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Die Schlösser des Märchenkönigs
Lifestyle 7 Min. 27.01.2019

Die Schlösser des Märchenkönigs

Im Schloss
 Hohenschwangau (r.) verbrachte König Ludwig II. einen großen Teil seiner Kindheit.

Die Schlösser des Märchenkönigs

Im Schloss
 Hohenschwangau (r.) verbrachte König Ludwig II. einen großen Teil seiner Kindheit.
Foto: Fern Morbach
Lifestyle 7 Min. 27.01.2019

Die Schlösser des Märchenkönigs

Die Schlösser von König Ludwig II. (1845-1886) locken jedes Jahr bis zu 1,5 Millionen Menschen ins Ostallgäu. In der Region freut man sich aber auch über andere Touristen.

von Fern Morbach

Was haben Austernschalenpulver, Apfelessigkapseln, Haarkomplexkapseln und ein Perfect-Future-Paket mit den bayerischen Königsschlössern zu tun? An einem Freitagvormittag im Herbst interessieren sich in einem Souvenirladen am Fuße von Schloss Neuschwanstein asiatische Touristen sehr für die Tabletten, Pülverchen und Tinkturen. Die Betreiber des Souvenirladens – in Wahrheit handelt es sich um einen Souvenirsupermarkt – wissen, was sie an den zahlungskräftigen Besuchern aus Fernost haben.

Asiaten lieben die Königsschlösser

Auf einem Busparkplatz, wenige Meter vom Geschäft entfernt, stehen bereits um 10.30 Uhr zwei Dutzend Reisebusse sauber nebeneinander aufgereiht; hinter den Windschutzscheiben von neun Bussen hängen Schilder mit Hinweisen in asiatischer Sprache. Touristen aus Japan oder China begeistern sich sehr für die Schlösser in dieser Ecke des Allgäus – und genauso begeistern sie sich für Tabletten und Luxusartikel. Sie kaufen nicht nur Kohlenhydratblocker und Brennnessel-Tabletten, sie erwerben auch teure Markenuhren und Designertaschen und sie schleppen im Akkord Töpfe und Messer eines deutschen Herstellers zu ihren Bussen.

Das Geschäft brummt, der Laden hält für jeden Besucher und für jeden Geldbeutel das Passende bereit, vom wertvollen Füllhalter bis zum wertlosen Ludwig-Anhänger. Dem Vernehmen nach ist das Geschäft zu einem der wichtigsten Steuerzahler avanciert.

Ein Schloss bezaubert und begeistert Millionen. Bis zu 6 000 Besucher pro Tag schauen sich in der Hochsaison Schloss Neuschwanstein an.
Ein Schloss bezaubert und begeistert Millionen. Bis zu 6 000 Besucher pro Tag schauen sich in der Hochsaison Schloss Neuschwanstein an.
Foto: Fern Morbach

Viel Zeit bleibt den Touristen aus Asien nicht. Die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau sind vom Parkplatz aus in wenigen Minuten zu erreichen. Eine Schlossvisite im Eilverfahren dauert mittlerweile nur noch eine halbe Stunde. Nach der Rückkehr ins Tal und dem unvermeidlichen Shopping geht es mit dem Bus weiter. Es gibt noch viel zu sehen: beispielsweise die Burgruine Falkenstein und vor allem das Schloss Linderhof. Und auch München und Innsbruck sind nicht weit entfernt.

Natürlich freuen sich die Besitzer von Hotels, Cafés und Souvenirläden ebenso wie die Betreiber der Schlösser über die Zehntausenden Besucher aus China und Japan. Die stets aufgeregten Touristen lassen die Kassen klingeln, sie verkörpern aber auch eine Art Tourismus, dem viele zunehmend kritisch gegenüberstehen. Letztlich begrenzt sich der große Rummel aber auf eine kleine und überschaubare Fläche am Fuße der Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau. „Gehen Sie 300 Meter weiter, dort ist es völlig ruhig, dort merkt man nichts mehr von dem Trubel“, sagt Florian Lingenfelder, der Betreiber des Hotels „Das König Ludwig“ in Schwangau, einem Ort fünf Autominuten entfernt.

Ludwig modern und elegant

„Wir waren das erste Hotel in Deutschland, das den Namen von König Ludwig touristisch benutzt hat“, sagt Florian Lingenfelder. „Wir haben das Thema Ludwig aber modern und elegant und mit einem Augenzwinkern interpretiert.“ So hängt an einer Wand in der Lilien Lounge & Bar ein überlebensgroßes Schwarz-Weiß-Porträt von Romy Schneider. Die Schneider verkörperte in den legendären Sissi-Filmen die Kaiserin Sissi von Österreich und diese Sissi war die Cousine von König Ludwig II.

Seit seiner Eröffnung im Jahr 1980 wurde das Hotel mehrere Male erweitert, weitere Modernisierungsarbeiten sind bereits geplant. Heute belegt es ein Areal von immerhin zehn Hektar und erinnert an großzügige Resorts, wie man sie aus Spanien oder Griechenland kennt. Das neue „Ludwig Spa“ beispielsweise liegt am hoteleigenen Schwanensee, die Architektur des überdachten Schwimmbads wurde der Form eines Schwans nachempfunden. „Schließlich war der Schwan das Lieblingstier von König Ludwig“, erläutert Florian Lingenfelder.

