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Die grünen Alpen im Nordmeer
Wanderer unterwegs auf der Dronningruta, der Route der Königin.

Die grünen Alpen im Nordmeer

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Wanderer unterwegs auf der Dronningruta, der Route der Königin.
Lifestyle 4 Min. 03.04.2019

Die grünen Alpen im Nordmeer

Die Vesterålen hoch im Norden Norwegens sind längst nicht so bekannt wie die Lofoten. Die Inseln locken Wanderer in nordische Landschaften. Und werben mit 100 Prozent Walgarantie.

von Bernd F. Meier

Steil windet sich der schmale Wanderpfad bergan. Oben auf dem Bergrücken entschädigt die Aussicht auf das Nordpolarmeer die Mühen. Die Wandergruppe begeht die 15 Kilometer lange Dronningruta. Bis zu acht Stunden wird sie unterwegs sein auf der Tour am Nordrand der Insel Langøya, die über den 448 Meter hohen Finngamheia führt. Es ist der höchste Punkt der landschaftlich abwechslungsreichen Route mit ihren Felsen, Bergseen, Bächen und sumpfigen Küstenzonen – ein wahrer Geheimtipp für die Besucher des Vesterålen-Archipel, das noch im im Schatten der Lofoten steht.

Felsenküste in Andenes - mittig im Licht erhebt sich der Berg Røyken.
Felsenküste in Andenes - mittig im Licht erhebt sich der Berg Røyken.
Foto: dpa

Dabei sind die Inseln ein wahres Naturparadies. „Die Lofotenberge sind schroff, es gibt dort wenige Wanderrouten. Wir haben die grünen Alpen im Nordmeer“, sagt Kjetil Paulsen, Tourismusmanager in der Gemeinde Sortland. Nur auf einer Seite sind die Berge felsig, auf der anderen fallen sie sanft ab. Vesterålen ist weitläufig und zeigt alle Landschaftsbilder Nord-Norwegens: gezackte Felsen, Birkenwaldungen, grasgrünes Weideland, Schaf- und Kuhwiesen, Moore und einsame Binnenseen.

Pitorresk und beliebt als  Ausflugsziel: Nyksund ist kein Geheimtipp mehr im Vesterålen.
Pitorresk und beliebt als Ausflugsziel: Nyksund ist kein Geheimtipp mehr im Vesterålen.
Foto: dpa

Kein Massentourismus

Die meisten Reisenden kommen zum Wandern und Wale beobachten auf die Hauptinseln Andøya, Langøya und Hadseløya. Urlauber müssen in der Hauptsaison von Juni bis Anfang August trotz eines Boom des Wandertourismus nicht wirklich mit Massen rechnen. Auch zur Nebensaison hat das Hurtigruten-Museum in Stokmarknes geöffnet. Der Küstenort auf Hadseløya gilt als Gründungsstätte der legendären Postschifflinie, die am 2. Juli 1893 mit dem Dampfschiff „Vesteraalen“ den regelmäßigen Betrieb entlang der Küste zwischen Trondheim und Hammerfest aufnahm.

Die historische Post- und Handelsstation in Jennestad bei Sortland ist heute ein Museum.
Die historische Post- und Handelsstation in Jennestad bei Sortland ist heute ein Museum.
Foto. dpa

Das Museum entführt in die Vergangenheit der „schnellen Linie“ (Hurtigruten). Seit 1936 verkehren die Schiffe hier täglich zwischen Bergen und Kirkenes. Dabei werden 34 Häfen angelaufen, in Vesterålen sind es Stokmarknes, Sortland und Risøyhamn. Auch im Winter versorgen die Schiffe die abgelegenen Küstenorte, wenn Gebirgsstraßen durch Schnee und Eis für den Autoverkehr unpassierbar sind.

