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Drachenzähmen leicht gemacht
Lifestyle 5 Min. 31.08.2020

Drachenzähmen leicht gemacht

Wer als Anfänger zu einem kleinen Drachen greift, sollte etwas Geduld mitbringen: Diese verzeihen Fehler beim Lenken nicht zu leicht und reagieren in der Luft wesentlich hektischer als ihre großen Verwandten.

Drachenzähmen leicht gemacht

Wer als Anfänger zu einem kleinen Drachen greift, sollte etwas Geduld mitbringen: Diese verzeihen Fehler beim Lenken nicht zu leicht und reagieren in der Luft wesentlich hektischer als ihre großen Verwandten.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 5 Min. 31.08.2020

Drachenzähmen leicht gemacht

Den Drachen hinter sich her ziehen und dann geht's los? So einfach geht das leider nicht. Gerade Anfänger sind von den harmlosen fliegenden Ungeheuern schnell frustriert.

Von Christian Satorius

Drachen ist nicht gleich Drachen: Das Angebot ist zwar groß, aber nicht jeder Drachen ist für jeden Wind und jeden Drachenbändiger geeignet. Vor allem Neulinge sind schnell frustriert, wenn der schöne neue Lenkdrachen gar nicht erst zum Aufsteigen zu bewegen ist oder ganz einfach macht, was er will. Mit ein bisschen Know-how ist das Drachenzähmen aber ein Kinderspiel.

Der Drachen

Anfänger machen oft den Fehler, dass sie zu kleine Drachen kaufen. Einsteiger sollten lieber größere Drachen mit etwa 150 Zentimetern Spannweite und mehr wählen, weil diese sehr viel gutmütiger reagieren und sich so leichter beherrschen lassen als die hektischer fliegenden Kleindrachen, die Fehler nicht so leicht verzeihen. 

Der Leine kommt darüber hinaus eine entscheidende Bedeutung zu. Unterschiedliche Materialien gibt es reichlich, aber nicht jede Leine ist für jeden Drachen geeignet. Der klassische Einleinerdrachen, der, wie der Name schon sagt, nur über eine einzige Leine mit dem Piloten verbunden ist, sollte sich zu einem gewissen Teil dehnen lassen, um Windstöße abfedern zu können. Der Drachen fliegt so sehr viel ruhiger.

Im Gegensatz dazu muss ein Lenkdrachen die Lenkbefehle möglichst direkt umsetzen, eine dehnbare Leine wäre hier also völlig fehl am Platz. Mit anderen Worten: Für klassische Einleiner sind Polyesterleinen ideal, die sich um bis zu 30 Prozent dehnen lassen. Für Lenkdrachen hingegen eignen sich besonders gut Leinen aus Hochmodulpolyäthylen (HMP) oder auch Aramid- oder Kevlarleinen, die sich in der Länge kaum verändern, maximal um drei oder vier Prozent.


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Auch die Länge der Leine spielt eine wichtige Rolle. Lenkdrachen lassen sich am besten mit 20 bis 30 Metern langen Leinen beherrschen, für alle anderen darf es auch ruhig etwas mehr sein.

Die Sicherheit

Vor allem Lenkdrachenbesitzer kommen oft in die Versuchung, mit den bloßen Fingern regulierend in die Leine zu fassen. Genau das kann zu bösen Verbrennungen und Schnitten führen. Ohne geeignete Handschuhe sollte man das auf keinen Fall tun. Womit wir bei der Sicherheit wären. Klar, dass man Drachen nur auf einem großen geeigneten Gelände steigen lässt, 250 Meter Platz im Rücken sollten es schon sein.

Um Flughäfen herum existiert eine Sicherheitszone. Aber auch in der Nähe von Gebäuden, Tierweiden, Straßen, Bahnschienen und Hochspannungsleitungen sollte man den Drachen nicht steigen lassen. Über den Köpfen von Passanten oder Tieren fliegt man ohnehin nicht, denn ein abstürzender Drachen kann ungeheure Kräfte entfalten und durchaus ein Autodach zerbeulen. Auch Gewitter sind tabu, denn spätestens seit Benjamin Franklin wissen wir, dass Drachen hervorragende Blitzableiter sind.

