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Duftparadies Provence: Feine Essenzen für große Düfte
Lifestyle 3 Min. 19.04.2015

Duftparadies Provence: Feine Essenzen für große Düfte

Grasse: Edle Düfte und die Produktion von Parfüms bleiben wohl ewig miteinander verbunden.

Duftparadies Provence: Feine Essenzen für große Düfte

Grasse: Edle Düfte und die Produktion von Parfüms bleiben wohl ewig miteinander verbunden.
H. Siefert/SRT
Lifestyle 3 Min. 19.04.2015

Duftparadies Provence: Feine Essenzen für große Düfte

Weltweit gibt es nur rund 300 Kreateure von Parfums. Etwa 50 von ihnen leben und arbeiten in dem französischen Ort Grasse. Dort können auch Amateure und Laien versuchen, ihre eigenen und ganz persönlichen Düfte zu entwickeln.

(SRT) - Goldgelb glitzert die Flüssigkeit im Flakon. Fruchtig-zitronig duftet das Eau de Cologne und weckt mit jedem Tropfen Urlaubserinnerungen an die Provence.

An das Wetteifern von Himmel und Meer um das tiefste Blau. An weite Strände, schmale Buchten und schroffe Schluchten. An lebhafte Küstenstädte und einsame Bergdörfer. An große Kunst im kleinen Garten der Fondation Maeght in Saint-Paul-de-Vence oder in den Museen in Nice. An erfrischenden Rosé und knuspriges Baguette unter fingerdicker Olivenpaste. Und natürlich an das besondere Erlebnis, sich bei einem Workshop in der Parfüm-Metropole Grasse sein eigenes, wohlriechendes Souvenir zu mischen.

Ratlos hinter Fläschchen

„Keine Angst, ich leite Sie“, beruhigt Corinne-Marie Tosello ihre Eleven, die im Labor von Fragonard etwas ratlos hinter sorgfältig aufgereihten Fläschchen, Messbechern und Pipetten sitzen und sich nur schwer vorstellen können, aus einem knappen Dutzend Ölen und Essenzen ihre eigene Komposition zu kreieren.

In den Unterrichtsstunden, die renommierte Hersteller in Grasse für Hobby-Parfümeure anbieten, wird zunächst gerochen. Und während die Schüler mit geschlossenen Augen an Papierstreifen schnuppern, auf denen sich das Bouquet von Bergamotte, Orangenblüte oder Neroli entfaltet, erklärt die Meisterin, wie die angehenden Spezialisten am örtlichen Parfüm-Institut zunächst ein halbes Jahr lang rund 500 Grunddüfte in ihrem olfaktorischen Gedächtnis speichern. Erst dann beginnt die kreative Arbeit, die Komposition lang anhaltender und leicht flüchtiger Aromen zu einem wohlriechenden Ganzen.

Dufthauptstadt Grasse

Während beim Workshop in einer Stunde tröpfchenweise Lieblingsdüfte entstehen, dauert dieser Prozess gut zwei Jahre, wenn die als „Nasen“ bekannten Designer neue Parfums erfinden. Mehr als 50 dieser weltweit etwa 300 Duft-Kreateure arbeiten in Grasse, das sich zur Duft-Hauptstadt entwickelte, seit man im 16. Jahrhundert in den Gassen der Stadt den beißenden Geruch der Ledergerbereien nicht mehr ertragen konnte und begann, die Häute mit Pflanzenessenzen zu parfümieren. Der gute Boden und das Klima zwischen Meer und Bergen sorgten für Rohstoffe im Überfluss: Rosen, Jasmin, Maiglöckchen, Veilchen.

„Wir kultivieren Jasmin und Rosen“, erzählt Carole Biancalana bei einem Streifzug durch den Garten, in dem ihre Familie seit den 1930er-Jahren Blüten für die Parfumherstellung pflanzt. Unter anderem gehört Dior zu den Kunden der fröhlichen, sommersprossigen Frau mit dem breitkrempigen Strohhut.

In langen Reihen stehen die Rosen. Rose Centrifolia oder Mairose heißen die edlen Pflanzen, die an einem Vormittag im Juni recht unspektakulär anmuten. Statt üppiger Blütenpracht steht da nur Grün, so weit das Auge reicht. „Um den vollen Duft zu erhalten, müssen wir in den frühen Morgenstunden pflücken“, erklärt die Gärtnerin. Jede Blüte wird per Hand gezupft und landet im Leinenbeutel. Im Frühsommer sind es die Rosen. Danach kommt der Jasmin.

Fehlt noch der Lavendel, der als der Inbegriff der Provence gilt und in den kühleren Hochlagen der Haute-Provence gedeiht. Der Route Napoléon folgend – der gestürzte Kaiser eilte hier vor exakt 200 Jahren, nach dem Exil auf Elba, während seiner Herrschaft der Hundert Tage in einem siebentägigen Gewaltmarsch von Cannes nach Grenoble – geht es ins Zentrum des duftenden Lippenblütlers.

Lavendelfest in Dignes-les-Bains

Zur Blüte im Juli säumen Blumenteppiche in üppigem Violett den Weg. Im August feiert Dignes-les-Bains fünf Tage lang sein Lavendelfest mit Märkten, Paraden und Blumenumzügen. Doch auch zu jeder anderen Jahreszeit lohnt es sich, die Umgebung genau zu betrachten. Rund um die „Hauptstadt des Lavendels“ zwängen sich überdimensionale Steineier in Felsnischen. Kunstvoll aufgeschichtete Pyramiden säumen den Weg. Am Boden erkennt man Spiralen aus glatt geschliffenen Flusssteinen.

Landsart-Ikone Andy Goldsworthy hinterließ hier seine vergänglichen Kunstwerke. Einige davon in den Refuges d'Art, ehemaligen Schutzhütten in der Umgebung des Thermal- und Luftkurorts, die zu Galerien in der Natur ausgebaut wurden. Es sind reizvolle Ziele, wenn man sich ins gut erschlossene Wegenetz begibt, um diese außergewöhnliche Kunst zu erwandern.

Wer die Light-Version vorzieht, der geht ins geologische Museum, um bei einem 20-minütigen Spaziergang durch den Park in Bächen, unter Kaskaden oder im dichten Gebüsch allerlei Skulpturen zu entdecken. Und dazwischen blitzt violett ein Büschel Lavendel. 

Links:

www.tourismepaca.fr

www.museesdegrasse.com

www.museedelalavande.com


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