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Die Aura des Tempel-Dreiecks
Lifestyle 5 Min. 20.06.2018

Die Aura des Tempel-Dreiecks

Antike Tempelanlagen sind eines von vielen Markenzeichen Griechenlands: so wie hier am Kap Sounion.

Die Aura des Tempel-Dreiecks

Antike Tempelanlagen sind eines von vielen Markenzeichen Griechenlands: so wie hier am Kap Sounion.
Foto: Marc Willière
Lifestyle 5 Min. 20.06.2018

Die Aura des Tempel-Dreiecks

Marc WILLIERE
Marc WILLIERE
Mit Geometrie muss man nichts am Hut haben. Und somit das Dreieck zwischen Athen, Ägina und Sounion auch nicht sehen. Aber es gibt der Geschichte und dem Griechenland-Besuch einen Rahmen, in dessen Grenzen es viel zu entdecken gibt – Antikes wie Modernes.

Die Staatsschuldenkrise, die Griechenland vor acht Jahren heimsuchte, ließ nicht nur viele Menschen der Mittelklasse verarmen. Auch viele Touristen wandten sich damals von der gastfreundlichen Mittelmeerrepublik ab. Inzwischen habe sich die Lage wieder gebessert, verkündet Lefteris Kretsos nicht ohne Stolz. Viele Reformen haben dem Generalsekretär im Ministerium für Medien und Kommunikation zufolge wieder zu Stabilität und Wachstum geführt und ließen die Griechen optimistischer in die Zukunft blicken.

Und auch die Touristen kommen wieder – für 2018 rechnet die Regierung sogar mit rekordverdächtigen 32 Millionen Gästen. Ihre Entscheidung, Griechenland zu bereisen, dürften sie nicht bereuen. Unter der wie eh und je scheinenden Sonne am weiterhin azurblauen Meer hält Hellas für fast jeden Geschmack etwas bereit.

Wiege der Demokratie

An Athen führt kein Weg vorbei. Die griechische Hauptstadt lockt ebenso mit ihrem historischen und kulturellen Reichtum wie mit ihrem Großstadtflair und den ihr eigenen Kontrasten.

Auf der Akropolis wartet das in Stein gemeißelte goldene Zeitalter des Perikles. Wer ihm nah sein will, muss zum Tempel der Nike, zum Erechtheion mit seinen Karyatiden und zum weltberühmten, der Stadtgöttin Athene gewidmeten Parthenon hinaufsteigen. Einen lohnenden Blick auf den mächtigen Felsen, wo der "Grundstein der europäischen Zivilisation" gelegt wurde, bietet die Promenade an seinem Fuß. Sie führt auch am exklusiven Akropolis-Museum mit den schützenswerten Schätzen des Stadthügels vorbei. Lohnender Ausgangspunkt ist der lebhafte Monastiraki-Platz in der Plaka mit seinen fahrenden Händlern und vielen kleinen Geschäften. Bis spät in die Nacht pulsiert das Leben in den unzähligen Cafés, die sich an den Stufen des Stadthügels aneinanderreihen.

Am Syntagma-Platz ist die moderne griechische Demokratie zu Hause. Zu einem Schauspiel der besonderen Art versammeln sich stündlich Gäste aus aller Welt am Denkmal des unbekannten Soldaten vor dem Parlament. Die zur Wachablösung antretenden Evzonen der Präsidialgarde sind außergewöhnlich in puncto Kleidung und Schritte.

In unmittelbarer Nähe zeigen unzählige Museen sehenswerte Kunstwerke. Auf die sakrale christliche Kunst hat sich das Byzantinische Museum spezialisiert. Direkt gegenüber grüßen der Stadtberg Lykabettus und das elegante Viertel Kolonaki. Von der Krise, die anderswo in Athen deutliche Spuren mit geschlossenen Geschäftslokalen, verkommenen Häusern und auf der Straße lebenden Menschen hinterlassen hat, ist hier nichts zu sehen und zu spüren. Luxusgeschäfte und Cafés bedienen eine wohlhabende Kundschaft.