Wer das Unheil kommen sieht und es nicht schafft, seinen Drachen daran zu hindern, in eine Hochspannungsleitung zu fliegen, der sollte frühzeitig die Leine loslassen und auf gar keinen Fall versuchen, daran ziehend den Drachen wieder frei zu bekommen. Und nein, das ist kein populärer Irrtum: Bäume und hohe Gebäude können wirklich wie Magnete wirken. Die dort entstehenden Luftverwirbelungen können Drachen auch entgegen der vorherrschende Windrichtung regelrecht anziehen.


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Der Wind

Nicht jeder Drachen ist für jede Windstärke geeignet. Im Allgemeinen wird sich die vom Hersteller empfohlene Windgeschwindigkeit auf der Verpackung des Drachens finden. Es gibt Modelle, die ganz ohne Wind sogar in der Halle fliegen, wie die Indoorkites (der Pilot läuft und hält den Drachen so in der Luft) bis hin zu Modellen für Profis, die auch für Starkwind geeignet sind.

Im Allgemeinen eignet sich Wind mit bis zu 30 km/h gut zum Drachenfliegen. Das ist in etwa der Bereich, in dem Gräser und dünne Zweige beginnen, sich zu bewegen, bis hin zu dem Punkt, an dem Laub schon laut rauscht, Äste sich vom Wind biegen, und ganze Baumkronen wippen. Für noch stärkere Windgeschwindigkeiten sollte man schon über einige Erfahrung im Drachensteigen verfügen.

Die Anfängerfehler

Aber auch, wenn der Wind richtig weht, kann man Fehler machen. Weit verbreitet ist das Hochwerfen des Drachens beim Start. Das allerdings führt schnell zu Enttäuschungen. Vielmehr sollte man zum Starten des Drachens ganz einfach mit gleichmäßigem Zug an der Leine beziehungsweise den Leinen ziehen, eventuell dabei noch zwei bis drei Schritte zurückgehen.

Lenkdrachenbesitzer machen darüber hinaus oft den Fehler, gleich nach dem Start hektisch an den Leinen zu reißen und anspruchsvolle Figuren fliegen zu wollen. Am Anfang genügt es allerdings zum Kennenlernen der Flugeigenschaften vollkommen, die Leinen mit Bedacht zu betätigen. Der Absturz ist sonst nämlich schon vorprogrammiert.

Drachen müssen aber nicht abstürzen, man kann sie auch ganz normal und materialschonend landen lassen, indem man ihnen reichlich Leine gibt. Scheint der Absturz unausweichlich, so hilft es oft, die Arme nach vorn zu reißen und einige Schritte auf den Drachen zuzugehen. Einer der größten Anfängerfehler ist es aber, nach den ersten enttäuschenden Flugversuchen gleich an der Einstellung zu arbeiten.

Die Einstellungssache

Mit dem Verschieben des sogenannten Waagerings lässt sich der Drachen einstellen. Er befindet sich dort, wo die Leine am Drachen befestigt ist. Oftmals ist diese Stelle an der Leine farblich markiert, um die Grundeinstellung auch nach dem Verstellen wiederfinden zu können. Diese Waageringe sollten immer nur im Millimeterbereich verstellt werden.


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Allgemein lässt sich sagen, dass das Verschieben des Waagerings in Richtung Schwanz eine größere Flugstabilität einbringt und das Verschieben in Richtung Nase des Drachens in größerem Auftrieb resultiert. Steigt der Drachen also nicht auf, ist der Waagering in Richtung Nase zu verschieben. Steigt er hingegen auf, kippt am Himmel aber nach vorn weg, so sollte der Waagering in Richtung Schwanz verstellt werden. Das gilt übrigens auch für den Fall, dass der Drachen am Himmel schnelle enge Kreise zieht. Auch in diesem Fall muss der Waagering zum Schwanz hin verschoben werden.

Apropos Schwanz: Auch ein Schwanz kann helfen, die Flugstabilität zu erhöhen. Dieser sollte möglichst leicht sein, dafür darf er aber ruhig etwas länger ausfallen. Manchmal hilft aber alles nichts und der Drachen fliegt ganz unkontrolliert mal nach links und mal nach rechts oder dreht enge Kreise in diese Richtungen. 

Vor allem Lenk- und Mehrleinerdrachen können dieses Flugverhalten durchaus schon einmal zeigen. Dann lohnt es sich, die Symmetrie der Waageringe und Leinen zu überprüfen sowie den korrekten Sitz der Gestänge. Wer das nun alles beherzigt, kann ja eigentlich nichts mehr falsch machen. Das Drachenbändigen ist nun ein Kinderspiel – auch für Erwachsene. 

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