Mit Walgarantie

Nach Andenes kommen Reisende aus aller Welt zur Walsafari. „Wir garantieren zu 100 Prozent, dass sie während einer Bootstour mit uns Wale sehen“, verspricht eine Werbung. Ob das stimmen kann? „Ja klar, wir wissen, wo die Wale sind“, sagt Geir Maan. Der Seebär ist Eigner und Kapitän des Motorschiffs „Reine“. Seit 1992 hat er schon Tausende Touren hinaus aufs Meer gemacht und dabei nach eigenen Worten Zehntausende Wale beobachtet. Pottwale im Juni und August, hin und wieder auch Delfine. Im Winter sind es die Buckel- und Schwertwale, die den Heringsschwärmen folgen.

Postschiff auf Kurs: Die Hurtigruten-Schiffe laufen drei Häfen der Vesterålen an.
Postschiff auf Kurs: Die Hurtigruten-Schiffe laufen drei Häfen der Vesterålen an.
Foto: dpa



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Nur ein paar Meilen entfernt von der Küste fällt der Meeresgrund des Festlandssockels hinab auf 2 000 Meter. „In diesem Bereich, dem Bleik-Canyon, finden die Wale ihre Nahrung“, erklärt Maan. Das Wetter kann jedoch einen Strich durch die Rechnung machen, denn bei Sturm und tosenden Wellen fallen die Touren buchstäblich ins Wasser. Die Gäste bekommen dann ihr Geld zurück, immerhin mehr als 100 Euro für Erwachsene.

Ortswechsel in das 80-Einwohner-Dorf Blokken am Sortlandsund. Hier liegt die Lachsfarm der Vesterålen. Sie ist eine der wenigen Aquakulturen Norwegens, in denen Besucher die industrielle Fischproduktion aus nächster Nähe erleben. „14 Millionen Menschen essen täglich Lachs aus Norwegen“, sagt Führer Sverre B. Birkeland. „Bei uns wachsen 300 000 Zuchtlachse heran.“ Zwei bis zweieinhalb Jahre leben die Speisefische in der Aquakultur. Dann wiegen die Lachse sechs Kilo, sind schlachtreif und werden zur Fischfabrik in Stokmarknes gebracht, wo ihnen ein rasches Ende gemacht wird. Nur drei Stunden dauert die Verarbeitung zu versandfertigen Portionen, drei Tage und länger der Transport per Kühllaster nach Deutschland, Frankreich oder Großbritannien.

Die Toilette des Rastplatzes Bukkekjerka entlang der nationalen Touristenstraße Andøya bietet besondere Ausblicke - doch von außen ist die Glasfront undurchsichtig.
Die Toilette des Rastplatzes Bukkekjerka entlang der nationalen Touristenstraße Andøya bietet besondere Ausblicke - doch von außen ist die Glasfront undurchsichtig.
Foto: dpa

Ziel von Aussiedlern

Sverre kam aus Lillehammer nach Vesterålen. Er ist einer derer, die in der Einsamkeit 300 Kilometer nördlich des Polarkreises ihr Lebensglück suchen. Die Zugezogenen stammen hier aus allen Regionen Norwegens – und auch dem Ausland. Wie etwa Ssemjon Gerlitz aus dem Rheinland. Er kam 1997 nach Nyksund im Norden Langøyaa, das wie ausgestorben war, da viele Fischer den Ort in den 1970er-Jahren verließen. Die Regierung in Oslo tat nichts gegen das langsame Sterben des kleinen Ortes. Besiegelt schien damit das Schicksal von Nyksund, das in alten Zeiten als eines der reichsten und auch größten Fischerdörfer in Vesterålen galt.

Für solch ein Motiv kommen viele Urlauber nach Vesterålen - die Inselgruppe eignet sich ideal dafür, Wale zu beobachten.
Für solch ein Motiv kommen viele Urlauber nach Vesterålen - die Inselgruppe eignet sich ideal dafür, Wale zu beobachten.
Foto: Asgeir Helgestad/Artic Light AS/Visitnorway.com

Mittlerweile sind die Norweger wieder zurückgekehrt in das Dorf, wo heute ein Restaurant, ein Gasthof und eine Pension auf Besucher warten. Die kleine Kapelle, ein Trödelladen, drei Galerien und eine Bar runden das pittoreske Ortsbild ab – in das sich immer häufiger auch Kreuzfahrttouristen verlieren. Aber zum Glück längst nicht so viele wie auf den Lofoten. 


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