweißgebadet.

Das E-Bike ist ein durchaus alltagstaugliches Fortbewegungsmittel mit einer tatsächlichen Reichweite zwischen 40 und 60 Kilometern pro Batterieladung.
Das E-Bike ist ein durchaus alltagstaugliches Fortbewegungsmittel mit einer tatsächlichen Reichweite zwischen 40 und 60 Kilometern pro Batterieladung.
Foto: Anouk Antony

Fortan war ich überzeugt: Ich musste ein E-Bike haben. 2.000 Euro schien mir eine Investition zu sein, die ich zu diesem Zeitpunkt gerade noch stemmen konnte. Ich begann somit alles aufzusatteln, das sich in diesem unteren Preissegment Probe fahren ließ. Und ich musste feststellen, dass die Unterschiede enorm waren. 


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Einmal von Fahrstabilität, Materialqualität und Verarbeitung abgesehen, lag für mich der größte Unterschied beim Antrieb. Der Hilfsmotor ist entweder in der Nabe des Vorderrades, jener des Hinterrades oder an der Tretkurbel verbaut. 

Ersterer vermittelte mir den Eindruck gezogen zu werden, zweiterer gedrückt. Nur den Dritten empfand ich als so natürlich, dass ich die Motorassistenz zwischendurch komplett vergaß. Somit war für mich klar, dass mein E-Bike einen Mittelmotor haben musste. 


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Nach vielen Vergleichen entschied ich mich letztlich für ein Rad aus der Eigenproduktion einer französischen Sporthandelskette. 

Neben dem Preis von unter 2.000 Euro überzeugten mich das Aussehen, das Fahrgefühl und die doch für das Preisniveau vergleichsweise hochwertigen Bauteile. 

Auf einmal wurde das Auto immer unattraktiver 

Während das neue Elektrofahrrad anfangs nur bei Schönwetter zum Einsatz kam, sollte sich das bald ändern. Die Fahrt mit dem Fahrrad wurde von der Kür zur Pflicht. Das Auto blieb immer häufiger in der Garage und verlor auch bei schlechterem Wetter immer mehr an Attraktivität. Das Fahrrad und das damit verbundene Freiheitsgefühl wurden zum Suchtfaktor. 


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Doch während das gekaufte E-Bike für Gelegenheitsfahrten wohl ausgezeichnet war, hinterließen die alltäglichen Fahrten, auch bei schlechtem Wetter und auf unebenen Wegen, Spuren – nichts Gravierendes, aber Kleinigkeiten, die mich immer regelmäßiger zum Kundendienst der Sporthandelskette führten – und deren Reparaturdienste waren oft kompliziert. 

Dass es dann auch noch nach zwei Jahren zu einem Reparaturfehler in der Elektronik kam, entpuppte sich für mich als Glückstreffer. Denn nachdem das Rad mehrmals in Reparatur geschickt worden war, der Fehler aber nie tatsächlich behoben wurde, entschied der Geschäftsführer, mir auf Garantie ein neues Rad zu geben. 


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Es mag vielleicht nicht ganz nett gegenüber dem Gönner gewesen sein, doch ich entschied mich dann, dieses fabrikneue Fahrrad zu einem für den Käufer sehr interessanten Preis zu veräußern – und in ein hochwertigeres Produkt zu investieren. 

Design, Qualität und freundlicher Kundendienst führten mich dann zu einem kleinen E-Bike-Hersteller aus den französischen Vogesen mit einer Vertretung in Luxemburg. Das neue Rad, diesmal in der Preisklasse um 3.500 Euro, ist mir seitdem ein sehr treuer Wegbegleiter. 

Ein Fahrrad braucht mehr Pflege als ein Auto   

Damit das aber auch so bleibt, musste ich auch lernen, mich mehr mit meinem Fahrrad zu befassen. Denn als langjähriger Autofahrer war ich es gewohnt, dass ich mich nicht sehr viel darum kümmern musste. Bei gravierenden Problemen leuchtete stets ein Warnlämpchen auf und ansonsten reichte die jährliche Revision. 


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Beim Fahrrad ist das anders. Es braucht wesentlich mehr Aufmerksamkeit. Ist die Kette etwa verschmutzt, springt sie bei jedem festeren Pedalentritt und der Fahrspaß ist hin. Kette, Zahnradpaket und Schaltwerk entfetten, reinigen und ölen, tu ich daher inzwischen monatlich. Bei schlechtem Wetter oder im staubigen Sommer kommt das Kettenöl gar öfter zum Einsatz. 

