Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Die Mikrowelle wird 75
Lifestyle 2 Min. 08.10.2020

Die Mikrowelle wird 75

Kein Luxusgut mehr: Mikrowellenherde sind heute bereits für unter 100 Euro erhältlich.

Die Mikrowelle wird 75

Kein Luxusgut mehr: Mikrowellenherde sind heute bereits für unter 100 Euro erhältlich.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 2 Min. 08.10.2020

Die Mikrowelle wird 75

Christian SATORIUS
Christian SATORIUS
Die Wundermaschine in der Küche feiert am Donnerstag ihren 75. Geburtstag – das erste Modell wog noch rund 300 Kilogramm und war 1,80 Meter groß.

Mit einer Größe von 1,80 Metern und einem Gewicht von rund 340 Kilogramm war der erste Mikrowellenherd der Welt ein ziemlicher Klotz. Die 3.000 Watt Leistung machten eine Wasserkühlung erforderlich. Als die ersten Geräte Ende der 1940er-Jahre auf den Markt kamen, kosteten sie rund 3.000 US-Dollar, was einem heutigen Wert von etwa 35.000 Dollar entspricht. Das war für Privatleute natürlich viel zu teuer und so verkaufte der Hersteller Raytheon seine „Radarange“ genannten Mikrowellenherde kurzerhand an Großküchen. 

Wie eine Radaranlage

Dass der Name des Produkts an eine Radaranlage erinnert, kommt nicht von ungefähr, denn in seinem Inneren beherbergt jeder Mikrowellenherd auch heute noch ein Magnetron, das auch in Radaranlagen Verwendung findet. Ja mehr noch, der Erfinder des heutigen Mikrowellenherdes, der US-Ingenieur Percy Spencer, tüftelte 1945 gerade an dem Magnetron einer Radaranlage, als er durch Zufall bemerkte, dass dieses Bauteil auch hervorragend dazu geeignet war, Speisen zu erwärmen: Als er neben einem angeschalteten Magnetron stand, schmolz nämlich ein Schokoriegel in seiner Tasche. 


Nachgemacht: Lidl gegen spanischen Erfinder vor Gericht
Ein spanischer Kleinunternehmer erfindet einen Trockenfrucht-Saftmacher, Lidl bringt ein fast identisches Produkt auf den Markt. Das war nicht recht, stellt das Mannheimer Landgericht fest.

Die „Methode Nahrungsmittel zuzubereiten“, die Spencer am 8. Oktober 1945 zum Patent anmeldete, hat sich bis heute nicht geändert. Die dipolaren Moleküle von Nahrungsmitteln, etwa Wassermoleküle, kann man sich wie kleine Kompassnadeln vorstellen, die sich nach dem Magnetfeld ausrichten, das sie umgibt. Wechselt das magnetische Feld um sie herum, dann richten sie sich dementsprechend neu aus. Im Mikrowellenherd geschieht das mehrere Milliarden Mal pro Sekunde. Die molekulare Reibungswärme, die dabei entsteht, erhitzt die Speisen. 

Sofort servierfertig

Die Vorteile des Verfahrens liegen auf der Hand. Da die elektromagnetischen Wellen tief in die Nahrungsmittel eindringen und so Bereiche unterhalb der Oberfläche erreichen, kann sich die Mahlzeit schneller erwärmen. Zudem kann die Zubereitung auf einem servierfertigen Teller erfolgen. 

Auch wenn sich an alledem seit damals nichts geändert hat, so sind doch die Geräte selber im Laufe der Zeit kleiner, handlicher und auch billiger geworden. Zuerst nur in Großküchen eingesetzt, eroberten die Mikrowellenherde ab den 1950er-, vor allem aber in den 1960er- und 1970er-Jahren nach und nach auch die Privathaushalte. Abseits der USA dauerte es sogar noch etwas länger. 


03.09.2020, Berlin: Das Logo der IFA steht am Messegelände unter dem Funkturm. Die Technikmesse wurde am Donnerstag für Fachbesucher und akkreditierte Journalisten geöffnet. Die Öffentlichkeit ist wegen der Corona-Pandemie ausgeschlossen. Im Jahr 2019 hatten noch fast 250 000 Menschen die IFA besucht. Foto: Christoph Dernbach/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Trends von der Technikmesse IFA
Ob von den Herstellern beabsichtigt oder nicht: Die meisten Technikneuheiten passen sui generis zur neuen Corona-Normalität. Home Electronics machen den Alltag Zuhause angenehmer.

Kostete ein Mikrowellenherd 1955 noch 1.300 US-Dollar, was einem heutigen Wert von über 12.000 US-Dollar entspricht, so purzelten die Preise zunehmend. 1967 waren die Preise schon auf unter 500 Dollar gefallen und 1972 bekam man eine Mikrowelle in den USA schon für 349 Dollar. 

Laut dem US-Büro für Arbeitsmarktstatistik (Bureau of Labor Statistics) in Washington D. C. gab es 1971 in einem Prozent aller Haushalte in den USA einen Mikrowellenherd. 1986 waren es schon 25 Prozent und 1997 über 90 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland besaßen 2019 rund 73 Prozent aller Privathaushalte einen Mikrowellenherd.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Bestes Gemüserestaurant der Welt in Luxemburg
Die "Distillerie" in Bourglinster unter Küchenchef René Mathieu wurde bei den "We’re Smart Awards" als bestes Gemüserestaurant der Welt ausgezeichnet. Daneben gingen noch zwei weitere Preise nach Luxemburg.
Der fünfte Geschmackssinn: Was umami so lecker macht
Von süß, sauer, salzig und bitter haben wir konkrete Vorstellungen. Aber was ist mit „umami“? Dieser fünfte Geschmack ist weniger leicht zu fassen. Der Koch Heiko Antoniewicz bezeichnet ihn gern als den besonderen "Lecker-Effekt“.