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Designer Øivind Slaatto: „Farben sind nicht meine Stärke“
Lifestyle 3 Min. 29.08.2017

Designer Øivind Slaatto: „Farben sind nicht meine Stärke“

Lifestyle 3 Min. 29.08.2017

Designer Øivind Slaatto: „Farben sind nicht meine Stärke“

Ein Lautsprecher als eine Art Installation, die den Raum schmückt, ohne dabei wie ein Fremdkörper zu wirken – das ist die Beschreibung des BeoSound-Shape-Systems von Bang & Olufsen. Wir sprachen mit dem Designer der klingenden Wand, dem Dänen Øivind Slaatto.

Interview: Michael Juchmes

Øivind Slaatto, Jahrgang 1978, betreibt ein eigenes Designstudio in der 
dänischen Hauptstadt Kopenhagen.
Øivind Slaatto, Jahrgang 1978, betreibt ein eigenes Designstudio in der 
dänischen Hauptstadt Kopenhagen.
Foto: Morten Jerichau

Herr Slaatto, ein Lautsprecher-System, das Teil der Inneneinrichtung ist – wie entstand die Idee zu diesem Produkt?

Während einer Skitour durch die norwegischen Berge vor etwa fünf Jahren beobachtete ich fasziniert, wie das Licht immer wieder die Schneelandschaft aufs Neue veränderte. Außerdem merkte ich, wie anders Geräusche in dieser Umgebung klingen und wie eindrucksvoll Stille sein kann. Diese Erlebnisse stellten für mich den Startpunkt des Designprozesses dar. Gleichzeitig war ich auch auf der Suche nach einer Audio-Lösung für unser neues Studio in Kopenhagen. Tolle Räumlichkeiten – mit einer wirklich furchtbaren Akustik. Mir war schon kurz nach dem Einzug klar, dass ich die harten Wände mit einem Geräusch absorbierenden Material abdecken muss, damit sich die Klangwirkung im Studio nachhaltig verbessert.

Ein Auftrag von Bang & Olufsen lag da aber noch nicht vor, oder?

Nein, aber seitdem ich für das Unternehmen gearbeitet habe – ich habe den Lautsprecher „BeoPlay A9“ entworfen –, wusste ich, dass man dort immer offen für Ideen ist. Ich schlug den Verantwortlichen daher vor, dass sie nicht nur Lautsprecher und Audiozubehör, womit sie sich wirklich gut auskennen, anbieten, sondern auch ein Sound- oder Klangklima für einen Raum erschaffen sollten.

Und da gab man Ihnen die Chance, Ihre Idee umzusetzen?

Sozusagen. Um mich der Stilsprache von Bang & Olufsen ein wenig anzupassen, habe ich die Berge in geometrische Formen verwandelt. Das Sechseck, die Grundstruktur jedes Shape-Moduls, ist auch in der Natur zu finden, beispielsweise in Form der Bienenwabe. Es ist eine einfache Form, die sich in der Fläche vielfältig multiplizieren lässt, was sehr gut zum Portfolio und zur Geschichte von Bang & Olufsen passt.

Ihnen ist es wichtig, dass sich die Menschen auf ihr Leben und ihren Alltag konzentrieren – und nicht von komplizierten Produkten abgelenkt werden. Ist der „BeoSound Shape“ ein Schritt in diese Richtung?

Ja und nein. Das Design ist ja nicht wirklich so unauffällig, dass es übersehen werden kann. Ich hoffe aber, dass es sich so in das Interieur einfügen lässt, dass es die Leute nicht als ein technisches Gerät, sondern eher als ein Dekoelement ansehen. Als ein Teil der Einrichtung, die einen nicht ablenkt, sondern einem dabei hilft, sich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren, indem es eine Atmosphäre erschafft – also nicht nur optisch, sondern auch akustisch. Vom technischen Standpunkt aus gesehen soll „BeoSound Shape“ auch ein Schritt in diese Richtung sein, indem es ganz einfach in den Alltag integriert werden kann. Der Hörer weiß nie genau, wo welches Element, also der Verstärker oder die Lautsprecher, genau platziert sind, denn alle Elemente sehen gleich aus. Das kommt vor allem den Leuten entgegen, die sich für die Musik interessieren ... und nicht für das Gerät, aus dem sie kommt.

Traten während des Designprozesses Probleme auf?

Herausforderungen gehören zu meinem Beruf dazu. Das Original-Modul, aus dem sich das System zusammensetzt, war beispielsweise kleiner, musste dann aber aus technischen Gründen vergrößert werden. Auch die Befestigung der Module stellte uns vor einige Hindernisse. Unsere Aufgabe ist es dabei immer, die einfachste Lösung zu finden, egal wie komplex das Problem auch sein mag. Wir haben deshalb auch eng mit dem Akustik-Ingenieur Jakob Dyreby zusammengearbeitet, der den Sound-Algorithmus für das Produkt auf das Äußere abgestimmt hat.

Elektrogerät oder Innenraumdekoration?
Das Soundsystem „BeoSound
Shape“ versucht beide Funktionen in einem Gerät
zu vereinen.
Elektrogerät oder Innenraumdekoration?
Das Soundsystem „BeoSound
Shape“ versucht beide Funktionen in einem Gerät
zu vereinen.
Foto: Bang & Olufsen

Wie haben Sie die Stoffe und Farben ausgewählt?

Um ehrlich zu sein: Farben sind nicht meine Stärke, das habe ich daher dem Team von Bang & Olufsen überlassen. Meine Aufgabe war es, ein Konzept und eine Form zu schaffen, die dann von anderen wie ein Bild „ausgefüllt“ werden kann, mit dem, was gerade dazu passt. Ich bin gespannt, wie sich das noch weiterentwickelt – hoffentlich werden sich auch die Farben und Materialien ändern, denn schließlich ändern sich ja auch die Räume, in denen das Produkt Verwendung findet.

War es für Sie rückblickend ein Vorteil, nicht nur Design, sondern auch Musik studiert zu haben?

Studieren ist meiner Meinung nach immer wichtig, wenn man sich Basiswissen aneignen will, auf das man aufbauen kann. Das Musikstudium macht sich sowieso immer bezahlt. Es bringt die kreative Seite in uns zum Vorschein und bereichert das Leben ungemein. Ich bin sicher, dass dies auch dem Designprozess zugute kommt. Viele andere haben nicht das Glück, diese Einblicke zu erhalten.


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