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Die Erfolgsgeschichte einer Knolle
Lifestyle 2 1 4 Min. 14.08.2021
Die Kartoffel

Die Erfolgsgeschichte einer Knolle

Nach Schätzungen gibt es weltweit mehr als 7.000 Kartoffelsorten – und es kommen immer wieder neue Züchtungen hinzu.
Die Kartoffel

Die Erfolgsgeschichte einer Knolle

Nach Schätzungen gibt es weltweit mehr als 7.000 Kartoffelsorten – und es kommen immer wieder neue Züchtungen hinzu.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 2 1 4 Min. 14.08.2021
Die Kartoffel

Die Erfolgsgeschichte einer Knolle

Erst argwöhnisch beäugt, dann geliebt in allen Gesellschaftsschichten: Wie aus einem Arme-Leute-Essen ein farbenprächtiger Gourmet-Schmaus wurde.

Von Christian Satorius

Wer an rote oder blaue Kartoffeln denkt, der hat sofort den Chemiebaukasten der Lebensmittelindustrie im Kopf. Aber weit gefehlt: Ganz natürlich gewachsene bunte Kartoffelsorten gibt es viele, nur kennt sie heute kaum jemand noch. In der Gourmet-Küche allerdings feiern sie seit einiger Zeit ein erstaunliches Comeback. Während manche Sorten durch eine rote Schalenfarbe auffallen, „Tizia“ etwa oder auch „Laura“, so haben andere zusätzlich zur roten Schale auch noch rotes „Fleisch“, wie die Fachleute sagen: „Highland Burgundy Red“ oder „Salad Red“ zum Beispiel.

Noch ungewöhnlicher sehen wohl nur noch die blauen Sorten aus, bei denen der sekundäre Pflanzenstoff Anthocyan für eine blaue oder auch violette Schale und auch ein ebenso gefärbtes Fleisch sorgt. Im Handel sind sie jedoch nur selten zu finden – schade eigentlich, denn aus „Blauen Sutis“, „Blauen Mauritius“ und „Blauen Schweden“ lassen sich aufgrund der Färbung und auch des Geschmacks ganz extravagante Gerichte zaubern, die es nicht nötig haben, künstlich mit Lebensmittelfarbe aufgepeppt zu werden.


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Aus dem Herzen Südamerikas

Zwar gibt es weltweit tausende Kartoffelarten, der Hauptmarktanteil verteilt sich aber in jedem Land auf ein halbes Dutzend Sorten. Dass es überhaupt einmal soweit kommen würde, hätte sich früher wohl niemand träumen lassen, denn als die ersten Kartoffeln in Europa eingeführt wurden, betrachtete man sie noch mit Argwohn. Ursprünglich stammen sie aus den Andengebieten Venezuelas bis Argentiniens. Auf der Insel Chiloé fanden Forscher die Spuren der wohl ältesten Kartoffeln überhaupt, sie waren ganze 13.000 Jahre alt. Die spanischen Entdecker und Eroberer sahen die Kartoffeln dann im 16. Jahrhundert bei den Inkas und brachten sie mit nach Europa.

Von Spanien aus verbreiteten sie sich dann im Laufe der Zeit über den gesamten Kontinent. Schon 1596 tauchten sie im Katalog des Londoner Botanischen Gartens auf, wo man sie als Zierpflanze beziehungsweise botanische Rarität aufgrund des üppigen Wuchses und der schönen Blüten hielt. Bis heute erzählt man sich in England die Legende, Sir Francis Drake habe Kartoffelpflanzen als Beutegut bei seinem Sieg über die Spanische Armada mit nach England gebracht, was Wissenschaftler aber bezweifeln.

In Italien und auch in den Niederlanden wurde die Kartoffel im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts baute man sie dann in Irland schon als Nahrungsmittel an. Im Gegensatz zum Getreide war die Kartoffel leichter zu ernten: Sie musste nicht erst aufwendig aus den Ähren gedroschen werden und auch der Flächenertrag lag deutlich höher als beim Getreide.