Auch die Scheibenbremsen verschleißen bei höheren Geschwindigkeiten und im Stadtverkehr recht schnell. Die Plaketten zu ersetzen, benötigt nur wenige Handgriffe – es sollte aber nicht zu lange hinausgezögert werden. Zudem gilt es, regelmäßig den Sitz der Schrauben zu überprüfen. 


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Wer das E-Bike neu entdeckt, sollte die Sache ohnehin langsam angehen. Denn man gewöhnt sich schnell an die höhere Geschwindigkeit. Wie viele Radfahrer mit 15 km/h zu fahren, ist jedoch etwas anderes, als mit 25 km/h. 

 Eine Bordsteinkante kann, wenn sie bei dieser Geschwindigkeit im falschen Winkel angefahren wird, fatale Folgen haben. Eine Vollbremsung bei 25 km/h auf feuchtem Belag will geübt sein. In einer Kurve ist die Bodenhaftung bei hoher Geschwindigkeit viel geringer. 

Darüber hinaus muss der Radfahrer, mehr als die meisten anderen Verkehrsteilnehmer, auf die Fehler anderer achten, denn im gemischten Verkehr hängt davon sein Überleben ab. Ein Rückspiegel ist daher Gold wert.

Angstbefreites Fahren übt sich im Alltag 

Doch Angst im Nacken ist auf dem Fahrrad ein schlechter Begleiter, genauso wie Übermut. Mit jedem zurückgelegten Kilometern steigt das Sicherheitsgefühl. Sichere Fahrten sind dennoch keine Selbstverständlichkeit. Als Radfahrer – und das ist mit Sicherheit eine der großen Lektionen, die ich gelernt habe – muss man im gemischten Verkehr seinen Platz einfordern. Und falls jemand daran zweifeln sollte, ich kenne den Code de la route aus dem Effeff und halte mich auch an die Verkehrsregeln. 


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Dennoch muss man sich als Radfahrer seiner schwächeren Position bewusst bleiben. Wer beispielsweise zu weit rechts fährt, verleitet Autofahrer regelrecht zum Überholen, auch wenn dazu kein Platz ist. Darüber hinaus ist es wichtig, seine Fahrabsichten klar anzuzeigen. Augenkontakt trägt mitunter auch zu mehr Sicherheit bei. 

All dies wird nicht verhindern, dass man es auch mit Verkehrsteilnehmern zu tun bekommt, die den Radfahrer absichtlich bedrängen. Es hilft aber, zumindest jenen Autofahrern entgegenzukommen, die sich tatsächlich um Rücksicht bemühen. Die meisten Radfahrer sind ohnehin auch Autofahrer und können sich daher auch gut in deren Lage versetzen. 

Obwohl es bei meiner Körpergröße undenkbar erscheint, werde ich dennoch regelmäßig von Autofahrern übersehen. Eine gute Sichtbarkeit trägt deshalb entscheidend zur Sicherheit bei. 

Wer sich nicht auf die Aufmerksamkeit der Autofahrer verlassen will: Ein Fahrradhelm mit Leuchtdioden, Reflektorbänder und rückstrahlende Applikationen etwa auf den Handschuhen verhelfen zu mehr Sichtbarkeit.
Wer sich nicht auf die Aufmerksamkeit der Autofahrer verlassen will: Ein Fahrradhelm mit Leuchtdioden, Reflektorbänder und rückstrahlende Applikationen etwa auf den Handschuhen verhelfen zu mehr Sichtbarkeit.
Foto: Anouk Antony

E-Bikes werden prinzipiell mit kompletter Lichtanlage verkauft. Diese verbraucht kaum Strom und ist auch tagsüber sinnvoll. Da ich Schutzwesten, wie sie mittlerweile im Auto Pflicht sind, beim Radfahren unpraktisch finde, habe ich mir neonfarbene und elastische Reflektorbänder zugelegt, die etwas an überbreite Hosenträger erinnern. Mein Helm ist mit starken Leuchtdioden ausgestattet und selbst meine Winterhandschuhe tragen Reflektoren. 

Fahrräder als Teil der Lösung 

Falls in naher Zukunft politische Entscheidungsträger auch auf lokaler Ebene Worten Taten folgen lassen und sichere Infrastrukturen gewährleisten, dann wird das E-Bike und das Fahrrad allgemein, bald vor allem im urbanen Raum zum Fortbewegungsmittel der Wahl. 


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Je mehr Radfahrer, ganz gleich, ob nun mit oder ohne elektronische Unterstützung, sich den öffentlichen Raum aneignen, desto schneller werden Veränderungen herbeigeführt. Und die bieten der Stadtentwicklung nur positive Perspektiven.

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