Gemütliches Essen am Strand, wie hier in Perdika auf Ägina.
Gemütliches Essen am Strand, wie hier in Perdika auf Ägina.
Foto: Marc Willière

Pistazien und Calamari

Wer der Hektik der Großstadt entfliehen will, geht in Piräus an Bord einer Jacht und lässt sich in zwei Stunden – einen kurzen Schwimmstopp unterwegs nicht mitgerechnet – nach Ägina schippern. Spätestens hier erfährt der Neuankömmling, dass die alten Griechen die Standorte für ihre Tempel bewusst wählten.

Neben der mittelalterlichen Siedlung Paleochora mit den Ruinen von 38 Steinkapellen und der orthodoxen Klosterkirche mit dem einbalsamierten Körper des Heiligen Nektarios beherbergt die kleine Insel im Saronischen Golf den Tempel der Zeus-Tochter Aphaia. Das eindrucksvolle Heiligtum thront über der Bucht von Agia Maria inmitten eines Pinienwaldes und bildet zusammen mit dem Parthenon sowie dem Poseidon-Tempel auf Kap Sounion ein gleichschenkliges Dreieck – ein Symbol für die Macht und Reichweite des antiken Athen.

Ägina belohnt seine Gäste aber auch kulinarisch. Bereits im Hafen bieten schwimmende Gemüseläden ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse an. Zu einem typisch griechischen Mittagessen empfiehlt sich der Fischerhafen von Perdika mit seinen weiß getünchten Häusern – die Kykladen lassen grüßen. Frischer als hier können die gegrillten Calamari und Sardinen kaum sein. Und ohne eine Tüte Pistazien aus lokalem Anbau, für die Ägina ebenfalls bekannt ist, sollte man nicht wieder in See stechen. So hallt der Besuch in der Hafenstadt mit ihren engen Gassen und neoklassizistischen Gebäuden wenigstens geschmacklich noch etwas nach.

Mythisches Kap

Bei guter Sicht sind von Ägina aus sowohl der Parthenon als auch der dritte Tempel des berühmten Dreiecks in Sounion auszumachen. Die Fahrt dorthin von Athen aus lohnt allein schon wegen des Panoramas der Küstenstraße mit den Badeorten der Athener. Zwischen Faliro und Palaia Fokaia wechseln sich herrliche Sandstrände, felsige Buchten und üppige Naturlandschaften ab, bevor endlich am Horizont das mythische Kap Sounion auftaucht. Auch nach wiederholten Malen ist der Anblick des steil aus dem Meer aufragenden Felsplateaus mit dem dorischen Poseidon-Tempel immer wieder erhaben.

Griechische Geschichte wird in Sounion lebendig. Der Legende nach hat sich König Ägeus hier ins Meer gestürzt, als er fälschlicherweise glaubte, dass sein einziger Sohn Theseus vom Furcht erregenden Minotaurus im Labyrinth besiegt worden war. Das Ägäische Meer trägt bis heute den Namen des Königs.

Zu einem Hellas-
Urlaub gehört ein Abstecher in eine Bucht der Insel Salamis unbedingt dazu.
Zu einem Hellas-
Urlaub gehört ein Abstecher in eine Bucht der Insel Salamis unbedingt dazu.
Foto: Marc Willière

Vom Kap aus standen einst der Eingang zum Saronischen Golf und die Handelsstraßen unter Beobachtung. Heute genießen Einheimische wie Touristen nur noch den herrlichen Ausblick auf die Küste und die vorgelagerte Inselwelt.

Richtig voll wird es am frühen Abend, wenn die Sonne ihre orangefarbenen Strahlen auf die antiken Säulen wirft, bevor sie im Meer verschwindet. Viele mögen die Abenddämmerung am Kap wohl als kitschig empfinden, und dennoch können sich die Allerwenigsten ihrer besonderen Aura entziehen: Sounion ist und bleibt ein absolutes Muss und ein millionenfaches Fotomotiv.

Den Abend genussvoll ausklingen lässt sich am besten bei einem Glas der vorzüglichen Weine, für die Region Attika ebenfalls bekannt ist. Egal für welchen der fruchtigen Savatiano, Malagousia, Assyrtiko oder Agiorgitiko man sich auch entscheidet – beim Blick auf den im weißen Scheinwerferlicht erstrahlenden Tempel am Kap Sounion munden alle.



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