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Die Herrin der Düfte
Lifestyle 5 Min. 25.03.2019

Die Herrin der Düfte

Das Stammhaus von 4711 empfängt Besucher mit einer Mischung aus Klassik und Moderne - und einem Duftnebel von "Echt Kölnisch Wasser".

Die Herrin der Düfte

Das Stammhaus von 4711 empfängt Besucher mit einer Mischung aus Klassik und Moderne - und einem Duftnebel von "Echt Kölnisch Wasser".
Foto: PR
Lifestyle 5 Min. 25.03.2019

Die Herrin der Düfte

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
4711-Parfümeurin Alexandra Kalle spricht im Interview über moderne Klassiker, ungewöhnliche Noten und Unisex-Kompositionen.

Köln, das ist nicht nur Karneval und der Dom, sondern auch 4711. Das Unternehmen, dessen Name seit 1792 als Synonym für Erfrischungs- und Duftwasser gilt, präsentiert seinen Prunksitz in der Kölner Glockengasse seit einiger Zeit in modernisiertem Gewand. Verantwortlich für die neuen Kreationen des Traditionshauses, die der Marke in den vergangenen Jahren zu einem neuen, zeitgemäßeren Image verhelfen konnten, ist Parfümeurin Alexandra Kalle.

Alexandra Kalle entdeckte ihr Talent durch Zufall: Bei einem Bewerbungsgespräch für einen Marketing-Job überzeugte sie mit ihrem feinen Näschen.
Alexandra Kalle entdeckte ihr Talent durch Zufall: Bei einem Bewerbungsgespräch für einen Marketing-Job überzeugte sie mit ihrem feinen Näschen.
Foto: PR

Alexandra Kalle, „Echt Kölnisch Wasser“ feiert seinen 227. Geburtstag. Wie lässt man solch einen Klassiker modern wirken?

Zum einen lieben wir den Klassiker so, wie er ist – und belassen ihn auch so. Um 4711 auch zeitgemäß und modern werden zu lassen, haben wir unter anderem neue Linien ins Leben gerufen, etwa „Acqua Colonia“ oder „Remix“, die sich sehr stark am Original orientieren, aber durch die Optik natürlich auch jüngere Leute ansprechen. Wir haben leider die Erfahrung gemacht, dass das klassische Cologne in Deutschland als sehr traditionell wahrgenommen wird. In Frankreich lieben die Leute dagegen den Duft. Wenn man durch die Provence geht, riecht es überall nach Orangenblüten.

  Wenn jemand glaubt, dass ein Duft leicht ist, dann heißt das nicht, dass das auch den Tatsachen entspricht. 

Unter dem Titel „Acqua Colonia“ wurden einige ungewöhnliche Duftkombinationen lanciert. Etwa Brombeere und Kakao oder Vanille und Kastanie. Woher wissen Sie, was miteinander harmoniert?

Ganz wichtig ist das Kontrastreiche und das Experimentieren. Da kommt es manchmal zu einem Überraschungseffekt. Es ist wie in der Musik: Ein paar Töne klingen einzeln komisch, aber in die Komposition bringt das auch eine gewisse Spannung hinein.


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Entdecken Sie unterwegs auch manchmal ungewohnte, neue Duftkomponenten?

Ich war vergangenes Jahr häufig in Südfrankreich. Dort bin ich auf den Seidenbaum aufmerksam geworden, der mir optisch schon immer gut gefallen hat. Seine Blüten sehen aus wie eine Putzbürste für die Küche, sind aber ganz weich und bewegen sich im Wind. Das hat so wundervoll gerochen, dass ich fast wahnsinnig geworden bin. Manchmal entdecke ich aber auch neue Kombinationen. Etwa während eines anderen Urlaubs, da war ich in einem Wald, es begann zu regnen und durch die Feuchtigkeit trat die Kombination aus Eukalyptus und Zedernholz hervor. Da dachte ich gleich: Daraus müsste man mal was machen.

Durch „Echt Kölnisch Wasser“ wird allen 4711-Düften eine Basis vorgegeben. Ist es für Sie möglich, dieses Frische, Zitronige zu durchbrechen?

Ja und Nein. Es kommt immer darauf an, wie experimentell wir sein möchten. Gut funktionieren die leichten, frischen Düfte. Das ist auch eingänglich für den Konsumenten. Wir glauben nichtsdestotrotz, dass ein Cologne mehr als nur Zitrus-Welten öffnen kann und haben deswegen im vergangenen Jahr die Duftnoten Myrrhe und Kumquat sowie Safran und Iris lanciert, die wesentlich opulenter und voluminöser sind.

Die meisten Ihrer Duftkompositionen sind unisex. Ist das die Zukunft?

Ich bin kein Freund der Geschlechtertrennung. Aber der Handel und die Kunden sind noch nicht so weit. Die Frau möchte sich weiblich angesprochen fühlen und der Mann maskulin – und dementsprechend sucht man auch in den Regalen. Dem Individualisten ist das vollkommen egal. Er schaut, welche Marke und welche Optik ihn ansprechen. Bei „Acqua Colonia“ ist Unisex ein Thema, obwohl uns schon bewusst ist, dass die meisten Konsumenten weiblich sind. Die Linie deckt in gewisser Weise alles ab: Ein Duft etwas maskuliner, der andere wirklich unisex und dann darf es auch mal wieder weiblicher sein.

Die Linie "Acqua Colonia" zeichnet sich durch außergewöhnliche Duftkombinationen aus, so auch im Falle von "Saffron & Iris".
Die Linie "Acqua Colonia" zeichnet sich durch außergewöhnliche Duftkombinationen aus, so auch im Falle von "Saffron & Iris".
Foto: Hersteller

Wenn Sie einer Person begegnen: Wissen Sie sofort, welcher Duft zu diesem Typ Mensch passt?

Jemanden rein äußerlich zu beurteilen, das kann klappen, muss aber nicht. Mir helfen eher Aussagen, die von den Teilnehmern unserer Seminare kommen. Sie sagen mir, welche Parfums sie benutzen oder in welche Richtung es gehen soll – ohne dabei in Fachsprache abzudriften. Mir reicht ein „eher frisch und leicht“ aus. Wobei ich da auch differenzieren muss: Wenn jemand glaubt, dass ein Duft leicht ist, dann heißt das nicht, dass das auch den Tatsachen entspricht.

Wie umgeben Sie sich privat mit Düften?

Tagsüber benutze ich gar keinen Duft, weil ich sonst abgelenkt wäre. Außerdem brauche ich meine Haut, um die Kreationen, an denen ich arbeite, zu testen. Aber ich liebe Düfte und in meiner Freizeit trage ich permanent welche, meist aus meinem Repertoire oder solche, an denen ich gerade arbeite. Duftkerzen mag ich dagegen gar nicht. Ich bin lieber in der Natur und schnüffle mich durch die Gegend. 


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