Florian Lingenfelder liebt die Königsschlösser. Er möchte seine Heimat aber nicht auf die Prachtbauten reduzieren. „Das Schwangauerland ist sehr erlebenswert, besonders Wanderer und Radfahrer kommen hier auf ihre Kosten.“
Florian Lingenfelder liebt die Königsschlösser. Er möchte seine Heimat aber nicht auf die Prachtbauten reduzieren. „Das Schwangauerland ist sehr erlebenswert, besonders Wanderer und Radfahrer kommen hier auf ihre Kosten.“
Foto: Fern Morbach

An dem Märchenkönig führt in dieser Region im Süden Deutschlands und Bayerns kein Weg vorbei. Ludwig II. wurde am 25. August 1845 in München geboren, er und sein Bruder verbrachten aber die meiste Zeit auf Schloss Hohenschwangau in der Nähe der Stadt Füssen. In Sichtweite von Hohenschwangau verwirklichte sich Ludwig seinen Traum: Er ließ das bis heute unvollendete Schloss Neuschwanstein bauen. Beim Volk war Ludwig II. beliebt, von seinen Ministern wurde er gehasst. Der Märchenkönig wurde nur 40 Jahre alt. Am 13. Juni 1886 starb er im Starnberger See – unter mysteriösen Umständen, die nie aufgeklärt wurden. Die Legende lebt bis heute weiter und beschert der Region Rekorde am laufenden Band.

Königtum von Gottes Gnaden

Im Sommer, in der Hochsaison, drängeln sich jeden Tag bis zu 6 000 Besucher in die Schlösser und auf die Marienbrücke in Sichtweite von Schloss Neuschwanstein. Von dieser Brücke aus hat man einen hervorragenden Blick auf das Schloss, auf Schwangau, auf den Forggensee und auf den Alpsee. Auf dieser Brücke entstehen jeden Tag Zehntausende Fotos, Videos und vor allem Selfies mit dem Märchenschloss formatfüllend im Hintergrund.

Zuletzt lockten die beiden Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein jedes Jahr bis zu 1,5 Millionen Besucher an. Trotz des enormen Andrangs wickeln die Betreiber der Schlösser die Besichtigungen routiniert ab. Eine halbe Stunde lang laufen Besucher beispielsweise auf den Spuren von Ludwig II. durch Neuschwanstein, sie kommen unter anderem in den Thronsaal, die Hauskapelle, den Wintergarten und den Sängersaal und erfahren viel Interessantes über die Baugeschichte und die Ausstattung des Schlosses und vor allem auch über das „Königtum von Gottes Gnaden“, wie es sich Ludwig selbst ausgemalt hatte.

Der Schwan war das Lieblingstier von König Ludwig II. Einem Schwan 
wurde auch der Wellness-Bereich des Hotels König Ludwig nachempfunden.
Der Schwan war das Lieblingstier von König Ludwig II. Einem Schwan 
wurde auch der Wellness-Bereich des Hotels König Ludwig nachempfunden.
Foto: Fern Morbach

Zu Füßen der beiden Schlösser befindet sich heute auch noch das Museum der bayerischen Könige, vier Kilometer weiter liegt das Städtchen Füssen, und nach 50 Autominuten erreicht man das ebenfalls von Ludwig II. erbaute Schloss Linderhof, in dem der König den Geist des Rokoko aufleben ließ. Viele Einheimische empfehlen Touristen den Besuch von Schloss Linderhof besonders: wegen der üppigen Ausstattung des Schlosses, vor allem aber wegen des kunstvollen Landschaftsgartens.

Mehr als nur Prachtbauten

Ohne die Schlösser, ohne den enormen Nachlass des Märchenkönigs wäre diese Region im Allgäu nie zu dem geworden, was sie heute ist. Florian Lingenfelder versichert, man könne in Schwangau und Füssen auch hervorragend Urlaub machen, ohne von frühmorgens bis spätabends durch Schlösser oder Schlossgärten laufen zu müssen. Rund um Schwangau gibt es 130 Kilometer ausgewiesene Wanderwege, in Füssen endet der Lech-Wanderweg, in direkter Nachbarschaft von Schwangau befinden sich ein halbes Dutzend Seen. Ein Geheimtipp von Florian Lingenfelder ist die Kenzenhütte auf 1 294 Metern im Naturschutzgebiet Ammergauer Alpen.

Nicht übersehen sollte man, dass Orte wie Schwangau oder Füssen auch hervorragende Ausgangspunkte für Ausflüge in das ganze Allgäu und nach Österreich sind. Geht es nach Florian Lingenfelder kann man sich die Ausflugsmühe ersparen. „Das Schwangauerland ist sehr erlebenswert, besonders Wanderer und Radfahrer kommen hier auf ihre Kosten.“ Mit am schönsten, sagt der Hotelier, sei es im Januar und im Juni – in der Nebensaison.


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