Nach Deutschland kam sie in größeren Mengen wohl erst etwa Mitte des 17. Jahrhunderts und einigen Historikern zufolge wohl zuerst nach Bayern. Bis nach Sachsen drang sie 1716 vor, bis Preußen gar erst 1738. Der Alte Fritz, Friedrich II. von Preußen, erkannte das Potenzial der Kartoffel als Nahrungsmittel recht schnell und erließ am 24. März 1756 die „Circular-Ordre“, die als „Kartoffelbefehl“ bekannt geworden ist, und in der der großflächige Kartoffelanbau angeordnet wurde: „Wo nur ein leerer Platz zu finden ist, soll die Kartoffel angebaut werden.“


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Die preußischen Untertanen konnten dem neuen Nahrungsmittel allerdings zuerst rein gar nichts abgewinnen. Vorurteile und sogar Aberglauben behinderten den Siegeszug des Nachtschattengewächses so sehr, dass Saatkartoffeln sogar kostenlos verteilt werden mussten.

Kartoffelanbau in Luxemburg

Ähnlich erging es der Kartoffel auch in Luxemburg: Die Anfang des 18. Jahrhunderts eingeführte Knollenpflanze stieß auf wenig Gegenliebe und soll erst durch die Förderung durch Kaiserin Maria Theresia – damals gehörte das heutige Großherzogtum zu den Österreichischen Niederlanden – im Laufe der Folgejahrzehnte neue Fans gewonnen haben. Erste Anbaugebiete fanden sich im Ösling: Esch/Sauer und Knaphoscheid werden in den Quellen genannt.

Anfang des 19. Jahrhunderts griffen in Europa die eingeschleppten Kartoffelkrankheiten immer mehr um sich. Die Kartoffelfäule – ausgelöst durch den Pilz Phytophthora infestans – etwa wurde erstmals im Sommer 1845 in Luxemburg nachgewiesen, aus den Folgejahren sind Missernten überliefert. Der Kartoffelkäfer, ein weiterer Feind der Pflanzen, wurde im Großherzogtum erstmals 1936 beobachtet – weit nach den ersten Funden in den Nachbarländern.

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Trotz aller Vorbehalte und Misserfolge erfreut sich die Kartoffel in den hiesigen Breiten heute großer Beliebtheit. Verwendung findet sie dabei nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch als Futtermittel oder auch als Ausgangsstoff für die Ethanolgewinnung. Gesund sind die Knollen auf jeden Fall, enthalten sie doch pro 100 Gramm nur rund 68 Kalorien und neben 75 Prozent Wasser sowie 17 Prozent Stärke auch die Vitamine A, B1, B6, C und Folsäure beziehungsweise Spurenelemente.

Beim Verzehr sollte man darauf achten, die Kartoffeln gut zu erwärmen, denn rohe Kartoffeln führen zu Magenschmerzen und können in größeren Mengen zum Tod führen. Alkaloide, wie das giftige Solanin, befinden sich vor allem in den grünen Bestandteilen der Kartoffel. Diese sollten also vor dem Verzehr entfernt werden. Entstehen können sie beim Anbau, wenn Teile der Knolle aus dem Boden ragen und so Sonnenlicht und Wärme ausgesetzt sind. Aber auch eine falsche Lagerung kann dazu führen, dass sich grüne Stellen bilden, etwa durch Lichteinwirkung.


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Optimal ist es deshalb, die Kartoffeln mit unbeschädigter und trockener Schale dunkel zu lagern, sowie auch trocken und kühl. Die beste Lagertemperatur liegt zwischen 5 und 10 Grad Celsius. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte etwa 90 Prozent betragen. Bei kühleren Temperaturen wandelt sich die Stärke in Zucker um, während wärmere Temperaturen dazu führen können, dass die Kartoffeln mit dem Keimen beginnen, bei einigen Sorten beginnt das Keimen sogar schon ab 8 Grad Celsius.

Am besten lagert man sie in einem luftigen Behälter, auf gar keinen Fall in Plastikverpackungen. Obenauf kann man Papier legen, dies verhindert das Austrocknen. Ist die Luft nämlich zu trocken, dann schrumpeln die Knollen, während zu feuchte Luft zu Schimmelbildung führt. 

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